Hilfe, ich wurde „gespotted“!

3 Minuten

Community-Beitrag
Hilfe, ich wurde „gespotted“!

[Dieser Beitrag enthält unbeauftragte Marken- und Produktnennung.]

Noch bevor das aktuelle Monatsthema „Spotted: Diabetes“ überhaupt offiziell bekanntgegeben wurde, merkte ich schon Ende Mai, dass ich in  diesem Sommer genau darauf keine Lust habe – auf das Angeguckt- und Angesprochenwerden. Und noch viel weniger auf das „unauffällige“ Diskutieren hinter meinem Rücken und der Annahme, dass ich zu einem Statement verpflichtet sei.

Was war passiert?

Im letzten Sommer hatte ich meinen Dexcom-Sensor noch ganz frisch und trug ihn nur an der empfohlenen Setzstelle am Bauch. Da sich in meinem Kleiderschrank weder Crop-Tops noch Bikinis befinden, blieb er die ganzen warmen Monate versteckt. Das Einzige, was hin und wieder zu sehen war, war die Kanüle vom Infusionsset der Insulinpumpe, wenn ich sie am Arm trug – meistens war aber auch die zumindest halb unter einem T-Shirt-Ärmel versteckt.

Über die letzten Monate begann ich, meinen Sensor auch immer wieder am Arm zu tragen, und irgendwie bekam ich gar nicht so richtig mit, dass die Klamottenschichten darüber immer weniger wurden und er auf einmal nicht mehr versteckt war. Ich habe damit auch (eigentlich) gar keine Probleme. Ich bin froh, diese Technik nutzen zu können, und fühle mich dadurch nicht „gebrandmarkt“ oder weniger schön. Und ich nehme sie im Alltag nahezu gar nicht wahr.

Quelle: Katharina Weirauch

Ich wurde „gespotted“

Am 30. Mai stand dann das erste Open-Air-Konzert in diesem Jahr für mich an. Und während ich noch von Freundinnen darauf hingewiesen wurde, dass in direkter Nähe zu uns eine Frau mit FreeStyle Libre am Arm stand – worüber ich mich freute, weil ich sie damit „gespotted“ hatte –, fingen hinter mir Leute an, zu beratschlagen, was das an meinen Armen sei. Denn: Links saß mein Dexcom-Sensor, rechts das Infusionsset meiner Insulinpumpe mit dem dazugehörogen Schlauch, der in meinem Ärmel verschwand. Doppelte Aufregung, doppelte Ratlosigkeit bei den fremden Personen. Und dazwischen: Ich mit x-facher Bocklosigkeit, jetzt irgendwem irgendwas zu erklären.

Als ich noch dachte, ich hätte irgendwie auf dem Konzert einen „schlechten Tag“ erwischt, saß ich ein paar Wochen später in einem Restaurant, als die Kellnerin die anderen Gäste am Tisch begrüßte und bei mir stoppte und auf den Sensor am Arm starrte. Wortlos und eindeutig voller Erwartung auf eine Erklärung meinerseits. Ich ratterte auf Knopfdruck mein Programm runter: „Gewebezuckersensor hier, Insulinpumpe da, ja, nee, tut nicht mehr weh als das ständige Piksen vorher, mhm, mir liegt einfach was am Überleben, ja, hihi.“ Es war der Moment, in dem ich hätte gute Aufklärung leisten können, aber ich wollte nicht. Schon gar nicht wollte ich mich dazu genötigt fühlen.

Der Sommer ist noch lang – die Ärmel auch?

Erst vor ein paar Tagen ergab sich die nächste Situation. Dieses Mal mit einer ganz höflichen Frage, ob die Person wissen dürfte, was das ist. Und auch wenn meine Erklärung geduldiger ausfiel – ich hatte keinen Bock. Aber ich stellte mir gleichzeitig die Frage: Sollte ich diesen „Bock“ nicht haben? Ihn wenigstens vorspielen können? Wie kann ich immer dafür plädieren, dass es wichtig ist, den Diabetes greifbar zu machen, wenn ich nicht mal zwei, drei vernünftige Sätze darüber sagen kann?

Die Spitze meines Wunsches, im Moment „ungespotted“ zu bleiben, war, als ich bei über 20 Grad eine lange Bluse angezogen haben, weil ich an dem Tag keine Lust auf auch nur einen Blick hatte. Irgendwie erschreckt mich das. Andererseits ist es wahrscheinlich gar nicht dramatisch und nach Ablauf des Sensors setze ich den nächsten wieder am Bauch.


Wie ist das eigentlich, eine Insulinpumpe zu tragen? Von Tragepositionen und Bequemlichkeit erzählt Carolin in ihrem Beitrag „Insulinpumpentragekomfort?

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Annika Ziercke im Interview: Keine Angst, sich mit Typ-2-Diabetes öffentlich zu zeigen
Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes trauen sich aus Angst vor Vorurteilen nicht, sich öffentlich zu zeigen – nicht so Annika Ziercke, wie sie im Interview erzählt. Sie spricht offen über ihren Alltag mit Typ-2-Diabetes, kämpft gegen Stigmatisierung und macht anderen Mut.
Annika Ziercke im Interview: Keine Angst, sich mit Typ-2-Diabetes öffentlich zu zeigen | Foto: Jennifer Sanchez / MedTriX

13 Minuten

Caroline Spindler im Interview: Aufklären gegen Vorurteile über Typ-2-Diabetes
Caroline ist eine von wenigen Menschen, die auf Social Media offen über ihren Typ-2-Diabetes sprechen. Sie möchte als Diabetes-Awareness-Speakerin aufklären, mit Vorurteilen aufräumen und anderen Betroffenen Mut machen.
Caroline Spindler im Interview: Aufklären gegen Vorurteile über Typ-2-Diabetes | Foto: Jennifer Sanchez / MedTriX

14 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • Am Mittwoch um 19 Uhr findet das nächste Community-MeetUp via Teams statt. Alle sind herzlich eingeladen! Alle Infos findet ihr hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-august-2026/

  • thomas55 postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • ole-t1 antwortete vor 1 Monat

      Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße