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Diabetes-Kurzgeschichte: Der kleine Melli und ich – Gefahr im Kaufhaus
4 Minuten
Lena Schuster erzählt die Geschichte von Nina und Carla: Beim Shoppen und Quatschen vergessen sie den kleinen “Melli” – was prompt zu einer Unterzuckerung führt…
Dieser Tag wird großartig! Ich bin mit Carla, einer meiner besten Freundinnen, in der Stadt verabredet. Freudestrahlend stehen Melli und ich am Treffpunkt und warten auf sie. Kurze Zeit später taucht sie auf, und wir schließen uns herzlich in die Arme.
Die Diabetes-Kurzgeschichten-Reihe „Der kleine Melli und ich“ – der Hintergrund
Melli ist ein kleiner Junge, der mit Nina, einer jungen erwachsenen Frau, zusammenlebt. Die beiden Protagonisten der Diabetes-Kurzgeschichtenreihe geraten im Alltag immer wieder in Konflikt: beim Essen, beim Sport etc.
Autorin Lena Schuster ist Psychologin und hat seit 2014 Typ-1-Diabetes. Ihr Bruder hat seit der Kindheit ebenfalls Typ-1-Diabetes, deshalb ist ihr auch der Einfluss der Stoffwechselerkrankung auf die Familie gut bekannt. Zu ihren Kurzgeschichten sagt sie: „Für mich ist der Diabetes vergleichbar mit dem kleinen Melli, den man oft zu gerne ignorieren möchte, doch das geht leider nicht. Denn ignoriert man den Diabetes, ist er wie ein schreiendes Kind, das einen nicht zur Ruhe kommen lässt. Kümmert man sich jedoch um den Diabetes, so macht einen das stark – und man erkennt, dass man bereit ist, auch andere Probleme des Lebens zu bewältigen.“
➤ hier gibt es alle Diabetes-Kurzgeschichten mit Nina und dem kleinen Melli
Voller Freude ins Shopping-Glück
Carla und ich haben uns schon ein paar Wochen nicht gesehen und sind die ganze Zeit nur am Reden. Die Geschäfte geraten dabei eher in den Hintergrund, und so landen wir schließlich in einem großen Kaufhaus, um uns dort ein bisschen nach Sommerkleidern umzuschauen. Kaum sind wir drin, ist Carla schon in eine Richtung gestürmt. Nur mit großer Mühe schaffe ich es hinterherzukommen.
Ein Glück, dass sie vor einem blauen leichten Kleid mit dünnen Trägern zum Stehen kommt: “Nina, schau mal. Das ist doch schön! Was meinst du?”, sagt sie erwartungsvoll. “Es ist echt ein tolles Kleid! Probiere es doch mal an!”, antworte ich ihr. Gemeinsam suchen wir die Umkleiden auf, und Carla schlüpft ins Kleid. Strahlend zieht sie den Vorhang zurück und präsentiert es mir mit leuchtenden Augen.
Prompt steht die Entscheidung fest: Sie nimmt das Kleid. Bevor sie wieder in der Umkleide verschwindet, versichert sie: “Wir finden bestimmt auch noch eins für dich!” Sofort begeben wir uns weiter auf die Suche: kurz, lang, bunt, schlicht – wirklich alles ist dabei.
Melli hat sich verlaufen …
Plötzlich eine Durchsage: “Sehr geehrte Kunden, der kleine Melli hat sich an die Kasse im Erdgeschoss gewendet. Er ist auf der Suche nach Nina und Carla. Bitte kommen Sie umgehend und holen ihn ab.” Ich halte inne, drehe mich hektisch von links nach rechts. Von Melli fehlt jede Spur. Das gibt es doch nicht! Carla und ich waren so versunken, dass uns Mellis Verschwinden gar nicht aufgefallen ist. Ich drehe mich zu ihr um und sage unruhig: “Wir müssen schnellstens zu Melli.” Verständnisvoll streicht sie mir über die Schulter und nickt.
Doch dann fällt mein Blick auf die Kleider, die ich noch in der Hand halte. Kurzerhand habe ich mich umentschieden: “Das eine Kleid muss ich aber noch anziehen. Ich will wissen, ob es mir steht! Danach gehen wir sofort zu Melli!” Hastig ziehe ich es an … und bin überwältigt: So ein tolles Kleid habe ich schon lange nicht mehr getragen! Seidig-weicher Stoff umhüllt mich sanft. Begeistert drehe ich mich im Kreis, um das Kleid von allen Seiten zu betrachten.
Ich schaue zu Carla, die genauso fröhlich dreinblickt. “Wow, Nina, das Kleid ist wunderschön!” Und fügt hinzu: “Hätte ich nicht vorhin selbst ein Kleid gefunden, wäre ich jetzt schon ein bisschen neidisch!” Wie kleine Kinder vor den Weihnachtsgeschenken glucksen und strahlen wir um die Wette. Unsere Stimmung ist ausgelassen – und so vergessen wir alles um uns herum.
Plötzlich ein flaues Gefühl im Magen
Doch innerhalb weniger Sekunden überkommt mich ein flaues Gefühl im Magen, und mir wird schlecht. Carla erkennt das sofort. “Nina, was ist los? Geht’s dir nicht gut?” Langsam gleite ich auf einen Hocker; panisch realisiere ich sofort, dass Melli noch an der Kasse wartet. Geschwächt sage ich: “Ja. Kannst du schnell zur Kasse laufen und Melli holen?” Sofort dreht sie sich um und eilt los. Von Sekunde zu Sekunde wird mir immer schlechter. Kurz habe ich das Gefühl, ohnmächtig zu werden.
In dem Moment tauchen Carla und Melli vor mir auf. Ich sehe zu Melli und flüstere erschöpft: “Es tut mir so leid. Wir hätten gleich zu dir kommen sollen.” Schweigend hält er mir eine Banane hin, die ich sofort aufesse. Im Nu komme ich wieder zu Kräften und kann aufstehen. Ich nehme Carla und Melli in die Arme und sage: “Welch ein ereignisreicher Tag! Lasst uns zur Erholung ein Eis essen.”
Kommentar der Autorin:
Das Thema Unterzuckerung ist jedem Diabetiker präsent. Manchmal wachen wir nachts zitternd auf und müssen etwas essen. Oder wir werden bei schönen Aktivitäten gestört. So wird auch Nina von Melli beim Bummeln unterbrochen. Er sucht sie und fordert ihre Aufmerksamkeit, doch sie ist gerade beschäftigt und ignoriert ihn. Letztlich geht es ihr schlecht, da sie nicht auf Melli gehört hat.
Natürlich ist es anstrengend, dass der Diabetes oft plötzlich Aufmerksamkeit fordert, doch andererseits zeigt der Körper uns eindeutig, dass er den Verstand braucht. So darf der Kopf nicht gegen den Körper arbeiten, denn nur wenn Kopf und Körper zusammenarbeiten, sind wir ausgeglichen und stark.
➤ weitere Diabetes-Kurzgeschichten mit Nina und dem kleinen Melli
von Lena Schuster
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (8) Seite 34-35
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 2 Wochen, 2 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 2 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
