- Leben mit Diabetes
Laubers Kolumne: Testen – wie negativ ist „negativ“?
5 Minuten
Testen bleibt wichtig bei Corona. Ein süddeutsches Unternehmen hat einen viel präziseren Test entwickelt – und reduziert dabei auch noch den Plastikverbrauch. Unser Kolumnist Hans Lauber hat sich das mal genauer angesehen.
Sicher ist bei den Corona-Maßnahmen nur eines: Vieles ist unsicher. Galt bis vor kurzem noch, doppelt Geimpfte genießen einen vollständigen Immunschutz, gilt das plötzlich nur noch eingeschränkt. Denn schon werden in vielen bayerischen Altenheimen die besonders Betagten zum dritten Mal geimpft – und der führende amerikanische Virologe Anthony Fauci fordert laut „Bild“ vom 15. August 2021 unmissverständlich: „Zwangsläufig wird jeder eine dritte Impfung benötigen“. Wirklich überraschend ist das nicht, habe ich doch schon am 28. Juli in einer umfangreichen Geschichte, die auf Recherchen der „WiWo“ beruht, gezeigt, dass bereits schon so viele Dosen Impfstoff bestellt wurden, dass die Deutschen mehrfach geimpft werden können.
Corona-Tests auch für Geimpfte
Auch bei den Tests entwickelt sich ein neues Szenario. Plötzlich werden die Tests auch für vollständig Geimpfte gefordert. In der FAZ vom 16. August 2021 will Prof. Alexander Markowetz vom Fachbereich Mathematik der Uni Marburg statt der Reduzierung der Tests, wie es derzeit geschieht, deren Ausweitung, um einen besseren Überblick über die Infektion zu erhalten. Da immer mehr Infektionen vor allem bei Jüngeren symptomlos verliefen, „müsse man auf breiter Front verdachtsunabhängig so viele Personen wie möglich regelmäßig untersuchen, das schließt auch Geimpfte ein, um das sogenannte Immunescape zu verhindern“, so die FAZ. Wörtlich sagt der Wissenschaftler: „Je öfter das Virus auf eine geimpfte Person trifft, desto höher ist die Chance, dass es zu einer resistenten Mutation kommt“.
Gegen die Abschaffung der Gratistests ist ebenfalls in der FAZ vom 16. August 2021 Nora Szech, Inhaberin des Lehrstuhls für Politische Ökonomie am Karlsruher Institut für Technologie. Auch sie will eine Ausweitung der Tests, ebenfalls unter Einschluss der Geimpften, „um die Infektion zu überwachen“. Besonders interessant: Die Karlsruher Wissenschaftlerin will die Tests nicht nur kostenlos anbieten, sondern sie plädiert sogar für monetäre Anreize, „etwa Gutscheine für die Pommesbude“.
Firma Protzek: „Schnelle Tests“ statt Schnelltest
Gute Zeiten also für das Testen – und höchste Zeit für neue Testtechnologien. Denn derzeit stammen die meisten Tests aus Fernost – auch wenn renommierte Pharmakonzerne diese unter ihrem Namen vertreiben. Einen besonders viel versprechenden Weg geht das Lörracher Biomedizintechnikunternehmen Protzek – das kürzlich deswegen von Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha besucht wurde, wo ihm die neu entwickelten Antigen- und Antikörpertests präsentiert wurden.
Antigentest
Statt von Schnelltests spricht Firmeninhaber Christoph Protzek lieber von schnellen Tests. Was wie Wortklauberei aussieht, hat einen fundierten Hintergrund. Denn die auf Drogentests für staatliche Stellen spezialisierte Firma hat die herkömmlichen Tests entscheidend weiter entwickelt: So sind die beim „Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte“ zugelassenen Tests standardisiert und kalibriert nach WHO-Standards, was die Vergleichbarkeit erhöht. Durch die Kalibrierung lässt sich feststellen, wie hoch die Viruslast tatsächlich ist. Und mehrere Tests hintereinander geben Auskunft, ob die Infektion noch im Ansteigen oder bereits im Absteigen ist, was entscheidend für die Steuerung des Patientenmanagements ist. Noch präziser werden die Analysen, wenn die Tests demnächst opto-elektronisch ausgewertet werden.
Erfreuliches Ergebnis: Ich bin negativ getestet
Geschultes Personal ist die Voraussetzung für eine Testqualität, die tendenziell an die präzisen PCR-Tests heranreicht, wobei die auch noch positiv sein können, wenn kaum noch eine Viruslast festzustellen ist. Natürlich habe ich mich bei meinem Recherchebesuch testen lassen – mit einem erfreulichen Ergebnis: Der Test war so eingestellt, dass er selbst bei einer extrem geringen Viruslast angeschlagen hätte. Hat er aber nicht, er blieb „negativ“. Auf die Frage „Wie negativ ist negativ“, lautet also bei mir die Antwort: Extrem negativ.
