Laubers Kolumne: Wieder Lebensenergie aufbauen

4 Minuten

© Vitechek – AdobeStock
Laubers Kolumne: Wieder Lebensenergie aufbauen

Wer Covid, wer schwere Influenzen überwunden hat, leidet oft unter Müdigkeit und Schlappheit. Gibt es Möglichkeiten, diese Beschwerden zu mildern? Unser Kolumnist Hans Lauber hat dazu den Arzt und Apotheker Dr. med. Siegfried Schlett befragt.

Das letzte Pandemiejahr hat uns gelehrt, dass rund 40 Prozent aller Erkrankten und wieder Genesenen unter mehr oder weniger starken Nachwehen leiden. Die Liste der anhaltenden Beschwerden ist lang und monatlich werden neue Symptome in die Liste aufgenommen. Am häufigsten genannt werden Husten und Atembeschwerden, allgemeine Müdigkeit und körperliche Schwäche. Viele Betroffene sagen, dass sie „nicht mehr die sind, die sie vor der Erkrankung waren“. Weil die Beschwerden so schwer zu fassen sind, hat die Schulmedizin oft keine konkreten Konzepte. Trotzdem gibt es Hoffnung, denn viele naturheilkundlich arbeitende Ärzte berichten über Erfahrungen, die aufhorchen lassen.

Die Covid-Infektion löst in unserem Körper einen Entzündungstsunami aus. Unser Immunsystem, das wie eine Armee aus verschiedenen Waffengattungen zusammengesetzt ist, wird durch die Viren derart gereizt, dass es nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheidet. Die Gefährlichkeit dieses Kampfes beginnt für unseren Körper vor allem dann, wenn wir das zunächst sinnvoll eingeleitete Entzündungsfeuer nicht mehr kontrollieren und re-balancieren können. Das Immunsystem kämpft dann einen Kampf der Verzweiflung ohne Rücksicht auf Verluste. Was ist das wichtigste Organ, das die Truppen zurückrufen kann: Unsere Nebenniere, die in solchen Zeiten Kortison ohne Ende produziert, wenn sie genügend Baumaterial dazu hat. Welche Baumaterialien werden dazu gebraucht: Progesteron, Vitamin C und B5. Siehe dazu auch Lauber’s Kolumne aus dem letzten November: „Machen Sie Ihr Immunsystem fit!“.

Ist der Infekt vorbei, also der Covidtest wieder negativ, dann sieht man ein regelrechtes Trümmerfeld an Entzündungsvorgängen, die auch zum Teil noch nachglühen. Je nachdem, wo das Immunsystem wie wild kämpfte, bleiben „Entzündungsnarben“ zurück. Sehr häufig betroffen ist etwa die Schilddrüse, weil dieses Organ sich gegen Immun-Kampftruppen auch bei anderen Erkrankungen nicht wehren kann. Die Schilddrüse ist wie eine Stadt ohne Stadtmauer, schutzlos den marodierenden Immunzellen und chemischen Kampfstoffen ausgeliefert.

Aber gerade die Schilddrüse (SD) ist ein wichtiger Energiegeber und Aktivposten in unserem Alltag. Lassen Sie besonders dann, wenn Sie nach einem Covidinfekt frieren und antriebslos sind, einen Hormontest machen. Manchmal kann es auch hilfreich sein, die SD-Hormondosis vielleicht für 4 bis 6 Wochen etwas zu erhöhen, bis die Drüse wieder Fahrt aufnimmt. Dieses Vorgehen sollte mit dem Hausarzt abgestimmt werden. Auch fibromyalgische Beschwerden deuten darauf hin, dass das Immunsystem nicht zur Ruhe kommt.

Ist die Nebenniere nach dem langen Kampf erschöpft, helfen jetzt Vitamin-C-Infusionen bei erfahrenen Therapeuten (etwa 7.500 mg Natriumascorbat, 50 ml Pascorbin, in 250 ml Kochsalz gelöst) in wöchentlichem Abstand. Frauen können etwa auch etwas mehr Progesteron in Cremeform auftragen. Das muß verschrieben werden. Vitamin B5 kann in Tablettenform dazugegeben werden, 100 bis 250 mg täglich für 2 bis 3 Wochen.


Im Grunde genommen schaut die Behandlung beim Post-Covid-Syndrom so ähnlich aus wie die Behandlung des akuten Infektes.

Will man nur mit Kapseln arbeiten, sollte man beherzt 1000 mg Vitamin in gepufferter Form (etwa P.E. Vitamin C gepuffert Kapseln oder Calciumascorbat aktiv Kapseln der Klösterl-Apotheke München) täglich zu sich nehmen und nicht zu früh damit aufhören. Das Gleiche gilt für das Vitamin B5 (siehe oben). In dieser Phase ist auch eine gesunde Darmflora wichtig. Unterstützen Sie die Darmbakterien durch bittere Tees und Tinkturen oder durch Probiotika.

Die Lunge ist nach Vireninfektionen häufig stark angegriffen. Das hängt damit zusammen, dass die Viren den Feuchtigkeitsfilm zerstören, der die Lungenbläschen auskleidet, wodurch das Atmen schwerer fällt. Dieser „lung fluid“ enthält das antientzündlich wirkende, schwefelhaltige, Gluthation (G-SH), weshalb schwefelhaltige Lebensmittel wie Eier, Knoblauch, Lauch und Schnittlauch auf den Speiseplan gehören. Zur noch besseren Unterstützung dienen aber auch zwei rezeptfreie Medikamente, welche die G-SH-Produktion anregen, nämlich ACC akut (eine körpereigene Aminosäure) und MSM (Methylsulfonylmethan), ein organisch gebundener Schwefel. Es genügen anfangs 1 bis 2 Brausetabletten ACC akut sowie 500 bis 1000 Milligramm MSM pro Woche, eine Dosis, die dann langsam reduziert werden kann.

Auch eine systematische Atemgymnastik ist unerlässlich, um eine angegriffene Lunge wieder zu regenerieren. Wichtig ist dabei die Bauchatmung, denn die Lunge ist pyramidenförmig aufgebaut und weitet sich vor allem nach unten. Je tiefer auch über die Flanken, den Rücken in Richtung Zwerchfell eingeatmet wird, desto besser. Das lässt sich leicht kontrollieren, in dem man die Hand auf den Bauch legt. Geht der Bauch nach Draußen ist es ein richtiges Einatmen, geht er nach Innen ist es ein richtiges Ausatmen. Das ist eine auch von Kliniken empfohlene Technik, um die Lunge zu weiten und zu regenerieren.

Ebenfalls ist eine leichte Gymnastik zu Hause ein wichtiger Baustein, um sich wieder zu kräftigen, denn Bewegung hilft uns, entzündliche Prozesse zu rebalancieren. Die moderate Bewegung löst im Körper einen antientzündlichen Impuls aus – eine urgesunde Wirkung, die vergleichbar ist mit starken Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Diclofenac.

Fünf einfache Übungen, die täglich rund 20 Minuten dauern, empfiehlt Dr. Siegfried Schlett. Ausgangslage ist dabei immer, entspannt auf dem Rücken zu liegen:
  • Himmelhoch: Beine anwinkeln, ein Bein zur Decke so weit es geht. Dann die Ferse zur Decke, Zehen vorne runter auf Ausatmen. Dann den Fuß wechseln.
  • Kreisverkehr: Beide Beine zur Decke richten – und dann nach Innen und nach Außen kreisen. Zur Unterstützung können die Hände in den Kniekehlen mit halten.
  • Brückenbauen: Beine anwinkeln, das Becken heben, eine Brücke bilden. Dann wieder senken und heben und zwischen 20 und 40 Mal wiederholen.
  • Beckendehnen: Beide Beine anwinkeln und nach links, dann nach rechts ablegen. Dann den oberen Fuß, das obere Bein dehnen.
  • Aufrichten: Den Oberkörper heben und wieder senken, Hände im Nacken verschränken, was gut für die Bauchmuskeln ist.

Frische Luft ist unverzichtbar, um langfristig wieder Kraft aufzubauen. Aber: Überfordern Sie sich nicht! Gerade wenn die Beschwerden schon länger andauern, möchte jeder mal zeigen, wie gut er wieder ist. Nicht zuviel am Anfang leisten wollen! Empfehlenswert sind deshalb kleine Spaziergänge von fünf bis zehn Minuten, deren Dauer sukzessive gesteigert werden sollte. Aber es muss „immer angenehm bleiben“, so Dr. Schlett.

Allerdings kann es durchaus Wochen dauern, bis die letzten Reste der nachglühenden Entzündung aus dem Körper verschwunden sind. „Werden Sie nicht ungeduldig, bleiben Sie aber dran“, so der Rat des erfahrenen Mediziners.


von Hans Lauber

Avatar von hans-lauber

Mehr von Hans Lauber lesen:

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Laubers Kolumne: Tiefer Einschnitt

Ein Schlaganfall hat mich im November 2022 für über zwei Monate aus dem Verkehr gezogen. Jetzt kehre ich langsam zurück.

< 1 minute

Laubers Kolumne: Weißmehl – Tückischer Dickmacher

Eine Kölner Traditionsbäckerei schließt – auch weil der Besitzer seine Weißmehl-Produkte für gesundheitsschädlich hält

3 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • moira postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • ole-t1 antwortete vor 2 Wochen

      Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

Verbände