Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt: #15 | Ist Diabetes ein Beziehungskiller?

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Hin und zurück - bis ans Ende der Dia-Welt – Beziehung
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Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt: #15 | Ist Diabetes ein Beziehungskiller?

Nächste Woche ist Valentinstag! Was für ein schöner Anlass, um in diesem Beitrag über das Thema „Beziehung und Diabetes“ zu sprechen.

Eine Partnerin bzw. eine Partner ist die wichtigste Bezugsperson im Erwachsenenalter. Immerhin wollen wir mit ihm/ihr die Welt entdecken und vielleicht später auch eine eigene Familie gründen. Spätestens, wenn man zusammen lebt, ist es nahezu unmöglich, seine Diabetes-Erkrankung zu verstecken. Aber sind wir mal ehrlich – wollen wir das überhaupt? Wollen wir nicht unserer Partnerin bzw. unserem Partner alles mitteilen, unser Herz ausschütten und hoffen, dass er/sie uns bei unserem Diabetes-Management unterstützt? Also ich auf jeden Fall! Daher war es nie eine Option, meine Diabetes-Diagnose für mich zu behalten…

Ich bekam am Freitag, 18. September 2020, meine Diagnose „Typ-2-Diabetes“. Damals war ich erst 27 Jahre alt und bereits 5 Jahre mit meinem Partner zusammen. Ich erinnere mich, dass ich damals nach der Diagnose noch zum Arbeiten ins Büro gefahren bin. Nach der Arbeit wollte mich mein Partner abholen, so dass wir gemeinsam ins Möbelhaus fahren konnten, um ein neues Sideboard für die Küche zu kaufen.

Zwischen dem Arzttermin und dem Abholen hatten wir tatsächlich so gut wie keine WhatsApp-Kommunikation gehabt, weshalb ich meinem Partner während der Autofahrt von meiner Diagnose erzählte. Naja, mehr oder weniger platzte ich binnen der ersten 2 Minuten damit heraus. Ich stand selber noch ziemlich unter Schock und hatte die schlechte Nachricht noch nicht verdaut. Doch ich war sehr auf seine Reaktion gespannt. Allerdings blieb diese die ersten 5 Minuten aus, denn es hatte ihm schlichtweg die Sprache verschlagen. Ähnlich wie ich hat auch er (Groß-)Eltern mit Typ-2-Diabetes. Doch was genau Diabetes ist und macht, wusste auch er nicht so genau.

Unser erster Urlaub nach meiner Diagnose. Foto: privat

Die ersten Wochen nach der Diagnose war unser Zusammenleben ein bisschen wie Laufen auf Eierschalen. Ich hatte von 0 auf 100 meine Ernährung auf Low Carb umgestellt, suchte mir einen Diabetologen und war emotional angeschlagen. Mittendrin in dem ganzen Anfangsgewusel stand dann noch unser Urlaub an. Da es das erste Corona-Jahr war, lief tatsächlich nicht viel und wir fuhren zum Wandern in die Berge. Doch zu dem Zeitpunkt war das ein sehr willkommener Urlaub. Denn Wandern, frische Luft und Selbstverpflegung erschien „gesünder“, als All Inclusive mit einem krassen All-you-can-eat-Buffet und 24/7 Faulenzen am Pool. Es war genau das Richtige nach so einer Diagnose und irgendwie auch Fügung des Schicksals.

Eines der Dinge, die ich an meinem Partner liebe, ist, dass er seit Tag 1 hinter mir steht und mich unterstützt. Zum Beispiel bietet er mir emotionalen Support, fragt nach den Ergebnissen meiner Routine-Untersuchungen und ist immer offen, mit mir neue Ernährungstrends bzw. -formen auszuprobieren. Und wenn mein Blutzucker spät abends sehr hoch ist und ich noch eine Runde spazieren will bzw. muss, kommt er mit. Zwar notgedrungen, aber er kommt mit und lässt mich nicht alleine im Dunklen spazieren. Über die Monate bzw. Jahre hinweg habe ich mittlerweile mein ganzes Diabetes-Wissen mit ihm geteilt, so dass ich mir ziemlich sicher bin, dass er im Falle einer Debatte den Sieg davontragen würde! #proudgirlfriend #aufklärungistwichtig

