Aufklärung: Es gibt noch viel zu tun!

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Aufklärung: Es gibt noch viel zu tun!

Ein missglücktes Plakatmotiv der Hamburger Polizei sorgte kürzlich für große Aufregung – und zeigt, dass noch viel getan werden muss gegen Vorurteile und die Stigmatisierung von Menschen mit Diabetes – ein Kommentar aus der Diabetes-Journal-Redaktion.

Dieser Beitrag ist eine Vorabveröffentlichung aus der August-Ausgabe des Diabetes-Journals, die am 31. Juli 2020 erscheint.

Das Diabetes-Journal erhalten Sie im Kirchheim-Shop, als ePaper sowie an Kiosken auf Flughäfen und Bahnhöfen.

Kennen Sie das frustrierende Gefühl, wenn man sich schon lange Zeit für etwas engagiert, dann aber erkennen muss, dass (noch) gar nicht so viel erreicht worden ist? Das hatte ich diesen Sommer bezogen auf die Diabetes-Aufklärung und war damit nicht alleine. Was war geschehen?

Im Rahmen der Plakatkampagne „In Hamburg schaut man hin“ fordert die dort ansässige Polizeibehörde die Bürger*innen der Hansestadt dazu auf, bei vermeintlich polizeilich relevanten Situationen im öffentlichen Raum genauer hinzuschauen – und falls es im Auge des Betrachters gegeben ist, lieber einmal zu viel als zu wenig die Polizei zu rufen. Auf den Plakatmotiven werden dazu Beispiele geliefert, die aus Sicht der Hamburger Polizei gut geeignet wären:

Wieso werden chronisch Kranke in ein solches Licht gerückt?

So ist eine Frau mit Blutergüssen zu sehen, über ihr steht in großer Schrift „Pech oder Peter?“, und etwas kleinerer darunter „Geh auf Nr. sicher, ruf die Polizei“. Auf einem anderen klettert jemand durch ein offenes Fenster, betitelt mit „Schlüsselvergesser oder Einbrecher?“ und derselben Aufforderung, die in beiden Fällen ja durchaus berechtigt ist. Anders als beim Motiv, das mich und viele weitere Menschen entsetzt hatte, als es Anfang Juli via Facebook prästentiert wurde:

Eine Person sitzt auf einer Bank und greift nach einer neben ihr liegenden Einwegspritze. Darüber steht „Insulin oder Heroin?“ – und eben die Empfehlung, dies doch auch besser mal von der Polizei klären zu lassen. „Das kann doch nicht wahr sein!“, war mein erster Gedanke, „was hat man sich dabei bloß gedacht?“ Müssen Menschen mit Insulintherapie (in Deutschland immerhin fast zwei Millionen) nun also bei jeder Injektion in der Öffentlichkeit damit rechnen, dass übereifrige Mitbürger*innen sie auf behördlichen Wunsch anschwärzen?

Wieso überhaupt werden Menschen mit einer chronischen Erkrankung, die sich zum Überleben mehrmals täglich ein Medikament injizieren müssen, in ein solches Licht gerückt und derart zum Freiwild erklärt? Weil es in dem Zusammenhang vermeintlich gut passt, um eine markante Headline zu produzieren? Und das ausgerechnet seitens einer Behörde, die sich aktuell selbst von Pauschalisierungen und falschen Vergleichen betroffen sieht und diese vehement zurückweist …

Es gibt noch viel zu tun in Sachen Aufklärung: Packen wir’s an!

Mit diesen Gedanken war ich nicht allein: Etliche Menschen, auch viele, die seit Jahren dem Diabetes-Journal verbunden sind, haben das Plakat in den sozialen Medien umgehend heftig kritisiert: „Es trauen sich eh schon nicht alle […], sich öffentlich Insulin zu spritzen. Unter anderem genau wegen sowas! Dabei ist es wichtig, die Vorurteile, die Menschen gegenüber Diabetes haben, aus der Welt zu schaffen und ihr tragt stattdessen weiter zu unserer Diskriminierung bei?“, kommentierte unsere Kolumnistin („diabetes and the city“) Tine Trommer auf Twitter.

Und Stephanie Haak (Pep Me Up – Diabetes-Blog) schrieb: „Neben der physischen und mentalen Last dieser Krankheit erleben Menschen mit Diabetes so oder so schon ein hohes Maß an Diskriminierung und Stigmatisierung […]. Das letzte, was wir von euch brauchen, ist dass ihr besorgte Bürger*innen nun auf uns hetzt. […] Wollt ihr, dass wir uns wegen solcher Kampagnen verstecken oder gar unsere Gesundheit vernachlässigen?“

Der breite Aufschrei führte immerhin dazu, dass die Polizei Hamburg das Motiv umgehend zurückzog. Aus meinem Blickwinkel zeigt dieser Fall jedoch eindrücklich, dass leider noch viel zu tun ist in Sachen Aufklärung über den Diabetes – für Verbände, Organisationen, Fachmedien und für jede einzelne Person, der das Thema am Herzen liegt. Also packen wir‘s gemeinsam weiter an!


Autor:

Gregor Hess
Redaktion Diabetes-Journal
Kirchheim-Verlag
Wilhelm-Theodor-Römheld-Straße 14
55130 Mainz

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (8) Seite xx

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Tag, 20 Stunden

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 2 Tagen, 13 Stunden

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 3 Tagen

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