- Leben mit Diabetes
Laubers Kolumne: Insulin? Braucht’s nicht mehr!
3 Minuten
Einmal Insulin, immer Insulin, heißt es. Bei mir stimmt diese Regel gottseidank nicht.
Überrascht bin ich immer wieder, welche Volten mein Stoffwechsel schlägt: Über 20 Jahre ist es mir gelungen, mit meiner Methode aus „Messen! Essen! Laufen!“ den Typ-2-Diabetes ohne Medikamente im Griff zu behalten, worüber ich den Bestseller „Fit wie ein Diabetiker“ geschrieben habe.
Jäh endete diese glückliche Ära Ende November 2021: Da explodierte plötzlich mein Blutzucker von in der Regel um die 100 mg/dl auf über 400. Plötzlich war der Urin nicht mehr klar, sondern honigdick, war es ein massiver Diabetes mellitus, was ja nichts anderes heißt als „honigsüßer Durchfluss“. Sofort konsultierte ich Dr. med. Meinolf Behrens, ein Diabetologe aus Minden, mit dem ich seit langem zusammenarbeite. Dort wurde sofort der Langzeitzucker HbA1c bestimmt – mit katastrophalem Ergebnis: Über 10 Prozent, statt wie Monate zuvor bei unter 7 Prozent.
Sofort war für den erfahrenen Arzt klar, es muss Insulin gespritzt werden. Das machte ich in den nächsten Wochen auch und schriebe darüber Mitte Dezember 2021 die ausführliche Geschichte „Plötzlich braucht´s Insulin“, deren Lektüre ich nur empfehlen kann, zeigt sie doch, wie sich schnell und sicher diese wirksame Diabetes-Therapie erlernen lässt: https://echtessen.de/2021/12/13/2490/
Innerhalb weniger Wochen ist es mir mit Hilfe des künstlichen Hormons gelungen, die Blutzuckerwerte wieder in den Normbereich zu bringen. Von Anfang war es aber mein Bestreben, die Insulindosis zu reduzieren. Bestärkt hat mich in diesem Vorhaben ein Anfang März 2022 vorgenommener „Glukagon-Test“ in der Praxis von Dr. Behrens. Mit diesem leider ein wenig aus der Mode gekommenen Verfahren lässt sich eruieren, ob die Insulin produzierenden Betazellen noch funktionieren: Erfreuliches Ergebnis: Sie tun es. Hier ist der Glukagon-Test: https://echtessen.de/2022/03/06/2792/
Intensiv arbeitete ich in den nächsten Wochen daran, die Insulindosis immer weiter zu verringern, indem ich praktisch alle „schnellen“ Kohlenhydrate wegließ, also kein Weißbrot, kein Reis, keine Nudeln, und ich startete ein umfassendes Bewegungsprogramm, lief jeden Tag mindestens zwei Stunden – und kam laut meinem i-phone im August auf 11.185 Schritte am Tag. Als besonders wirksam hat sich erwiesen, dass ein nächtlicher schneller Fußmarsch von rund 45 Minuten Wunder wirkt, geht dabei doch der Blutzucker um rund 60 herunter, auf schickliche Werte von rund 100 mg/dl.
Mit dem „Medikament Bewegung“ konnte ich deshalb als erstes das nächtliche Langzeitinsulin ABASAGLAR absetzen. Konsequent überwachte ich diese Schritte mit dem genialen Messgerät „FreeStyle Libre3“ von Abbott. Dabei wird über einen leicht selbst applizierbaren Sensor am Oberarm zwei Wochen permanent der mit dem Blutzucker korrelierende Gewebezucker festgestellt. Wobei das Messen das eine ist, viel wichtiger ist danach zu handeln, also sehr diszipliniert zu essen und sich bewegen, wobei mir die nächtlichen Runden schon manchmal schwerfallen. Aber was hilft, muss gemacht werden!
Das FreeStyle Libre3 hat meinen Weg weg vom Insulin erst ermöglicht, behaupte ich. Denn am 25. August 2022 durfte ich mich bei Dr. Behrens über ein äußerst erfreuliches Messergebnis freuen: Mein Langzeitwert war 6,5 Prozent – und das, obwohl ich seit rund zwei Monaten das Insulinspritzen aufgegeben habe. Sicher, ich nehme inzwischen täglich eine Metformin-Tablette, womit ich bestens klarkomme. „Einmal Insulin, immer Insulin“, stimmt in vielen Fällen, aber in meinem Fall gottseidank nicht.
Wie weiter? Ohne Fleiß kein Preis, lautet meine Devise für die nächsten Zeit. Also werde ich weiterhin konsequent alle schnellen Kohlenhydrate meiden, was mir seltsamerweise immer leichter fällt. Klingt nach Kasteien, ist es aber nicht. Denn meine „Diät“ (kommt vom griechischen Dietaia und meint Lebensweise) ist genussvoll, wo ich sehr gerne Fisch mit etwas Gemüse esse, etwa die abgebildete konfierte Seeforelle. Auch werde ich mich weiterhin tüchtig bewegen – und werde regelmäßig messen, wobei ich das teure FreeStyle (zwei Wochen kosten 60 Euro, die von der Kasse nicht bezahlt werden) nur partiell einsetze, denn die Blutzuckerverläufe ähneln sich. Nur, wenn ich das Gefühl habe, zu schludern, setze ich auf die sanfte „Disziplinpeitsche“ permanente Blutzuckermessung.
Mein Fazit: Ich bin glücklich, wieder meinen fast medikamentenfreien Weg gehen zu können.
von Hans Lauber
- E-Mail: aktiv@lauber-methode.de
- Internet: www.lauber-methode.de
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 1 Woche, 6 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
