- Aus der Community
Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt: #35 | Winterblues oder schon Depression?
5 Minuten
Der Herbst und Winter stellt Sommerliebhaber auf die harte Probe. Die Tage erscheinen uns kürzer, denn es wird früher dunkel und morgens auch später hell. Und mit Hinblick auf die bevorstehende Weihnachtszeit bzw. den anstehenden Jahreswechsel, wird auch die ein oder andere Seele melancholisch und schwelgt in alten Erinnerungen. Nicht selten in Kombination mit einer chronischen Erkrankung, wie Diabetes (die immer nervenzerrend ist), kann diese Zeit ganz schön aufs seelische Wohlbefinden schlagen. Auch genannt als Winterblues oder -depression. Doch was ist der Unterschied und was kann man aktiv dagegen tun?
Was ist der Unterschied?
Das man etwas nachdenklicher am Ende des Jahres wird und sich eventuell etwas mehr zurückzieht, um mit seinen Gedanken für sich zu sein, ist eine ganz normale Reaktion. Ich finde, gerade Film, Fernsehen und auch Social Media verleiten uns in dieser Zeit, unser Leben — mit all seinen Facetten — zu überdenken. Bin ich wirklich da, wo ich sein will? Habe ich das finanzielle Einkommen, was ich mir wünsche? Wann kommt endlich mein Märchenprinz oder -prinzessin?
Und dann wären da auch noch die unzähligen Jahresrückblicke, die uns den Anschein geben, dass das Gras von Anderen immer grüner ist, als das eigene. Wie soll man also in dieser Zeit nicht nachdenklich werden? Ich glaube, der entscheidende Faktor, was einen Blues von einer Depression unterscheidet, ist, dass man trotz all der Gedanken das Leben dennoch genießen kann. Sprich, man freut sich auf das Date für den Weihnachtsmarkt, eine Runde Schlittschuhlaufen mit Freunden oder das gemeinsame Plätzchen backen mit der Familie.

Als Winterdepression bezeichnet man eine Phase im Herbst und Winter, die sich über längeren Zeitraum erstreckt und mit typischen Depressions-Symptomen, wie u. a. Antriebslosigkeit, Dauer-Müdigkeit oder Niedergeschlagenheit einhergeht. Man fühlt sich häufiger müde durch die höhere Ausschüttung von Melatonin aufgrund der länger anhaltenden Dunkelheit oder leidet sogar vermehrt an Heißhungerattacken, welche über kurz oder lang zur Gewichtszunahme führen kann.
Ein weiteres Anzeichen für eine (Winter-)Depression kann sein, dass man sich von seinem sozialen Umfeld abschottet und sich isoliert. Mit der Zeit nimmt die Motivation vor die Tür zu gehen immer weiter ab und endet nicht selten in einem absoluten Stimmungstief.1
Die Ursachen bzw. der Auslöser für eine Winterdepression ist so vielschichtig, wie die Entstehung von Typ-2-Diabetes. Doch mit eine entschiedene Rolle für eine Winterdepression ist u. a. ein Melatonin-Überschuss, Serotonin-Mangel sowie ein Vitamin D-Defizit. Tatsächlich sind Frauen statistisch gesehen 3- bis 4-mal häufiger von einer Winterdepression betroffen, als Männer. Und je weiter der Wohnort vom Äquator entfernt ist — da dort weniger Tageslicht herrscht — desto häufiger treten diese auf. In Deutschland leiden etwa 10 bis 20 Prozent an einer milden und 5 Prozent an einer schweren Winterdepression.2
Diabetes und Depression
Der Umgang bzw. das Leben mit Diabetes kann im Laufe der Zeit schon mal aus Gemüt schlagen. Denn sind wir ehrlich: Wen wurmt es nicht, wenn man innerhalb des Diabetes Managements sein Bestes gibt, aber die Blutzuckerwerte dann doch was ganz anderes sagen. Ich würde nicht sagen, dass Menschen mit einer chronischen Erkrankung eher an Depression erkranken, als Gesunde. Doch ich glaube die Neigung ist vielleicht etwas höher. Dabei ist Diabetes und Depression eine sehr gefährliche Kombination. Denn im Falle einer Depression kann es dazukommen, dass Betroffene einfach keine Motivation oder Antriebslosigkeit empfinden, an sich und guten Blutzuckerwerten zu arbeiten, was wiederum zu Folgeerkrankungen führen und somit weiteren psychischen Druck bzw. Stress erzeugen kann. Rund ein Viertel aller Menschen mit Diabetes leiden an einer depressiven Verstimmung und etwa jeder Zehnte an Depression.3
An dieser Stelle möchte ich betonen, dass man sich absolut nicht für sich und seine Stimmungen schämen sollte. Ich weiß, es gibt viele Menschen da draußen, die sich nicht eingestehen möchten, dass sie eventuell Hilfe brauchen. Doch nach Hilfe zu fragen oder Hilfe anzunehmen, ist absolut kein Zeichen von Schwäche. Ganz im Gegenteil.
Mehr zum Thema
➤ Körper und Seele ganzheitlich betrachten: Diabetes und Depression begünstigen sich gegenseitig
Wenn Du Hilfe suchst, aber keine finden kannst — bitte hör nicht auf zu suchen! Unser Gesundheitssystem hat da leider immense Defizite. Doch Hartnäckigkeit und Ausdauer wird belohnt! Frage auch gerne mal bei Deiner Krankenkasse, bei Deiner Hausärztin bzw. Deinem Hausarzt oder Deiner Diabetologin bzw. Deinem Diabetologen nach einem Therapieplatz.
Was kannst Du gegen den Winterblues oder gegen eine Winterdepression unternehmen?
1.) Gehe am Tag raus und beweg Dich bei Tageslicht! Auch die Mittagspause bietet sich dafür wunderbar an. Schnapp Dir einfach Dein:e Lieblingskolleg:in und spaziert eine Runde um den Block!
2.) Pflege Deine sozialen Kontakte! Verabrede Dich nach Feierabend, plane mindestens ein Treffen am Wochenende mit einer Freundin oder einem Freund, besuche Deine Familie oder nehm’ einfach den Hörer in die Hand und rufe Deine Herzensmenschen an.
3.) Gute Gespräche sind Balsam für die Seele! Schütte Dein Herz Deinem: r Freund: in aus und erzähle, wie es Dir wirklich geht. Es ist und bleibt ein schönes Gefühl sich jemanden anvertrauen zu können.

4.) Treibe regelmäßig Sport und plane fixe Trainingstage. Durch den Sport schüttest Du Glückshormone aus, tust nicht nur was Gutes für Deinen Körper, sondern auch zeitgleich für Deinen Blutzucker und Dein Gemüt. Die fixen Trainingstage sollen Dir Struktur und ein Tagesziel geben. No excuses!
5.) Nimm Vitamin D in Form von Nahrungsergänzungsmittel zu Dir.
6.) Achte auf einen geregelten Schlafrhytmus und versuche (auch am Wochenende) zu ähnliches Uhrzeiten ins Bett zu gehen und ausreichend zu schlafen.
7.) Do what makes you happy! Du hast Lust ein gutes Buch zu lesen? Oder vielleicht doch eine Runde an Deiner Playstation zu spielen? Do whatever makes you happy!
8.) Gehe raus in die Natur, tanke Kraft und sammle Schritte!
9.) Höre Musik, die Dich in eine glückliche Stimmung versetzt. Und wenn Du noch eins drauflegen willst — dreh so richtig auf und tanze mit. Auch eine Idee für das nächste Blutzuckersenkungs-Workout, oder?
10.) Koche Dir leckeres Soulfood! Soulfood muss nicht immer gleich mit Junk Food gleichgesetzt werden. Ganz im Gegenteil! Esse worauf Du Lust hast. Und wenn Du weißt, dass es Deinem Blutzucker nicht zu Gute kommt, dann versuche eine gesündere Alternative zu kochen oder gehe im Anschluss Dich 20 Minuten bewegen.
Du hast es in der Hand, wie Du Dich fühlst. Wenn Du Motivationschwierigkeiten hast bzw. antriebslos bist, dann beauftrage Jemanden, der Dich motiviert und „an die Hand nimmt“. Wie heißt es so schön: You’ll never walk alone.
Quellen:
Caros Kolumne
Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt

Hallo, mein Name ist Caro! Ich wurde als 27-Jährige mit einem Typ-2-Diabetes diagnostiziert. Erfahrt in meiner Kolumne „Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt“ alles über meine außergewöhnliche Reise als junge Frau mit Diabetes. Viel Spaß beim Lesen!
von Caro
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Leben mit Diabetes
Diabetes-Anker-Podcast: Ein Tag für Menschen mit Typ-1-Diabetes – Ausblick auf den t1day 2026
2 Minuten
- Leben mit Diabetes
Leben mit Diabetes: Diese Bücher und Materialien helfen weiter
5 Minuten
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Über uns
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
Werde Teil unserer Community
Community-Feed
-
lelolali postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Für alle Höhen und Tiefen vor 6 Tagen, 10 Stunden
Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂
-
jasminj postete ein Update vor 6 Tagen, 18 Stunden
Hi,
Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!-
lelolali antwortete vor 6 Tagen, 10 Stunden
Hey Jasmin, ich war heute auch auf dem T1day, vielleicht hast du Lust auf Austausch 🙂
-
jasminj antwortete vor 6 Tagen, 10 Stunden
@lelolali: Ich würde mich über Austausch und Kontakte sehr freuen. Gerne hier oder anders online und ansonsten bin ich aktuell alle ein bis zwei Wochen in Berlin – also ggf. auch gerne persönlich?
Wie hat Dir der Tag gefallen? -
lelolali antwortete vor 6 Tagen, 9 Stunden
@jasminj: Ja sehr gerne! Ich kann dir hier leider keine private Nachricht schreiben (werde auf die Startseite weitergeleitet) , funktioniert dies bei dir? 🙂
-
jasminj antwortete vor 6 Tagen, 8 Stunden
@lelolali: funktioniert bei mir leider auch nicht. Ich wollte es mir morgen nochmal über die Webabsicht anschauen, vllt geht es da 🙂
-
gregor-hess antwortete vor 5 Tagen, 14 Stunden
@jasminj & @lelolali: Leider funktionieren die DM aktuell tatsächlich nicht, sorry! Wir kümmern uns schnellstmöglich darum!
LG Gregor aus der Redaktion -
gregor-hess antwortete vor 5 Tagen
-
jasminj antwortete vor 4 Tagen, 22 Stunden
@gregor-hess: vielen lieben Dank! Hab es direkt ausprobiert und es sieht gut aus 🙂
-
-
galu postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen
hallo,
ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus-
connyhumboldt antwortete vor 1 Woche, 3 Tagen
Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!
-

Hey, ich bin Lara und 23 Jahre alt. Ich komme zwar nicht aus Berlin, aber bin im Mai wieder dort. Freue mich trotzdem immer über Austausch, auch wenn es digital ist. Liebe Grüße
@laratyp1life: Hallo, über digitalen Austausch freue ich mich natürlich auch 🙂