Laubers Kolumne: Diabetes – die vergessene Pandemie

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Laubers Kolumne: Diabetes – die vergessene Pandemie

Ungebremst explodieren seit Jahren die Zahlen beim Typ-2-Diabetes. Doch nun schlagen renommierte Experten Alarm. Bestsellerautor Hans Lauber gibt in seiner Kolumne einen Überblick.

Es geht doch! In einer einzigartigen Anstrengung hat sich die Gesellschaft gegen die Bedrohung durch Corona gewehrt: Um die Virus-Übertragung zu reduzieren, wurden Kontakte massiv eingeschränkt, bis hin zu Lockdowns und Ausgangssperren. Gleichzeitig wurde eine gigantische Impfkampagne gestartet, die Kosten von über 20 Milliarden Euro verursacht. Sicher, es gab vereinzelte Proteste. Aber ansonsten wurden diese Opfer von einem Großteil der Bevölkerung akzeptiert. Inzwischen gibt es ermutigende Ergebnisse, die Rückkehr zur Normalität verläuft holprig, aber zielstrebig. Wobei das Ziel einer völligen Eliminierung des Virus natürlich illusorisch ist, weshalb die Zero-Covid-Kampagnen weltweit scheitern.

So vielversprechend der Kampf gegen Corona verläuft, so enttäuschend verläuft der Kampf gegen die zweite große Geisel der Menschheit: Typ-2-Diabetes. Allein in Deutschland haben über acht Millionen Menschen einen sicher diagnostizierten Typ-2-Diabetes. Dazu kommen rund zwei Millionen Fälle von noch unerkanntem „Zucker“. Erschreckend: Jedes Jahr kommen einige Hunderttausend neue Fälle dazu. Erschreckend ist aber nicht nur das persönliche Leid infolge von Amputationen, schleichender Erblindung und vielen Toten. Erschreckend sind auch die Krankheitskosten von 21 Milliarden Euro, plus beträchtliche indirekte Kosten, etwa für Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung. Noch schlimmer sind die weltweiten Werte: Inzwischen sind weit über 400 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt, wahrlich pandemische Dimensionen.

Nur, das alles ist nicht neu. Schon als ich vor über 20 Jahren meinen Bestseller „Fit wie ein Diabetiker“ schrieb, waren die grundlegenden Tendenzen ähnlich. Ähnlich waren damals auch schon die vorgeschlagenen Maßnahmen gegen diese heimliche Pandemie: Reduktion des Gewichts, denn zu viele Pfunde sind die Hauptursache für Typ-2, weshalb ich auch von Lifestyle-Diabetes spreche. Doch inzwischen sind zwei Drittel aller Männer und über die Hälfte aller Frauen übergewichtig bis fett – und Corona hat diese Lage noch verschlimmert, viele haben in den Lockdowns mehrere Kilo zugelegt. Neben dem Übergewicht ist auch der Bewegungsmangel eine wesentliche Ursache für den Lifestyle-Diabetes – und da haben gesperrte Spielplätze und geschlossene Schwimmbäder gerade bei den Kindern „pfundige“ Spuren hinterlassen.

Wie dramatisch die Lage inzwischen von den Experten eingeschätzt wird, zeigt ein ungewohnt deutlicher Appell der renommierten Deutschen Diabetes Gesellschaft DDG, über den die FAZ am 15. September 2021 berichtete: Da werden ein „Paradigmenwechsel“, werden „Verbote“, gar ein „Umbruch der politischen Landschaft“ gefordert. Große Worte, die in der Regel aber wohl folgenlos bleiben. Denn nicht einmal die seit Jahren angemahnten praktischen Schritte, die von der DDG jetzt noch einmal wiederholt werden, haben größere Chancen auf eine Umsetzung: Nämlich ein Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel, eine verpflichtende Lebensmittelampel (etwa Nutri-Score), eine nach Krankheitswert gestaffelte Mehrwertsteuer, sodass etwa Gemüse gar nicht und Süßgetränke hoch besteuert würden.

Genussvolle Diabetes-Prävention: Keine Mehrwertsteuer für Gemüse

Würden allein diese drei Maßnahmen verwirklicht, wäre das ein gewaltiger Fortschritt für die Diabetes-Prävention. Ein Fortschritt, der menschliches Leid lindert und die Kosten für die Behandlungen deutlich senkt. Sicher, die entsprechenden Lobbyisten würden aufschreien. Nur, da empfiehlt sich etwas, das bei Corona sehr wirksam war: Der Verweis auf die Hospitalisierung und ihre Kosten, schließlich wird jedes fünfte Krankenhausbett von Diabetes-Patienten belegt. Wäre doch ein guter Ansatz für anstehende Koalitionsverhandlungen: Mehr Corona-Courage wagen!

Wer wissen will, wie die einzelnen Menschen, aber auch wie die Gesellschaft Diabetes-präventiv werden kann, dem empfehle ich meine sieben Bücher.


von Hans Lauber

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    Der Link zur Umfrage lautet: https://forms.cloud.microsoft/r/PN2hqhkuLB

    Vielen Dank für eure Unterstützung! 🙂