Laborqualität in 15 Minuten liefert also der Protzek-Antigentest – und das in einer mobilen Form mit einem leicht transportablen, selbst entwickelten kleinen Gerät, was sich für den Einsatz in Schulen und Krankenhäusern eignen würde. Selbstredend hat so eine Qualität ihren Preis: Mit rund fünf Euro kalkuliert der Unternehmer, deutlich mehr als herkömmliche Tests, die es schon für rund 70 Cent gibt. Trotzdem: Wenn es dem Unternehmen gelingt, den Protzek-Test teilweise als Alternative zu den sehr viel teureren PCR-Tests (etwa für den Disco-Besuch) zu etablieren, sehe ich gute Chancen.
GreenCheck nennt Christoph Protzek sein Herzensprojekt, das er außerhalb der Firma auf sein persönliches Risiko finanziert. Es handelt sich um einen Antigentest auf Kartonbasis, der mit über 90 Prozent weniger Plastik auskommt. Um welch gewaltigen Dimensionen es sich dabei handelt, demonstriert der Unternehmer an einem eindrücklichen Beispiel: „50 Prozent Nichtgeimpfte, die wöchentlich zwei Antigentests machen, verursachen aufs Jahr gerechnet knapp 40.000 Tonnen Plastikmüll“. Ein zukunftsträchtiges Projekt, für das er Patente in der EU und in China hält.
Antikörpertest
Auch bei diesen selbst entwickelten Tests geht das Unternehmen eigene Wege: So wird eine höhere Genauigkeit angestrebt bei der Bestimmung der Antikörper, die das Immunsystem eines Probanden gebildet hat, etwa nach einer Impfung. Das könnte in Zukunft sehr wichtig werden, wenn möglicherweise alle sechs Monate eine Auffrischung der Impfung ansteht, wie es derzeit diskutiert wird. Da könnte es sinnvoll sein, die Menge der Antikörper zu kennen. Das kann zwar nicht endgültig über die Notwendigkeit einer weiteren Impfung entscheiden, aber es kann wichtige Indizien liefern. Für den Vertrieb seines Tests denkt Christoph Protzek an eine Kooperation mit ausgewählten Apotheken.
Covid gehabt? Mit dem Test lässt sich auch nachweisen, ob schon eine nicht bemerkte, asymptotische Infektion stattgefunden hat. Das habe ich natürlich sofort ausprobiert – und es gibt bei mir keinerlei Hinweise auf eine Covid-Infektion in der Vergangenheit. Möge es so bleiben!
Souveränitätsoffensive. Mit großen Worten wurde im letzten Jahr beschworen, dass künftig von Schutzkleidung, medizinischen Geräten bis hin zu wichtigen Medikamenten mindestens eine Variante in Europa produziert werden soll. Als „Souveränitätsoffensive“ steht das sogar im CDU-Wahlprogramm, worauf die „Welt am Sonntag“ am 15. August 2021 noch einmal hingewiesen hat. Ob diesen hehren Worten Taten folgen, ist eher fraglich. Im Zweifel wird immer der Preis entscheiden und da hat ist der Ferne Osten immer im Vorteil.
Qualität belohnen! Aber vielleicht setzt sich der grüne Minister Lucha, den Protzek als sehr kompetent und authentisch beschreibt, dafür ein, dass bei den nächsten Ausschreibungen auf jeden Fall die ökologischen und qualitativ hochstehenden „GreenCheck“ Antigentests berücksichtigt werden, auch wenn sie etwas teurer sein sollten. „Deutschland braucht in diesem Bereich eine eigene Industrie“, fordert Christoph Protzek – und er hat recht.
Züchtet Salat und Artischocken: Christoph Protzek
Vor 20 Jahren hat der Diplom-Ingenieur Christoph Protzek die gleichnamige Firma für Biomedizinische Technik im südbadischen Lörrach gegründet. Inzwischen beschäftigt der 1955 Geborene rund 20 Mitarbeiter, die vor allem Drogentests für die Polizei, den Strafvollzug, den Zoll und die Industrie entwickeln und produzieren. Seine umfangreiche Expertise nutzt das Unternehmen für die Entwicklung innovativer Tests zur Eindämmung der Covid-Epidemie.
Auf dem Dach seines markanten Firmengebäudes züchtet der Familienvater Kräuter und Gemüse wie Artischocken und Salat.
von Hans Lauber
- E-Mail: aktiv@lauber-methode.de
- Internet: www.lauber-methode.de
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 2 Wochen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
