- Leben mit Diabetes
Unterwäsche für Insulinpumpen: Über den eigenen Diabetes zur Unternehmerin – Katharina Gail führt „rubylimes“ weiter
7 Minuten
Typ-1-Diabetes kann durchaus ein Hindernis darstellen – gerade im Berufsleben. Manchmal öffnet er aber auch neue Horizonte. So war es bei Katharina Gail und rubylimes, Anbieter spezieller Unterwäsche für Insulinpumpen-Trägerinnen und -Träger: Erst war sie begeisterte Kundin, dann wirkte sie beim Unternehmen mit und hat es mittlerweile von der Gründerin übernommen.
Mit neun Jahren trat bei der heute 31-Jährigen aus Kissing immenser Durst auf. Fünf bis sechs Liter trank sie an einem Tag. „Ich hatte immer die Soda-Stream-Flasche in der Hand und habe sie nicht mehr weggegeben. Ich bin mit der nur noch durchs Haus gerannt“, erzählt sie. Natürlich musste sie auch ständig auf die Toilette.
„Und dann hat irgendwann eine Freundin meine Mutter darauf hingewiesen, dass ich so dünn geworden bin.“ Jetzt zählte ihre Mutter, die gelernte Arzthelferin ist, eins und eins zusammen – und dann ging es sehr schnell. „Sie hat nicht lang gefackelt und hatte irgendwie Urinstreifen besorgt. Sie hat mich daraufpinkeln lassen und sie verfärbten sich dunkelgrün.“
Obwohl die Zuckerwerte bereits ziemlich hoch waren – um 500 mg/dl (27,8 mmol/l), erinnert sie sich –, hatte sich keine Ketoazidose entwickelt, ihr Körper war nicht übersäuert. „Mir ging es zu dem Zeitpunkt noch relativ gut. Ich hatte ‚nur‘ diesen Gewichtsverlust und den starken Durst.“
Start mit Einmalspritzen und toller Schulung
Ihr Hausarzt wies sie direkt in die Kinderklinik vor Ort ein. Dort bekam sie eine Therapie mit einem kurz und einem lang wirksamen Insulin mit feststehenden Einheiten, die sie sich täglich zur selben Zeit gab. Die Insuline zog sie aus einer Ampulle auf und spritzte sie mit Einmalspritzen.
„Vielleicht wollten die, dass man das erstmal lernt, falls mal der Pen kaputt ist. Aber Pens habe ich erst später bekommen“, überlegt sie im Rückblick. Obwohl die Klinik keine spezielle Diabetes-Qualifikation hatte, erhielten die Neunjährige und ihre Eltern eine gute Schulung.
„Das waren richtig tolle Stationsschwestern, die mich auch immer mit in die Küche genommen und mit mir das Essen abgewogen haben. Sie haben mir das alles gezeigt, auch das Spritzen, und auch meinen Eltern. Da gab es auch Schulungen, an denen meine Eltern erst mal teilgenommen hatten. Wir sind recht gut informiert worden, haben da auch gleich einen betreuenden Kinderarzt gehabt und sind gut vorbereitet aus dem Krankenhaus entlassen worden. Das war, glaube ich, top.“
Bei dem Kinderarzt der Klinik blieb sie in Betreuung, bis sie 18 Jahre alt war.


Diagnose für ihre Eltern schwieriger
Für ihre Eltern war die Diagnose Typ-1-Diabetes ein größerer Schock als für sie. „Ich weiß nicht, ob ich das mit neun einfach noch nicht so begreifen konnte oder ob ich es einfach cool fand, dass plötzlich die ganze Aufmerksamkeit auf mir lag. Klar, das Spritzen war doof und, dass man nicht immer essen konnte, wann man wollte. Aber dafür durfte ich auch essen, wenn andere nicht durften, gerade auch in der Schule. Ich glaube, deswegen habe ich es gar nicht so schlimm in Erinnerung, diese Einschränkung“, berichtet sie aus ihrer Grundschulzeit kurz nach der Diagnose.
Für ihre Mutter war es aber stressig, denn sie stand jede Nacht auf, um den Blutzucker ihrer Tochter zu messen. „Das war schon kräftezehrend, aber eher für meine Eltern, für mich nicht. Die haben mir da echt viel abgenommen“, ist sie ihnen heute noch dankbar.
