- Eltern und Kind
Wie Jugendliche an Konflikten wachsen
3 Minuten
Erwachsen zu werden, ist nicht leicht – erst recht, wenn Jugendliche als zusätzliche Grenze ihres Freiheitsdrangs den Diabetes akzeptieren müssen. Eltern können helfen, indem sie die anstrengende Auseinandersetzung nicht scheuen.
Wie Eltern ihr Kind hilfreich beim Erwachsenwerden begleiten können, ist das Thema dieser Fortsetzung des Artikels aus Heft 3/2016.
Ein Kind ist ein sehr abhängiger Mensch; es braucht andere, damit es sich entwickelt und wächst in die Lebenswelt seines Elternhauses. Kinder sind neugierig, zumeist lernwillig und begabt. Sie können viel, wenn sie angemessen unterstützt werden und sind oft auch kompetent.
Gerade das erklärt, weshalb sie oft sehr gut mit den technischen Anforderungen zurechtkommen, die der Diabetes mit sich bringt. Dies gelingt besonders dann, wenn die Eltern ihren ersten Schock darüber verarbeitet haben, die Behandlung verstehen, ihr Kind angemessen unterstützen und wenn nötig auch Teile der Behandlung übernehmen sowie ihr Leben entsprechend anpassen.
Bei Jüngeren gelingt das Einbetten des Diabetes ins Sozialleben meist gut
Viele Eltern tun das, sie achten auf Ernährung, allgemeine Regelmäßigkeit im tagtäglichen Leben, informieren das Umfeld und schützen ihr Kind damit. Vielleicht geben manche Eltern auch Vorhaben auf, wie Urlaub in Ländern zu machen, in denen die medizinische Versorgung nicht so unkompliziert ist wie bei uns.
Anders gesprochen geht es in der Familie darum, ein realitätsbezogenes gemeinsames Leben und einen stimmigen Text zu entwickeln, in dem die Erkrankung ihren Platz hat und dazugehört. Das geht oft recht gut, wenn Kinder noch jung sind, da der Sozialraum (Familie, Kindergarten, Schule, Freunde, Sport) überschaubar ist. Wenngleich sicherlich manche der Eltern auch die Erfahrung machen, dass es im praktischen Leben Probleme in Kindergarten und Schule geben kann.
Die Pubertät bringt Veränderung – körperlich und psychologisch
In der Pubertät verändert sich die Situation. Infolge der hormonellen Umstellung finden körperliche Veränderungen statt. Die Jugendlichen müssen mit ihren körperlichen Veränderungen, ihren psychosexuellen Wünschen und den entwicklungsbedingten Anforderungen ein Einvernehmen finden. Sie müssen ihre Geschlechterrolle ausgestalten lernen, sie werden eigenständiger, eigenwilliger, werden zunehmend verantwortlich für ihr Leben und entwerfen auch allmählich einen Lebensplan.
Dazu gehört auch, dass Jugendliche in Auseinandersetzung mit den Eltern geraten. Oft scheinen sie unbeständig, unvorhersehbar und paradox zu handeln, oder sie sind unsicher und wollen Anerkennung. Manchmal haben sie auch enge moralische und idealistische Vorstellungen, sind überkritisch sowie zwiespältig in der Einstellung zu den Eltern. Gefühlsschwankungen, auch mit Feindseligkeit und Aggressionen gegenüber den Eltern, und zwischendurch kleinkindhaft anmutendes Verhalten sind nicht ungewöhnlich.
Keine Angst vor (respektvollem) Streiten
Die Aufgabe der Eltern besteht besonders in diesem Lebensabschnitt darin, nicht nur die Unabhängigkeitsbestrebungen des Jugendlichen zu unterstützen und auftauchende Zweifel abzufangen, sondern auch klare Grenzen zu setzen, mit Standards zu konfrontieren und Konflikte auszuhalten. Was nicht immer leicht fällt. Die Aufgabe besteht dann darin, respektvoll zu streiten – was auch Spaß machen kann, aber durchaus auch anstrengt.
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Wichtig ist, dass diese Streits Ausdruck von Beziehung sind, denn nur, wenn mir jemand wichtig ist, streite ich mich mit ihm. Natürlich gibt es auf Seiten der Eltern Ängste, die auch aus der Sorge resultieren können, dass mein Kind mich nicht mehr mag, wenn ich mich mit ihm streite oder Grenzen setze, die es absolut ablehnt. Ich bin aber überzeugt davon, dass gerade das angemessene Grenzenziehen erforderlich ist, da ich meinem Kind beibringen muss, dass im Leben nicht alles nach dem spontanen Wunsch und der eigenen Nase läuft, sondern es immer auch Grenzen und Widersprüche gibt, die auszuhalten sind, mit denen man leben kann oder leben lernen muss.
Und dies zeige ich, indem ich zeige, dass ich damit leben kann, wenn mein Kind sich über mich ärgert oder mich vielleicht sogar hasst. Und wir wissen alle, dass es einfach zum Leben dazugehört, Unangenehmes und Widersprüchliches auszuhalten und dennoch weiter aktiv zu handeln.
Sportlich bleiben
Das ist eine eigentlich ganz pragmatisch-realistische Haltung, die auch Sportlichkeit verlangt. Aber mit dieser Haltung lassen sich unangenehme Situationen meistern und, so die These, auch mit einer Erkrankung leben.
Das Ziel: erwachsen werden
Natürlich bedeutet das nicht, dass das nur leicht ist oder alles glatt geht und beim Diabetes die Werte wie von Zauberhand wieder im Normbereich sind – besonders, wenn ich auch sehr angestrengt streite. Aber vielleicht ist es möglich, ein gewisses Maß an Abweichung zu akzeptieren, darum zu verhandeln und klare Konsequenzen aufzuzeigen, nämlich was passiert, wenn die Vereinbarungen nicht eingehalten werden. Es geht ja darum, erwachsen zu werden, d. h. zu lernen, für das, was man tut oder sagt, Verantwortung zu übernehmen und dafür geradezustehen. Und gerade das kann auch dabei gelernt werden.
von Dr. med. Eva-Marie Franck
Oberärztin Kinder- und Jugendpsychiatrie, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin “Auf der Bult”,
Janusz-Korczak-Allee 12, 30173 Hannover30173 Hannover
Telefon: 0511 / 8115 – 0 (Zentrale), Telefax: 0511 / 8115 – 1060
E-Mail: franck@hka.de
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2016; 9 (4) Seite 12-13
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anseaticids postete ein Update vor 16 Stunden, 25 Minuten
Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.
Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“
Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.
Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.So können Kinder lernen, wachsen und
selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
Unsere Mission ist einfach:✔ Kindern Sicherheit geben
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Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.
Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
📧 moin@hanseatic-kids.de
📞 040 851 59 747 -
stephanie-bagehorn postete ein Update vor 3 Tagen, 14 Stunden
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othenbuehler postete ein Update vor 4 Tagen, 6 Stunden
Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes berichten, dass sich ihr Insulinbedarf im Verlauf des Menstruationszyklus verändert – oft deutlich spürbar, aber bisher kaum systematisch erfasst.
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