Kolumne | Zum guten Schluss: „Machen Sie sich bitte frei!“

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Kolumne | Zum guten Schluss: „Machen Sie sich bitte frei!“

Sich beim Arzt zu entkleiden, ist eigentlich ein normale Vorgang. Doch für manche Patienten kann es in bestimmten Situationen auch unangenehm sein.

“Bist Du noch nüchtern? Dann könnten wir gleich Blut für die Vorsorgeuntersuchung abnehmen.” Es war Anja, die weltbeste Blutabnehmerin und Arzthelferin in meiner Hausarztpraxis, die mich darauf aufmerksam machte. “Nein, ich habe schon einen Kaffee mit Milch getrunken”, antwortete ich – und war erleichtert. Denn so sinnvoll die Vorsorge ist: Sie ist auch immer angstbesetzt, denn es könnte ja etwas Schlimmes dabei herauskommen.

Ich mache an diesem Tag keinen Vorsorgetermin aus. Ich werde schon noch hingehen, habe ich ja schon einmal gemacht, aber bitte nicht Knall auf Fall. Vor dem Blutabnehmen habe ich übrigens gar keine Angst, aber beim Stichwort “Vorsorgeuntersuchung” stand mir sofort ein anderes Bild vor Augen – nämlich wie ich mich ausziehen musste, damit die Elektroden für das EKG angebracht werden konnten. Tatsache: Ich wusste nicht, dass das nötig ist und lag plötzlich halbnackt da.

Unangenehm war es mir trotzdem

Ja, das muss einem nicht peinlich sein, die Leute in der Praxis sehen das am Tag 50 Mal, und Anja hat sich natürlich auch tadellos verhalten. Unangenehm war es mir trotzdem. Schnoddrige Sprüche und vernünftige Argumente helfen mir in solchen Situationen nicht weiter, und ich lege auch keinen Wert auf eine tiefenpsychologische Analyse meiner Schamgefühle.

Und wissen Sie was: Ich kann auch verstehen, wenn jemand, der durch den Diabetes eine schlimme Wunde am Fuß hat, nicht gerade scharf darauf ist, das einem Arzt zu zeigen, und es immer wieder aufschiebt – auch wenn er oder sie es besser weiß und es tausendmal vernünftiger wäre.

Schamgefühle überwinden!

Schamgefühl, Angst vor Schmerzen, manchmal auch Bequemlichkeit beeinflussen unser Handeln eben oft viel stärker als die Vernunft. Der Arzt klagt dann, dass der Patient nicht bereit ist, mitzuarbeiten, verzweifelt an der “Unvernunft” – und sieht und versteht nicht die Ängste, die sich dahinter verbergen.

Was ist also zu tun? Es hilft nichts, die Schamgefühle muss ich, müssen alle Patienten überwinden. Aber wir wollen uns auch darauf verlassen können, dass sensibel mit unserer Nacktheit und Verletzlichkeit umgegangen wird. Wer in der Medizin arbeitet, mag täglich nackte Leiber sehen und objektiv damit umgehen. Für den Patienten aber ist es vielleicht das erste Mal.

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

von Alex Adabei

Alex Adabei war ein fiktiver Charakter im Rahmen der Kolumne „Zum guten Schluss“, die von 2013 bis 2024 im Diabetes-Journal erschienen ist. Hinter der Rolle als Frau mit vielen Bekannten und Verwandten mit Typ-2-Diabetes, die von ihren Typ-F-Erfahrungen berichtete, steckte ein echter Mensch, mit ähnlichem Hintergrund.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2014; 63 (6) Seite 92

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  • florahdo postete ein Update vor 4 Tagen, 3 Stunden

    Hallo zusammen, ich arbeite gerade an einer Seminararbeit zum Thema „Die Behandlung von Typ-1-Diabetes mit CRISPR/Cas“ (eine Methode der Gentechnik). Dazu habe ich eine Umfrage erstellt und suche dafür Menschen mit Typ-1-Diabetes, die einige Fragen beantworten könnten zu ihrer Einstellung gegenüber dem Einsatz dieser Technologie zur Behandlung von Typ-1-Diabetes. Die Umfrage ist vollständig anonym und dauert etwa 5 Minuten, sie richtet sich ausschließlich an Menschen mit Typ-1-Diabetes. Es würde mir enorm weiterhelfen, wenn sich Teilnehmer finden würden!

    Der Link zur Umfrage lautet: https://forms.cloud.microsoft/r/PN2hqhkuLB

    Vielen Dank für eure Unterstützung! 🙂

  • mr postete ein Update vor 6 Tagen, 13 Stunden

    Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.

    • Hallo mr,

      Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.

      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?

  • moira postete ein Update vor 6 Tagen, 15 Stunden

    Hallo!
    Hat schon jemand die liberal Funktion bei der ypsopump app ausprobiert?
    Ich wüsste gerne wie gut das klappt.