TROTZ Diabetes – falsche Formulierungen und falsche Menschen

3 Minuten

Community-Beitrag
TROTZ Diabetes – falsche Formulierungen und falsche Menschen

Das kleine Wörtchen „trotz“ kann viele Aussagen verändern. Scheinbar harmlose Sätze wie „Das kann ich machen TROTZ Diabetes“ sind die eine Sache, die durch die gewählte Formulierung nicht jeder Person zusagt. Wenn es aber um zwischenmenschliche Beziehungen geht, ist es noch schlimmer und „trotz“ – abgesehen von ganz anderen dummen Kommentaren – eine der für mich größten Beleidigungen. Was ich damit meine? Aussagen, mit denen ich beim Dating konfrontiert wurde.

Ist das ein Date oder kann das weg?

Dass Online-Dating eine ganz eigene Welt ist, stellt man schnell fest: Seltsame Profilbilder, noch seltsamere Anfragen nach bestimmten Fotos von einem Selbst, mangelnde Kommunikationsfähigkeit und ein teils respektloses Benehmen, das im „Real Life“ hoffentlich niemandem in den Sinn käme. Und genau dieses Verhalten scheine ich durch einen offenen Umgang mit meinem Typ-1-Diabetes zu forcieren.

„Dein Lebensstil passt nicht zu mir!“

Zum einen gibt es die Art Personen, die absolut Wert darauf legen, wie „Open Minded“ sie sind. Was schön und gut ist, im Allgemeinen aber an dem Punkt endet, an dem die Stigmata-Klappe einmal gefallen ist. Ich empfinde es tatsächlich als relativ kompliziert, einen angemessenen Rahmen zu finden, den Diabetes zu thematisieren. Ich möchte das Ganze früh erwähnen, weil es – privat und beruflich – in meinem Leben viel darum geht und weil ich mit offenen Karten spielen will. Das Problem dabei ist, dass ich nicht weiß, wie viel ich drüber sprechen soll. Ich möchte klarstellen, dass ich diese Krankheit nicht wegen zu großen Süßigkeitenkonsums bekommen habe. Aber auch nicht so viel erzählen, dass mein Gegenüber denkt, wir wären auf einem Fachkongress. Auf der Suche nach dem passenden Mittelweg begegnet mir dann häufig das: „Dein Lebensstil passt nicht zu mir!“ Und zwar nicht, weil ich Vegetarierin bin, nicht so sehr auf gemeinsames Horrorfilme-Gucken oder Bungeejumping stehe, sondern weil ich Diabetes habe. Nicht mehr und nicht weniger.

Es gab eine Zeit, da habe ich mir das noch deutlich mehr zu Herzen genommen als heute. Habe versucht, zu erklären, dass mein Diabetes – im Idealfall – keine Auswirkungen auf meine Tagesplanung hat und Diabetes (egal welchen Typs) nicht bedeutet, dass die Person, die damit lebt, dick, faul und motivationslos ist. Aber in Wahrheit interessiert das an diesem Punkt schon niemanden mehr.

Hätte ich also lieber einfach die Klappe gehalten? Vielleicht. Wäre ich dann aber unauthentisch gewesen? 100-prozentig.

„Ich würde dich nehmen – TROTZ Diabetes.“

Die andere – mir bisher begegnete – Kategorie Dating-Williger findet dieses Diabetes-Ding erstmal total unproblematisch. Ein, zwei Sätze dazu und die Sache ist erst einmal geklärt. Was cool ist und mit Glück auch genauso bleibt. Aber manchmal kommt der Moment, an dem andere Eigenschaften, Ansichten oder gar Oberflächlichkeiten der Grund dafür sind, dass es keine weiteren Treffen gibt. Der Moment, in dem ich es wage, „nein“ zu sagen, obwohl ich chronisch krank bin. Denn plötzlich wird aus der Bedeutungslosigkeit meines Diabetes etwas anderes: mein Makel. Und alles, was ein Makel hat, sollte sich jetzt wirklich mal zusammenreißen und froh sein, dass es trotzdem für irgendwen noch gut genug ist. „Ich würde dich nehmen – TROTZ Diabetes“, sagte jemand plötzlich zu mir, „denk gut drüber nach, das macht nicht jeder.“

Solche Erlebnisse hatte ich zum Glück schon länger nicht mehr. Aber eine Unsicherheit haben sie trotzdem bei mir hinterlassen.

Schriftzug "You are worthy of love"
Quelle: Unsplash

Hauptsache, ich liebe mich

In den verschiedensten Erfahrungsberichten geht es immer wieder darum, dass der Diabetes einen nahezu zwingt, selbstbewusst zu werden. Man hat keine Wahl. Man muss für sich selbst einstehen – man muss sich selbst zu schätzen wissen. Eine gesunde Portion Selbstliebe muss antrainiert werden, um zu sehen, dass man MIT oder OHNE Diabetes absolut „datebar“ ist – wenn man es denn will.

Dann begegnet man wie von selbst auch den richtigen Menschen.


