- Leben mit Diabetes
Laubers Kolumne: Fischhaut heilt tiefste Wunden
4 Minuten

Trotz überzeugenden Erfolgen bei der Behandlung des Diabetischen Fußes setzt sich eine innovative Methode, bei der Fischhaut selbst tiefste Wunden heilt, nicht in der Breite durch. Warum das so ist? Das fragt sich unser Kolumnist Hans Lauber, der das Verfahren ausführlich vorstellt.
Starke Nerven braucht, wer diese Fotos betrachtet. Sie zeigen sehr tiefe und komplexe Wunden, wie sie vor allem bei Diabetes entstehen können. Im vorliegenden Fall handelt es sich um einen alten Mann, der am 21. Juni 2021 in die Kölner Uniklinik kam. Bei dem Patienten musste bereits bis auf die Ferse der Fuß amputiert werden. Und es drohte fast unweigerlich der Verlust des kompletten Unterschenkels ab dem Knie. Dieses Schicksal wollte der Oberarzt der Poliklinik für Gefäßchirurgie Dr. med. Tran Tong Trinh dem Patienten ersparen – und er nahm den Kampf mit der schwärenden Wunde auf.
Fast hoffnungsloser Fall: Bis auf den Knochen reichende Wunde
Knapp drei Monate später konnten sich Arzt und Patient über erste Erfolge freuen. Ein Großteil der offenen Wunde war im Prozess des Abheilens. Und das ist einem seit längerem bekannten Verfahren zu verdanken, das aber nur selten angewandt wird. Nämlich einer Wundauflage mit präparierter Haut vom isländischen Kabeljau. Einmal pro Woche legte der erfahrene Arzt die von lebenden Zellen gereinigte, von Krankheitskeimen befreite Fischhaut in die Wunde – zu sehen an den kleinen gelben Stellen, die auch deutlich nach Fisch riechen.
Hoffnung keimt auf: Die Wunde ist deutlich im Abheilen
Tiefes Aufatmen nach 24 Wochen am 22. November 2021
Der „Last Endpoint“ ist erreicht. Die Wunde ist vollständig geschlossen, der Unterschenkel ist gerettet. Und auch jetzt nach bald drei Monaten ist der Patient ohne Beschwerden und sagt dankbar und erleichtert. „Plötzlich hatte ich nicht mehr das Gefühl, krank zu sein“. Ein kleines Wunder, denn jedes Jahr gibt es in Deutschland vor allem als Folge von nicht oder schlecht heilenden Wunden bei Diabetes um die 20 000 Amputationen, trotz meistens gut eingestellten Blutzuckerwerten.
Ein kleines Wunder: Die Wunde ist vollständig abgeheilt
Zu verdanken ist das Wunder einem Produkt der isländischen Firma Kerecis, welche diese dezellularisierte Matrix aus Fischhaut herstellt. Warum sich die Kabeljauhaut so ideal zur Wundheilung eignet, zeigt mir Dr. Trinh an einer Grafik. So ähneln sich vom Kollagen (also den Strukturproteinen des Bindegewebes) über das Fibronektin (ein Gewebe regenerierendes Protein) bis hin zu den Proteoglykanen (dienen der Stabilisierung der Zellen) die Matrix-Moleküle von Fisch- und Menschenhaut auf verblüffende Weise. Aber nicht nur das: Die Fischhaut ist reich an Omega-3-Fetten, die im Körper in Stoffe umgewandelt werden, welche Entzündungen dämpfen, Bakterien abtöten und die Wundheilung befördern – und das sehr viel nachhaltiger als andere Hautersatzstoffe, zu denen auch präparierte Schweinedärme gehören.
Teurer als Gold: Präparierte Fischhaut der Firma Kerecis
Leider keine Erfolgsgeschichte
Klingt alles sehr überzeugend. Klingt nach einer Erfolgsgeschichte. Ist es aber leider nicht, denn die Methode hat einen entscheidenden Nachteil. „Sie ist rund 50 Prozent teurer als die herkömmlichen Verfahren“, sagt Prof. Bernhard Dorweiler, Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie an der Uniklinik Köln. Der Arzt muss es wissen, denn er hat zusammen mit Dr. Trinh bereits 2016 in der Mainzer Uniklinik als Erster in Deutschland damit Wunden geheilt.