➤ Erfahre in diesem Video mehr über Caro und ihr Leben mit Typ-2-Diabetes

Doch natürlich ist auch bei uns nicht immer alles locker flockig in Sachen Beziehung und Diabetes. Auch wir treffen hin und wieder auf Unstimmigkeiten und werden zukünftig bestimmt noch auf die ein oder andere Challenge stoßen. Bei uns ist die größte Hürde innerhalb der Beziehung, dass sie zwischen einer chronisch kranken und einer gesunden Person stattfindet. Und manchmal fällt es einfach schwer, sich in die Lage des anderen hineinzuversetzen. Das kann dann schon mal dazu führen, dass zwischen uns eine kleine Krise aufgrund einer Tüte Gummibärchen ausbricht. Denn die eine Person möchte sie gerne auf der Stelle vernaschen und die andere Person versucht, vernünftig zu bleiben. Wer an dieser Stelle welche Rolle spielt, überlasse ich Deiner Interpretation. But you get the point, oder? Ich denke, so kleine Streitigkeiten gehören dazu und am Ende ist der Schlüssel eine offene Kommunikation.

Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt: #15 | Ist Diabetes ein Beziehungskiller?
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Ich bin wirklich sehr dankbar, so eine unterstützende Seele an meiner Seite zu haben und nehme das absolut nicht als selbstverständlich. Man darf auch hier nicht vergessen – es gibt immer die zwei Seiten einer Medaille. Auch als Partner an der Seite eines chronisch kranken Menschen ist es nicht einfach und ebenfalls mit vielen Herausforderungen sowie vielleicht auch Druck verbunden. Eine der Herausforderungen könnte bspw. sein, dass man sich – vor allem bei Diabetes – nicht in die körperliche Situation des Partners hineinversetzen kann. Gerade auch bei Typ-2-Diabetes, wo es innerhalb der Behandlung viel um Sport, Ernährung oder auch Gewichtsreduzierung geht. Auch auf emotionaler Ebene kann es sehr fordernd sein. Wenn man vielleicht nicht versteht, warum der Partner in dem Moment traurig, enttäuscht oder wütend ist. Oder man sich einfach ständig Sorgen macht, dass der Partner nicht kurz vor einer Über- oder Unterzuckerung steht.

➤ zu Caros Instagram-Profil

Eine Beziehung mit Diabetes ist nicht unmöglich, stellt aber die Beziehung vor neue Herausforderungen. Doch ich denke, dass das, was man zusammen hat, wichtiger bzw. es wert ist, dass man gemeinsam diesen Schritt geht. Eine Beziehung ist nicht nur unterstützend, sondern auch sorgend. Sowohl emotional als auch körperlich. Und ist es nicht einfach schön, wenn man sich auf jemanden verlassen kann? Und wenn es nur ist, dass man jemanden hat, der einen spät abends bei einer Wanderung durch die Weinberge begleitet, damit sich der Blutzucker wieder regulieren kann? In diesem Sinne – peace, love and … ?

Caros Kolumne

Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt

Caros Kolumne „Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt“

Hallo, mein Name ist Caro! Ich wurde als 27-Jährige mit einem Typ-2-Diabetes diagnostiziert. Erfahrt in meiner Kolumne „Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt“ alles über meine außergewöhnliche Reise als junge Frau mit Diabetes. Viel Spaß beim Lesen!

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  • bloodychaos postete ein Update vor 6 Tagen, 1 Stunde

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

  • sayuri postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Hi, ich bin zum ersten Mal hier, um mich für meinen Freund mit Diabetes Typ 1 mit anderen auszutauschen zu können. Er versteht nicht alles auf Deutsch, daher schreibe ich hier. Etwa vor einem Jahr wurde ihm der Diabetes diagnostiziert und macht noch viele neue Erfahrungen, hat aber auch Schwierigkeiten, z.B. die Menge von Insulin besser abzuschätzen. Er überlegt sich, mal die Patch-Pad am Arm auszuprobieren. Kann jemand uns etwas über eingene Erfahrungen damit erzählen? Ich wäre sehr dankbar!🤗🙏
    Liebe Grüße
    Sayuri

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