Basalinsulin Tresiba kehrt zurück!

2 Minuten

© Novo Nordisk
Basalinsulin Tresiba kehrt zurück!

Verunsicherte Patienten, verärgerte Ärzte, genervte ­Diabetesberaterinnen: So sah die Situation im September 2015 aus, als das Basalinsulin Tresiba (Insulin degludec) schon nach einem Jahr wieder vom deutschen Markt genommen wurde (wir berichteten mehrfach). Jetzt kehrt es zurück!

Den Vertrieb von Tresiba in Deutschland wieder aufnehmen: Das will der Insulinhersteller Novo Nordisk, wie er im September 2018 erklärt hat. Als Gründe nannte das Unternehmen die anhaltende Nachfrage seitens der Patienten und der Ärzte sowie den Aufruf des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vom Februar 2018 zu einer erneuten Nutzenbewertung des Medikaments. Inzwischen liegen neue Studiendaten vor, die den klinischen Nutzen von Insulin degludec weiter untermauern.

Der Vertrieb des Basalinsulins wurde Anfang 2016 in Deutschland endgültig eingestellt – nicht aus medizinischen Gründen, sondern aus finanziellen Überlegungen, so der Hersteller. Bei den Preisverhandlungen konnte seinerzeit keine Einigung erzielt werden. Arzneimittelhersteller müssen seit 2011 die Preise für neue Medikamente im Rahmen des AMNOG-Prozesses (­AMNOG: Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz) mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) aushandeln.

Etwa 40 000 Diabetiker mussten umsteigen

Rund 40 000 Patienten mit Diabetes, die Tresiba gespritzt hatten, gerieten in die unglückliche Lage, nach nur kurzer Anwendung des neuen Basalinsulins wieder auf ein anderes Insulin umgestellt zu werden. Novo Nordisk Deutschland bedauerte im September 2015 gegenüber dem Diabetes-Journal diese Situation „ganz besonders“ und bat bei den betroffenen Diabetespatienten „für die große Verunsicherung“ um Entschuldigung. Danach wurde Tresiba nicht unmittelbar vom Markt genommen, sondern war noch ein Quartal verfügbar, um Ärzten und Patienten die Zeit zu geben, sicher auf ein anderes Insulin umzusteigen.

Tresiba hat einen entscheidenden Vorteil: Mit seiner sehr langen Wirkdauer von 3 bis 4 Tagen sorgt es für einen ausgeglicheneren Insulinspiegel, z. B. auch für weniger nächtliche Unterzuckerungen. Nach dem Vertriebsstopp ließ sich das Basalinsulin dann nur noch über internationale Apotheken bestellen. Auch Deutschlands Diabetologen und die Diabetes-Selbsthilfe hatten die Marktrücknahme bedauert (S. 70). Den Patienten rieten sie, in der Umstellungsphase häufiger den Blutzucker zu messen, um Hypoglykämien zu vermeiden.

Viele Patienten standen „im Regen“

„Viele Patienten, die mit dem lang wirksamen Verzögerungsinsulin ihren Glukosestoffwechsel gut managen konnten, standen damals ‚im Regen‘“, erinnert sich Dr. Martin Lederle, Dia­betologe aus Ahaus in Nordrhein-Westfalen. „Zusammen mit vielen Patienten habe ich mich hartnäckig dafür eingesetzt, dass sie Tresiba weiter verwenden konnten und bei manchen dieser Patienten konnte ihre Krankenkasse davon überzeugt werden, die Kosten für Tresiba weiter zu übernehmen.“

Die Entscheidung von Novo Nordisk, Insulin degludec wieder auf den deutschen Markt zurückzubringen, sei „im Sinne der Patienten“, so Lederle. „Das finde ich sehr erfreulich.“ Tresiba sei natürlich kein „Wunderinsulin“, aber wegen seiner besonderen Eigenschaften, wie der langen Wirkdauer, anders als die anderen verfügbaren Verzögerungsinsuline. Die therapeutische „Insulinpalette“ werde somit wieder größer.


von Angela Monecke
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90,
E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2018; 67 (11) Seite 44-45

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Lebenswelt-orientierte Kurse im Projekt GaDiaKi: Diabetes-Gruppenschulungen für Kinder und Jugendliche
Wie können Kinder und Jugendliche so geschult werden, dass sie fit sind für einen eigenständigen Umgang mit ihrer Diabetestherapie in allen Alltagssituationen? Dafür soll das Projekt GaDiaKi sorgen, bei dem mehrere Partner zusammenarbeiten, um lebenswelt-orientierte Gruppenschulungen anzubieten.
Lebenswelt-orientierte Kurse im Projekt GaDiaKi: Diabetes-Gruppenschulungen für Kinder und Jugendliche | Foto: Sana - stock.adboe.com

3 Minuten

Wenn Zahlen und Daten stressen: Diabetes zwischen Vorgaben und Lebensqualität
Die Diabetologie gilt als Daten-getrieben und ist voll von Abkürzungen und Zahlen, die eine Einschätzung der eigenen Glukose-Situation erlauben. Diese Zahlen und Maße geben eine wichtige Orientierung und befähigen Menschen mit Diabetes, selbst ihre Therapie zu beurteilen. Doch was passiert, wenn das eigene Urteil zu hart ausfällt?
Wenn Zahlen und Daten stressen: Diabetes zwischen Vorgaben und Lebensqualität | Foto: Mediaphotos – stock.adobe.com

3 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • diahexe postete ein Update vor 3 Tagen, 23 Stunden

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

  • ckmmueller postete ein Update vor 1 Woche

    Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos

    • Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.

  • anseaticids postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag

    Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.

    Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“

    Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.

    Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
    individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.

    So können Kinder lernen, wachsen und
    selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
    Unsere Mission ist einfach:

    ✔ Kindern Sicherheit geben
    ✔ Familien den Alltag erleichtern
    ✔ Kita- und Schulteams entlasten
    ✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.

    Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.

    Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.

    Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
    📧 moin@hanseatic-kids.de
    📞 040 851 59 747

    Uploaded ImageUploaded Image
Verbände