Und die beiden haben zusammen mit gefäßchirurgischen Zentren in Hamburg und Karlsruhe die erste umfassende Studie zu diesem Heilverfahren verfasst, die 2018 veröffentlicht worden ist. Dabei wurden 25 Problemwunden behandelt, von denen viele teilweise über Wochen mit konventionellen Methoden erfolglos therapiert wurden. Nicht nur heilten die Wunden sehr gut, sondern die Patienten konnten sich auch über deutlich geringere Wundschmerzen freuen. Ermutigende Ergebnisse, die auch Chefarzt Prof. Diethelm Tschöpe vom Diabeteszentrum Bad Oeynhausen bestätigen kann.
Weniger Schmerzen bedeuten weniger menschliches Leid
Nur, in solchen Kategorien wird in unserem Gesundheitssystem selten gedacht. Da dominieren ganz stark wirtschaftliche Überlegungen. Da spielt eine Rolle, dass ein Quadratzentimeter der rettenden Matrix über 20 Euro kostet, „weshalb das Material teurer als Gold ist“, so Prof. Dorweiler.
Pioniere innovativer Wundheilung: Prof. Dorweiler, Dr. Trinh
Den gesetzlichen Kassen ist das zu teuer, weshalb sie nicht zahlen. Und das, obwohl die Behandlung oft sehr viel schneller und unkomplizierter funktioniert als mit herkömmlichen Wundauflagen, die oft alle zwei Tage gewechselt werden müssen. Auch ist es bei sehr tiefen Wunden, wo Sehnen, wo Knochen freiliegen, vielfach die einzig erfolgversprechende Methode – als Alternative zu einer Amputation. Auch die breit von der EU geförderte sogenannte ODIN-Studie, an der die beiden seit einem Jahr in Köln wirkenden Ärzte teilnehmen, kann diese Einschätzung wohl nicht mehr grundlegend ändern. Obwohl es genau das Ziel dieser länderübergreifenden Studie war, Daten und Fakten zu generieren, um den Kassen Argumente dafür zu liefern, die Wundheilung mit Fischhaut zu einer Standardtherapie zu machen.
Völlig anders die Situation in den USA
„Dort ist die Behandlung mit der Fischhaut der Standard“. Und Prof. Dorweiler weiß auch warum: „Das Verfahren wurde massiv von der US-Army gefördert“. Dies hat wohl geholfen, die Heilung mit der Fischhaut in der Breite durchzusetzen. Was auch geholfen hat: Die Amerikaner haben bei ihrem Zulassungsverfahren ganz stark von den Ergebnissen der Dorweiler-Studie profitiert.
Und bei uns? „Die Methode wird bleiben“, ist Prof. Dorweiler überzeugt. Aber sie wird wahrscheinlich auf einen überschaubaren Kreis beschränkt bleiben, vor allem wohl von Privatpatienten. Wobei meine Erfahrung mit den Kassen ist, dass sich in speziellen Fällen (etwa, wenn eine Amputation droht) oft ein vertrauliches Gespräch mit dem Versicherungsträger lohnt.
Vernünftige Ansätze. Sie können allerdings nicht verhindern, dass diese schonende Form der Wundheilung bei uns nicht den Stellenwert erhält, der diesem innovativen Verfahren gebührt.
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von Hans Lauber
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katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 4 Tagen, 7 Stunden
Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Gürtelrose bei Diabetes – Risiken, Symptome und Vorbeugung im Überblick
In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …florahdo postete ein Update vor 6 Tagen, 7 Stunden
Hallo zusammen, ich arbeite gerade an einer Seminararbeit zum Thema „Die Behandlung von Typ-1-Diabetes mit CRISPR/Cas“ (eine Methode der Gentechnik). Dazu habe ich eine Umfrage erstellt und suche dafür Menschen mit Typ-1-Diabetes, die einige Fragen beantworten könnten zu ihrer Einstellung gegenüber dem Einsatz dieser Technologie zur Behandlung von Typ-1-Diabetes. Die Umfrage ist vollständig anonym und dauert etwa 5 Minuten, sie richtet sich ausschließlich an Menschen mit Typ-1-Diabetes. Es würde mir enorm weiterhelfen, wenn sich Teilnehmer finden würden!
Der Link zur Umfrage lautet: https://forms.cloud.microsoft/r/PN2hqhkuLB
Vielen Dank für eure Unterstützung! 🙂
mr postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.
- katrin-kraatz antwortete vor 3 Tagen, 14 Stunden
Hallo mr,
Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.
Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.
Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.
Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?



