Weihnachten neu denken!?

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Weihnachten neu denken!?

Wir dürfen den üblichen Vorweihnachts-Stress runterfahren, sagt die Psychologin Ulrike Lüken – und die Chance nutzen, Weihnachten in Pandemie-Zeiten neu zu gestalten. Wie das gelingen kann und welche Hilfsangebote (z. B. unter corona-stressfrei.de) es für Menschen mit psychischen Corona-Belastungen gibt, erzählt sie im Interview.

Mit dem psychologischen Hilfsprogramm, erreichbar unter www.corona-stressfrei.de, wollen die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten Menschen helfen, die durch die Corona-Monate psychisch belastet sind. Das Angebot richtet sich an Erwachsene und zudem speziell an Erwachsene mit Kindern und an Jugendliche ab 11 Jahre Das Programm soll den Betroffenen helfen, besser mit dem Krisen-Stress umzugehen und ihr Wohlbefinden zu stärken.


Frau Lüken, Deutschland geht in den zweiten Lockdown. Was bedeutet das konkret für die Bürgerinnen und Bürger?
Prof. Dr. Ulrike Lüken:
Der dynamische Pandemieverlauf erfordert eine fortlaufende Anpassung der politischen Entscheidungen. Diese Planungsunsicherheit ist für viele Menschen anstrengend. Wenn wir dem etwas Positives abgewinnen wollen, dann, dass wir den sonst üblichen Vorweihnachts-Stress jetzt ebenfalls runterfahren dürfen. Die Pandemie entwickelt sich für alle zu einem seelischen Marathonlauf, da zählt der lange Atem.

Ich empfehle daher, sich proaktiv auf die kommenden Wochen vorzubereiten: Planen Sie, wie sie die nächsten Wochen unter diesen Bedingungen gut verbringen können. Was brauchen Sie, um diese Zeit positiv für sich zu nutzen? Schauen Sie, welche Bedürfnisse Sie haben und wie es Ihnen geht. Messen Sie doch einmal am Tag Ihren seelischen Zustand: Alles im grünen Bereich, oder haben Sie schon erhöhte Temperatur?


»Messen Sie doch einmal am Tag Ihren seelischen Zustand: Alles im grünen Bereich, oder haben Sie schon erhöhte Temperatur?«

Viele Menschen neigen dazu, sich zu verausgaben und sind dann schnell im roten Bereich. Ein leerer Akku lädt sich aber nur sehr langsam wieder auf. Planen sie sich jeden Tag bewusst etwas Zeit für eine schöne Aktivität ein, um den Akku wieder aufzuladen. Quasi ein Adventskalender mit schönen Dingen für Sie selbst.

Was kann man im Lockdown tun, um in der Weihnachtszeit psychisch und seelisch gesund zu bleiben?
Prof. Dr. Ulrike Lüken:
Weihnachten ist für viele Menschen in Deutschland der emotionale Höhepunkt des Jahres. Deswegen ist die initiale Frustration durch die Einschränkung des Lockdowns verständlich. Wir sollten jetzt auf unsere Mitmenschen Acht geben, die in den nächsten Wochen vielleicht unter Einsamkeit und sozialer Isolation leiden werden. Wie geht es Ihrem Nachbarn, vielleicht bieten Sie Unterstützung an, z.B. einen gemeinsamen Weihnachtsspaziergang oder Hilfe beim Einkauf?

Auf der anderen Seite haben wir nun die Möglichkeit, alte Weihnachtstraditionen zu überdenken und Weihnachten für uns neu zu definieren: Müssen wir im großen Verbund feiern? Ist die ganze Logistik mit Geschenken, Essen und dem vielen Reisen zu Weihnachten wirklich notwendig? Es besteht jetzt die Gelegenheit, sich ehrlich über die Wünsche und Bedürfnisse in der Familie auszutauschen und Weihnachten neu zu denken. Und das große Familienfest vielleicht im Sommer unter freiem Himmel nachzuholen.


»Es besteht jetzt die Gelegenheit, sich ehrlich über die Wünsche und Bedürfnisse in der Familie auszutauschen und Weihnachten neu zu denken.«

Wenn man jetzt in eine persönliche Krise der Einsamkeit rutscht, wohin kann man sich in den nächsten Wochen wenden?
Prof. Dr. Ulrike Lüken:
Sollte man sich akut stark belastet fühlen und sofort Hilfe benötigen, gibt es weitere Ansprechpartner:
  • Die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800 111 0 111
  • Der Berliner Krisendienst hilft schnell und qualifiziert bei psychosozialen Krisen bis hin zu akuten seelischen und psychiatrischen Notsituationen.
  • Das Kinder- und Jugendtelefon erreicht Ihr unter der Nummer: 116 111 (an Wochentagen von 14 bis 20 Uhr).

Weihnachten ist – da brauchen wir uns nichts vorzumachen – nicht nur ein emotionaler Höhepunkt, sondern auch für viele Menschen eine Krisensituation, wenn alte Familienkonflikte unterm Weihnachtsbaum wieder aufbrechen. Da kommt es durch die langen, unstrukturierten Feiertage, die fehlende Alltagsroutine und auch den Alkoholkonsum zu Konflikten bis hin zur Gewalttätigkeit. Darüber hinaus wird dieses Jahr das Thema bei Hilfesuchenden sehr stark Einsamkeit und Isolation sein.

Meine Empfehlung ist: Wir sollten jetzt die Vorweihnachtszeit nutzen, um uns zu überlegen, wie wir Weihnachten verbringen können, indem wir aktiv andere Menschen in der Familie und im Freundeskreis ansprechen und einmal schauen, wie wir ein Corona-kompatibles Weihnachten feiern können und dabei niemanden vergessen.

Gibt es schon erste Beobachtungen aus Ihrer Studie?
Prof. Dr. Ulrike Lüken:
Wir haben eine gute Resonanz und sehen, dass sich relativ viele Menschen mit Vorerkrankungen bei uns melden, die jetzt durch den Corona-Stress Rückfälle erleiden – durchaus mit klinischer Relevanz.

Unser Hilfsangebot unter www.corona-stressfrei.de besteht auch über Weihnachten in Form einer digitalen Beratung, mit der man in kurzen Einheiten chatten kann und hilfreiche Tipps und Übungen bekommt, wie man mit Schlafstörungen, Grübeln und Sorgen, Verstimmungen und Konflikten umgehen kann. Und wenn das nicht ausreicht, kann man danach noch an einem Gruppenprogramm bei uns teilnehmen, das wir derzeit im virtuellen Format durchführen.


Quelle: Humboldt-Universität zu Berlin

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  • Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!

    • Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
      Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
      Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
      Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
      Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter!

    • @suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊

  • vio1978 postete ein Update vor 2 Tagen, 3 Stunden

    Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀

  • gibt es Tips oder Ratschläge dieser Pumpe betreffend?

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