Dating mit Diabetes – auch Kathy hat damit ihre Erfahrungen gemacht: Du bist nicht allein! – Von zufälligen Diabetes-Begegnungen

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Faschingszeit: Gute Vorsätze – mit kurzer Pause

Der Februar ist da – und mit ihm die Zeit, in der viele Menschen mit einer gewissen Skepsis auf ihre individuellen Neujahrs-Vorsätze schauen. Hält die Motivation noch oder hat sich der Alltag mit seinen kleinen Versuchungen wieder durchgesetzt – insbesondere bezüglich der nun anstehenden Faschingszeit? Gerade für Menschen mit Diabetes sind gute Vorsätze ein zentraler Baustein ihrer Therapie.
Faschingszeit: Gute Vorsätze – mit kurzer Pause | Foto: Petra Fischer – stock.adobe.com

2 Minuten

Mit Diabetes gut vorbereitet ins Krankenhaus: Was muss mit, was vorab geklärt werden?

Es kann schnell passieren, dass man ins Krankenhaus muss, auch ohne dass der Diabetes der Grund ist. Damit dort möglichst alles gut abläuft, ist es sinnvoll, ein paar Dinge vorab zu wissen und vorzubereiten. Denn bei geplanten Aufenthalten im Krankenhaus kann man manches schon im Vorfeld abklären.
Mit Diabetes gut vorbereitet ins Krankenhaus: Was muss mit, was vorab geklärt werden? | Foto: Halfpoint - stock.adobe.com

5 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • Liebe Leute, ich habe zwei neue Erfahrungen mach dürfen, die Ursächliche nicht so schön, woraus die 2. Erfahrung (notwendig gut) resultiert!

    Ich bin kein Liebhaber von Zahnärzten und meine dort geführte Gesundheitsakte ist mit einem riesigen “A” für Angspatient gezeichnet. Ende letzten Jahres ist mir beim letzten verbleibenden Weisheitszahn (nie Schmerzen gemacht) größeres Teil abgebrochen, ZA meint, da geht er nicht bei, weil Zahn quer liegt, allso OP, und danach könnte man sich über Zahnersatz unterhalten … ich natürlich in Schockstarre gefallen, – gleich am selben Tag bei OP-Zahnarzt Termin gemacht, vor Weihnachten nix mehr möglich, gleich Anfang Januar Termin bekommen, Röntgenbild lag dem Chirugen bereits vor. Vieles wurde besprochen, auch der Zahnersatz, wobei der Chirug gleich meinte, dass ausser WZ wohl 3 weitere Zähne raus müssten. Schock nr. 2! Ich wollte mir aber noch 2Meinung einholen und fand Dank guten Rat von Bekannten, einen anderen Zahnarzt, dem ich mein Leid und Angst ausführlich schildern konnte und der auch zum erstenmal die Diabetes in Spiel brachte … kurz um ein bisher bestes aufklärendes Gespräch, wie weit Diabetes auch auf die Zahne und Zahnfleisch gehen kann. Bei mir Fazit Paradontites. (die 1. unschöne Erfahrung). Der Weisheits- und daneben liegende Zahn sind inzwischen raus, – war super gute und schmerzfreie OP, danach keinerlei Schmerzen, durfte allerdings auch Antibiotika nehmen. Die 2. Erfahrung: ich konnte meine Insulindosies halbieren, – bei 10 Tg. Antbiotika, und nun 15 ohne Medizin noch anhaltend niedrige Insulinmenge, mit steigender festen Nahrungsaufnahme.

    Heute bei Diabetologen bestätigt, das Diabetiker besonders auf Ihre Zähne und Zahlfleich achten sollten. Da frage ich mich warum der Zahnarzt da nicht im Vorsorgekatalog von DMP aufgenommen ist.

    LG Wolfgang

  • Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!

    • Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
      Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
      Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
      Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
      Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter!

    • @suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊

    • Hallo Leila, auch von mir ein herzliches willkommen. Auch meine Geschichte liest du im weiteren Verlauf.
      Zur “chronisch kalfizierende Pankreatitis” kann ich nix sagen, da ist immer das Gespräch mit dem Arzt/Diabetologen vorzuziehen, wie in allen Gesundheitsfragen. Was sagen Ärzte dazu, auch wg. der NICHTzunahme an Gewicht. Wenn ich mit einem Arzt nicht kann, oder dieser mir nicht ausreichende Infos gibt, schaue ich mich nach einem anderen Arzt/Diabetologen um, das ist Dein Recht, es geht um Deine Gesundheit!
      Sollte mit der Nichtzunahme noch mehr dahinter Stecken, vielleicht
      auch mal einen Psychologen in Deine Überlegung ziehen. Oder eine auf dich zugeschnittene Diabetes Schulung o.Ä., auch hier sollte Dich ein guter Diabetologe aufklären können.

      Soweit was mir im Moment einfällt. Lass es Dir gut gehen.

      Gruss Wolfgang

    • Hey Laila, du kannst mir gerne hier im Typ 3c Bereich oder via PN schreiben. Ich bin gerade zwar etwas gesundheitlich angeschlagen, versuche aber, so gut es geht zu antworten.

  • vio1978 postete ein Update vor 2 Tagen, 8 Stunden

    Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀

Verbände