Motivation – mein Geheimrezept

4 Minuten

Community-Beitrag
Motivation – mein Geheimrezept

Nachdem ich so positives Feedback zu meinem Rückblick erhalten habe, wollte ich mich näher mit dem Thema Motivation und Diabetes beschäftigen. In diesem Beitrag soll es um meine eigene Kraft gehen, ich plane allerdings noch weitere rund um dieses Thema. Falls ihr Fragen oder Anregungen für mich habt, stellt oder gebt sie mir gerne in den Kommentaren.

Viele sagen mir, dass ich mit der Krankheit so gut und positiv umgehe. Manche fragen mich nach Geheimtipps, da ihnen selbst die Motivation fehlt. Ich würde dann gerne meinen ultimativen Supertrick weitergeben, aber den habe ich leider nicht. Was mir durch die letzten Monate geholfen hat, ist: Du kannst es nicht rückgängig machen und wirst jetzt (voraussichtlich) dein Leben lang damit leben müssen. Entweder du gibst dem Ganzen eine Chance und machst das Beste daraus, lernst mehr über dich und deinen Körper, oder du fragst dich täglich, warum genau du Diabetes bekommen hast, und verkriechst dich in einer traurigen Ecke.

Quelle: Nathalie Bauer

Ich habe mich für Ersteres entschieden, was natürlich die kleinen Niederschläge nicht ausschließt. Ich möchte auch nicht sagen, dass es super mit Diabetes ist! Ganz ehrlich, wenn mir eine gute Fee einen Wunsch freigibt, dann werde ich als Erstes den Diabetes los. Was ich damit sagen möchte, ist, dass es okay ist, zu weinen, einen schlechten Tag zu haben und einfach nicht zu wissen, warum der Blutzucker jetzt spinnt. Aber viel wichtiger sind doch die guten Tage und alles, was wir trotz des Diabetes erleben dürfen. Und am wichtigsten sind diese Dinge, die wir gerade aufgrund des Diabetes ermöglicht bekommen. Die tolle Community, die man als „Normalo“ vielleicht niemals gefunden hätte, die extra Süßigkeiten, die man jetzt immer überallhin mit reinschmuggeln darf (weil man sie ja im Notfall gebrauchen könnte!), und auch dieses enorme Wissen über unseren eigenen Körper, das hätte ich wohl als gesunder Mensch niemals gelernt.

Der Diabetes riss mich mit 23 Jahren mitten aus meiner Lebensplanung. Wann ist denn der „beste Zeitpunkt“ für so eine Diagnose? Ich bin froh, dass es bei mir erst so spät ausgebrochen ist, ich kenne ein Leben ohne den Diabetes und kann euch eins ganz sicher sagen: So viel anders ist es nicht. Meiner Meinung nach machen wir uns alle oft unnötig zu viel Stress. Wenn meine Blutzuckerkurve eskaliert, weiß ich oft, woran es lag, und wenn ich es nicht weiß, dann akzeptiere ich die Situation. Ich schreie dann vielleicht mal kurz los und haue ein paar Beleidigungen raus, aber dann passt das wieder. Seien es Hormone, Stress oder Sport – wir können nicht alles kontrollieren. Ein gesundes Verhältnis zu der Krankheit ist für mich der Schlüssel zu der Gelassenheit, die ich aktuell in mir trage.

Alles passiert aus einem Grund

Lasst uns kurz zurückblicken: Im September 2018 sollte ich mein Auslandspraktikum antreten, jedoch habe ich es verschoben, mit dem Gefühl, dass es in einem Jahr darauf besser passen würde. Den Grund, wieso ich dieses Gefühl hatte, kenne ich nicht. Ich glaube jedoch fest an das Schicksal und dieses Erlebnis hat mich darin nur bestärkt.
Ich bekam meine Traumstelle angeboten, lehnte ab und drei Wochen später lag ich mit der schweren Ketoazidose auf der Intensivstation. Mir ging es davor super – abgesehen von den 10 Litern Wasser am Tag. Als ich im Krankenhaus lag, war für mich klar, dass ich mein Praktikum jetzt nicht mehr in Südkorea absolvieren kann. Wie denn, mit dieser Krankheit? Und dann auch noch so frisch diagnostiziert.

Quelle: Nathalie Bauer

Der Betreuer der Praktikumsstelle sagte mir, er würde sich im März nochmal bei mir melden (für September 2019). Aber irgendwie konnte ich es mir anfangs nicht vorstellen. Ich lebte also weiter, mehr oder weniger wie davor, und habe nebenher sämtliche Informationen, die ich nur kriegen konnte, aufgesaugt und meine Krankheit näher kennengelernt. Mitte Februar kam dann der entscheidende Moment: Ich habe den Diabetes akzeptieren können und lebe jetzt mit ihm. Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich alles dafür tun werde, damit ich für mein Pflichtpraktikum ins Ausland gehen kann. Und nur wenige Tage danach bekam ich die Mail aus Seoul.

Mein Masterplan

Jetzt hält mich gar nichts mehr auf. Ich habe mir selbst das Ziel gesetzt, dass ich fit und stark Mitte August nach Südkorea reisen und mein Praktikum rocken werde. Klar, ich habe immer noch die Angst davor, was passiert, wenn ich eine schwere Hypoglykämie oder Ketoazidose habe. Aber selbst dafür habe ich meinen Masterplan!

Was ich euch mit diesem Text gerne auf den Weg geben möchte: Verliert nicht den Glauben an euch. Ihr lebt, ihr seid stark und diese Krankheit bestimmt euch nicht! Richtet euren Diabetes nach eurem Leben, nicht umgekehrt.


Mehr zum Thema Motivation findet ihr auch in Kathis Video: Diabetes-Motivationsloch – mein Lösungsweg

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • ole-t1 antwortete vor 1 Monat

      Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße