Unter Druck – die Macht der Wörter!

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Community-Beitrag
Unter Druck – die Macht der Wörter!

Kennst du diese Stimmen?

Sie sind in meinem Kopf. Sie machen mir Vorwürfe, warum ich schon wieder nicht diszipliniert genug bin. Sie streiten mit mir, warum ich es nicht hinbekomme, denn ich weiß doch, wie es geht. Dabei will ich doch alles gut machen und  gute Blutzuckerwerte haben.

Der Druck wird größer. Der Ton schärfer. So, wie ich mit mir rede, würde ich noch nicht einmal mit einem Menschen reden, den ich überhaupt nicht leiden kann. Ich merke, dass ich es nicht alleine schaffe, da rauszukommen. Ich habe es mir immer wieder vorgenommen, es versucht, bin gescheitert, war traurig darüber und wütend auf mich.

Und dann sind da noch die anderen!

Eigentlich reicht schon der Druck, den ich mir selber mache. Und dann kommen noch die Stimmen von außen. Sicherlich gut gemeint, aber leider null motivierend für mich. Es ist eher so, wie noch eins draufzusetzen auf die Verzweiflung, die Wut, die Scham und die Traurigkeit.

Quelle: Ina Manthey

Da gibt es Sätze verschiedener Diabetologen:

„Was mache ich bloß mit Ihnen?“

„Wenn Sie Kinder wollen, muss Ihre Einstellung aber besser werden!“

„Das muss aber besser werden!“

Es gibt Sätze und Fragen aus meinem persönlichen Umfeld:

„Hast du gemessen?“

„Wie ist dein Zucker?“

„Das darfst du ja leider nicht.“

„Nimm doch noch ein Stück Kuchen.“

Ich war immer wieder verblüfft darüber, was ich mir selber und andere zu mir gesagt haben. Ich war traurig und wütend darüber, dass ich es nicht schaffe, meinen Diabetes gut zu managen. Schließlich habe ich vieles andere in meinem Leben sehr gut hinbekommen. Ich war verzweifelt, weil ich immer stärker gespürt habe, dass ich es alleine nicht schaffe. Ich war genervt von den guten Ratschlägen, die mir in dieser Situation nicht helfen. Und manchmal war ich auch einfach nur stumm.

Stopp! – Ich will das nicht mehr!

Gefühlt aus dem Nichts, kam kurz nach meinem Entschluss, dass es so nicht mehr weitergeht, ein Angebot meines Diabetologen um die Ecke. Psychologische Unterstützung – ob ich das nicht mal ausprobieren will? Rückblickend das Beste, was mir passieren konnte. In der Situation zunächst erst einmal Kopfkino – Waaaaaaaaas? Psychotherapie? Ich bin doch nicht verrückt. Ja, das war es, was ich im ersten Moment gedacht habe. Echt schlimm, denn heute bin ich sehr dankbar, diese Möglichkeit bekommen zu haben. Und ich wünsche mir, dass wir alle offen mit diesen Themen umgehen können. Es ist überhaupt nichts Schlimmes dabei, sich professionell unterstützen zu lassen.

Quelle: Ina Manthey

Ich habe mich also intensiv mit meiner Diabetes-Akzeptanz und meinem Alltag mit Diabetes auseinandergesetzt. Das hat eine Menge ins Rollen gebracht. Eine intensive Erfahrung und nach all den Jahren, in denen der Diabetes so nebenbei lief, wirklich gut, hier mal aufzuräumen und neu zu sortieren. Natürlich gab es auch immer mal wieder Rückschläge und Sackgassen. Das ist ganz normal, aber die Richtung stimmte. Ein paar Jahre später habe ich dann eine Ausbildung zum Coach begonnen. Hier hat sich dann auch immer wieder die Möglichkeit ergeben, mein Verhältnis zu meinem Diabetes zu reflektieren und meinen Alltag und mein Umfeld für mich passend zu gestalten.

Heute sind diese Stimmen in meinem Kopf weg, die mir Vorwürfe machen. Und natürlich führe ich auch mal Zwiegespräche mit mir und meinem Diabetes. Völlig normal, aber ich mache mich nicht mehr fertig damit. Mit den Stimmen in meinem Umfeld kann ich jetzt auch gut umgehen, denn ich habe meine Position gefunden und ich achte auf mich. Eine wirkliche Erleichterung für meinen Alltag mit Diabetes. Rückblickend hat sich die ganze Anstrengung absolut gelohnt und ich bin schon auch stolz auf mich, welche Veränderung ich in meinem Leben geschafft habe.

Ich möchte euch Mut machen, euch zu entwickeln, wenn ihr mit der aktuellen Situation nicht zufrieden seid. Es ist nie zu spät, sich auf den Weg zu machen, um Herausforderungen zu bewältigen und zu wachsen. Es gibt wie immer im Leben kein Patentrezept, aber viele Möglichkeiten, mit einem ersten Schritt zu starten.


Inas Gedanken und Inspiration sind auch Teil unserer Monatsaktion im Mai: Erwartungsdruck – Livestream mit Ina

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  • Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!

    • Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
      Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
      Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
      Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
      Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter!

    • @suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊

  • vio1978 postete ein Update vor 2 Tagen, 2 Stunden

    Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀

  • gibt es Tips oder Ratschläge dieser Pumpe betreffend?

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