- Leben mit Diabetes
„Machen Sie sich bitte frei!“
2 Minuten
Sich beim Arzt zu entkleiden, ist eigentlich ein normale Vorgang. Doch für manche Patienten kann es in bestimmten Situationen auch unangenehm sein.
Vorsorge kann auch angstbesetzt sein
“Bist Du noch nüchtern? Dann könnten wir gleich Blut für die Vorsorgeuntersuchung abnehmen.” Es war Anja, die weltbeste Blutabnehmerin und Arzthelferin in meiner Hausarztpraxis, die mich darauf aufmerksam machte. “Nein, ich habe schon einen Kaffee mit Milch getrunken”, antwortete ich – und war erleichtert. Denn so sinnvoll die Vorsorge ist: Sie ist auch immer angstbesetzt, denn es könnte ja etwas Schlimmes dabei herauskommen.
Ich mache an diesem Tag keinen Vorsorgetermin aus. Ich werde schon noch hingehen, habe ich ja schon einmal gemacht, aber bitte nicht Knall auf Fall. Vor dem Blutabnehmen habe ich übrigens gar keine Angst, aber beim Stichwort “Vorsorgeuntersuchung” stand mir sofort ein anderes Bild vor Augen – nämlich wie ich mich ausziehen musste, damit die Elektroden für das EKG angebracht werden konnten. Tatsache: Ich wusste nicht, dass das nötig ist und lag plötzlich halbnackt da.
Unangenehm war es mir trotzdem
Ja, das muss einem nicht peinlich sein, die Leute in der Praxis sehen das am Tag 50 Mal, und Anja hat sich natürlich auch tadellos verhalten. Unangenehm war es mir trotzdem. Schnoddrige Sprüche und vernünftige Argumente helfen mir in solchen Situationen nicht weiter, und ich lege auch keinen Wert auf eine tiefenpsychologische Analyse meiner Schamgefühle.
Und wissen Sie was: Ich kann auch verstehen, wenn jemand, der durch den Diabetes eine schlimme Wunde am Fuß hat, nicht gerade scharf darauf ist, das einem Arzt zu zeigen, und es immer wieder aufschiebt – auch wenn er oder sie es besser weiß und es tausendmal vernünftiger wäre.
Schamgefühle überwinden!
Schamgefühl, Angst vor Schmerzen, manchmal auch Bequemlichkeit beeinflussen unser Handeln eben oft viel stärker als die Vernunft. Der Arzt klagt dann, dass der Patient nicht bereit ist, mitzuarbeiten, verzweifelt an der “Unvernunft” – und sieht und versteht nicht die Ängste, die sich dahinter verbergen.
Was ist also zu tun? Es hilft nichts, die Schamgefühle muss ich, müssen alle Patienten überwinden. Aber wir wollen uns auch darauf verlassen können, dass sensibel mit unserer Nacktheit und Verletzlichkeit umgegangen wird. Wer in der Medizin arbeitet, mag täglich nackte Leiber sehen und objektiv damit umgehen. Für den Patienten aber ist es vielleicht das erste Mal.
von Alex Adabei

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz, Tel.: (06131) 9 60 70 0,
Fax: (06131) 9 60 70 90, E-mail: redaktion@diabetes-journal.de
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2014; 63 (6) Seite 92
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