Zuerst Eifersucht beim älteren Bruder
Katharina hat einen älteren und einen jüngeren Bruder. Der jüngere ist mit ihr zusammen in den Diabetes hineingewachsen. Aber für den älteren war es schon ein Problem: Erst hatte ihm die kleine Schwester durch ihre Geburt die alleinige Aufmerksamkeit der Eltern streitig gemacht – und dann wurde sie auch noch chronisch krank! Dass das mit Eifersucht einherging, kann man sich leicht vorstellen. „Das war dann viele Jahre auch echt schwierig. Mittlerweile ist alles normal, wir haben ein richtig gutes Verhältnis.“
Aufregend für die Klassenkameraden
In der Schule lief es unproblematisch. Durch die gute Vorbereitung in der Klinik konnte sie bereits sehr selbstständig mit ihrem Diabetes umgehen, Hilfe von der Klassenlehrerin brauchte sie keine. Und für die Klassenkameradinnen und -kameraden war es eher aufregend: „Ich kann mich an keine negative Reaktion erinnern. Die waren eher interessiert und fanden das auch immer ganz spannend, das ganze Thema, wenn ich spritzen musste oder was essen musste im Unterricht.“ Auch in der weiterführenden Schule gab es keine Probleme, der Diabetes spielte keine große Rolle.


Tanzen und Diabetes erfordern Disziplin
Mit etwa 13 Jahren intensivierte sie ein Hobby, das sie seit dem Alter von sechs Jahren betrieb: Ballett. „Ich war jeden Tag dort und habe mehrere Stunden trainiert. Auch dadurch hatte ich zusätzlich Disziplin, was mir natürlich auch mit dem Diabetes in die Karten gespielt hat und andersrum.“
Ihr Ziel: Sie wollte Profitänzerin werden. Nach dem Schulabschluss ließ sie sich vier Jahre in einer Tanzhochschule ausbilden. „Klar, mit dem Diabetes war es natürlich nicht immer super easy.“ Gerade bei Auftritten vor Publikum, die durchaus mal drei oder vier Stunden dauern konnten, wollte sie unbedingt Unterzuckerungen verhindern und hielt ihre Zuckerwerte in diesen Situationen bewusst um 200 mg/dl (11,1 mmol/l). Hinzu kamen irgendwann Schulterprobleme.
Und als es dann ans Vortanzen ging, um eine Stelle zu bekommen, merkte sie, zusätzlich zu den anderen Faktoren: „Ich glaube, ich werde da nicht happy.“ Sie hörte mit dem professionellen Tanzen auf, quasi von einem Tag auf den anderen. „Das war am Anfang echt schwer, aber es war ein Lebensabschnitt und ich habe es probiert. Ich habe es nie bereut, es war eine tolle Zeit, aber man muss die Reißleine ziehen, wenn man merkt, das passt nicht mehr, gerade in dem Bereich.“
Ihr fehlte auch zunehmend die Zeit, die sie mit ihrer Familie und Freunden verbringen konnte. Und ständig irgendwo auf der Welt und aus dem Koffer zu leben, konnte sie sich ebenfalls nicht vorstellen. „Ich dachte: Irgendwie ist das doch nicht meine Welt, das ist mir zu krass.“
Vollzeit im Hauptjob – und ein Nebenjob
Sie musste sich nach dieser Entscheidung erst einmal neu sortieren. „Ich habe dann eine Ausbildung gemacht zur Industriekauffrau, also was ganz anderes.“ Heute arbeitet sie immer noch bei einem Autohersteller im Truck-Bereich, in Vollzeit. Wie aber kommt nun ihr Diabetes in ihre Berufswelt? Sie hat einen „Nebenjob“, wenn man das Führen eines Unternehmens überhaupt so bezeichnen kann.
Katharina Gail und ihr Mann haben das Unternehmen rubylimes als Geschäftsführer von Gründerin Frida Lüth übernommen, als diese eine Nachfolge suchte. Die Tage der beiden sind neben den Vollzeit-Jobs gut gefüllt, auch die Wochenenden arbeiten sie für ihr Unternehmen. Da die Übernahme noch nicht allzu lange her ist, gibt es noch viel zu organisieren, auch vieles, „an was man halt vorher gar nicht denkt“.


Insulinpumpe war der Startschuss
Dass es dazu kam, war mehr oder weniger Zufall. Es fing damit an, dass Katharina Gail sich letztes Jahr nach langem Zögern entschied, von ihrer inzwischen intensivierten Insulintherapie auf eine Therapie mit Insulinpumpe umzusteigen. „Ich hatte am Anfang technische Probleme sowie Probleme mit den Kathetern. Und dann bin ich das erste Mal auf die Idee gekommen, mal auf Social Media zu schauen, ob ich da was finde.“
Über TikTok und Facebook stieß sie auf die Diabetes-Community und ein paar Influencer – und wurde Teil der Community. „Ich habe dann gedacht: Okay, das hat mir jetzt total geholfen, wieso nicht selber irgendwie anderen helfen?“ So begann sie selbst, auf TikTok und Instagram Videos zu posten unter dem Namen #sugarbabe.t1d. Nicht alles dort dreht sich um Diabetes: „Da poste ich auch immer mal wieder was, wenn ich im Urlaub bin.“
Unterwäsche für die Insulinpumpe
Hinzu kam: „Das war eigentlich der größte Struggle, warum ich so lange keine Pumpe wollte: Ich wusste nicht, wo ich die hintun kann.“ Hier gab ihr eine Arbeitskollegin mit Typ-1-Diabetes den Tipp, mal auf die Website von rubylimes zu sehen: Das Unternehmen bietet Unterwäsche an, in der sich Taschen für Insulinpumpen befinden – Röcke und Kleider ohne Taschen zu tragen, wurde so für Katharina weiter problemlos möglich. „Dann habe ich auch in Social Media rubylimes gefunden und bin mit Frida in Kontakt gekommen.“
Mehr über rubylimes erfahren: ➤ zur Website
Katharina begann, für die Instagram-Seite des Unternehmens Fotos zu erstellen. „So habe ich natürlich auch mitbekommen, als Frida meinte, sie kann das Unternehmen nicht mehr weiterführen.“ Katharina war entsetzt: „Das gibt es doch nicht! Ich habe gerade die Pumpe und jetzt hört Frida auf und es gibt kein rubylimes mehr.“ Und so nahmen Katharina und ihr Mann die Herausforderung an.


Voll angekommen in der Community
Katharina Gail und ihre Insulinpumpe sind heute ein gutes Team: „Jetzt komme ich mir komisch vor, wenn ich die Pumpe mal kurz abkopple. Die gehört einfach zu mir dazu.“ Auch die Social-Media-Aktivitäten tragen dazu bei, „dass man sich noch einmal wohler in seiner Haut fühlt, weil ich jetzt mittlerweile schon viele Kontakte geknüpft habe“.
Der t1day Ende Januar in Berlin, bei dem sich Menschen vor allem mit Typ-1-Diabetes trafen, gab ihr auch noch einmal Mut: „Mir hat es noch mal so einen richtigen Selbstbewusstseins-Boost gegeben, die anderen zu sehen und zu wissen: Man ist damit nicht allein und muss sich nicht verstecken.“ Aktiv ist sie auch als Lautsprecherin der Kampagne #SagEsLaut #SagEsSolidarisch der Organsiation diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe, um den Diabetes auch in die Öffentlichkeit zu tragen. „Es wäre cool, wenn immer mehr Menschen über die Krankheit Bescheid wüssten.“
Und was wünscht sie sich für sich selbst? „Ich wünsche mir, dass ich weiterhin so unbeschwert durchs Leben gehen kann. Und dass ich keine Spätfolgen durch den Diabetes erleide und bis ins hohe Alter relativ selbstständig alles hinbekomme.“ Auch die Technik soll sich weiterentwickeln, um immer besser zu unterstützen. „Cool wäre natürlich auch eine Heilung“, sagt sie und meint grinsend: „Wäre zwar für rubylimes blöd, aber für mich wäre es natürlich cool.“
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 73 (6) Seite 52-55
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schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 3 Tagen
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!-
calvin240 antwortete vor 1 Woche, 3 Tagen
Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.
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uho1 antwortete vor 1 Woche, 3 Tagen
@calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!
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calvin240 antwortete vor 1 Woche, 2 Tagen
@uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
Liebe Grüße
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stephanie-haack postete ein Update vor 1 Monat
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 1 Monat
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 1 Monat
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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