Berlin klärt über Diabetes auf!

3 Minuten

© bluedesign - Fotolia
Berlin klärt über Diabetes auf!

Diabetestag im Bundespresseamt in Berlin: Das gab es zum ersten Mal und zeigt erneut, dass der Diabetes in der Politik angekommen ist. Eine Typ-1-Diabetikerin, die in der Bundesbehörde arbeitet, hat die Aktion ini­tiiert – ausgerichtet wurde sie von diabetesDE im Umfeld des Weltdiabetestags 2018 (mehr dazu in Ausgabe 1/2019).

»Meine Kollegen achten sehr auf mich!«
Ellen Schmoll, Mitglied im Gesamtpersonalrat des Bundespresseamts und Typ-1-Diabetikerin

DJ: Sie haben den Aktionstag ins Leben gerufen. Worum geht es Ihnen?
Ellen Schmoll: Für mich als Typ-1erin ist es wichtig, immer auf dem neuesten Stand zu sein. Deshalb bin ich im Netz auch in allen möglichen Foren aktiv (Mitbegründerin von „Omnipoddies and Friends“). Hier und heute im Bundespresseamt ging es im Schwerpunkt um Typ 2 und darum, dass meine Kollegen über Diabetes aufgeklärt werden.

DJ: Und wie gehen sie mit Ihrem Diabetes um?
Schmoll: Mein Referat hat sich wunderbar auf meinen Diabetes eingestellt. Ich bin seit 6 Jahren im Bundespresseamt und genieße viele Vorteile, auch als Schwerbehinderte. Es ist uns zudem möglich, mobil zu arbeiten. Das bringt mir viel, wenn ich z. B. eine Hypo-Nacht hatte und nicht zur Arbeit kommen kann oder mein Pumpenkatheter mal abreißt bzw. mein FGM-Sensor nicht richtig sitzt. Meine Kollegen achten auch sehr auf mich. Das ist großartig. Sie haben keine Vorurteile.

»Aktionstage auch in Ministerien und Betrieben!«
Bastian Hauck, Vorstand diabetesDE, Typ-1-Diabetiker

DJ: Welches Signal geht von diesem Tag für Sie aus?
Bastian Hauck: Es war uns wichtig, diesen Aktionstag mit dem Bundespresseamt gemeinsam zu gestalten – als eine Art Vorreiter, wie betriebliche Gesundheitsvorsorge aussehen sollte. Wir hoffen, dass auch Deutschlands Ministerien und weitere Behörden und Betriebe einen solchen Aufklärungstag mit Diabetes-Früherkennungstests (www.unerkannt-unterwegs.de)< und Mitmach-Aktionen durchführen.

DJ: Das Motto des Weltdiabetestags 2018/2019 lautet „Familie und Diabetes“. Stichwort: Typ-F-Diabetes (das „F“ steht für Familie, Freunde): Wie ist das bei Ihnen?
Hauck: Meine wichtigste „Typ-F-lerin“ ist meine Freundin. Seit 8 Jahren begleitet sie mich durch die Höhen und die Tiefen des Diabetes. Ich sage immer: Mona ist mein bestes CGM! Sie spürt sofort, wenn ich unterzuckere – teils bevor ich es selbst merke, z. B. nachts. Dann holt sie mir etwas aus dem Kühlschrank. Das sind die kleinen Liebesbeweise im Typ-1- und Typ-F-Leben (lacht!) …

»Wichtiges Signal an die Bundesregierung, endlich etwas gegen die Diabetes-Epidemie zu tun!«
Tetje Mierendorf, Schauspieler und Autor („Halbfettzeit“), Typ-2-Diabetiker

DJ: Weltdiabetestag, Diabetestag im Bundespresseamt: Was versprechen Sie sich für die Diabetesaufklärung?
Tetje Mierendorf: Ich hoffe, dass in der Bevölkerung eine breite öffentliche Wahrnehmung des Diabetes stattfindet. Mit dem Aktionstag im Bundespresseamt geht ein ganz wichtiges Signal an die Bundesregierung, endlich etwas gegen die Diabetes-Epidemie zu tun: Sie ist die größte gesundheitliche Bedrohung, die auf uns zurollt.

DJ: Sie haben fast 70 Kilo abgenommen und Ihren Typ 2 heute im Griff – ohne Diabetesmedikamente. Sie sagen: Den Hebel im Kopf muss jeder selbst umlegen. Nur wie?
Mierendorf: Abnehmen ist Arbeit. Da darf man sich nichts vormachen. Aber man kann sein Leben damit komplett verändern. Die starke Veränderung, die ich selbst durchgemacht habe, ist aber trotzdem keine Bonuskarte, mit der ich einfach zum lieben Gott gehen kann und nochmal 8 Jahre gutgeschrieben bekomme. Aber ich fühle mich so, wie ich heute bin, sehr viel besser und gesünder. Menschen mit Diabetes sollten mit ihrer Erkrankung offensiv umgehen, damit die Stigmatisierung aufhört, wie die Behauptung, man sei an seinem Typ-2-Diabetes selbst schuld. Wir sind nicht in der Minderheit, sondern in der Mehrheit! Wir sollten mit einer gemeinsamen Stimme sprechen: für die Aufklärung, für die Gesundheit, für ein langes Leben. Wir sind es wert!


Interviews: Angela Monecke
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90,
E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2018; 67 (12) Seite 46-47

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Maßnahmen der Bundesregierung: 66 Einsparvorschläge – was bedeutet das für Menschen mit Diabetes?
Die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken eingesetzte „FinanzKommission Gesundheit“ (FKG) hat am 30. März 2026 ihren Bericht vorgelegt. Darin werden 66 Einsparvorschläge eingebracht, um die Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ab 2027 zu stabilisieren. Was dies für Menschen mit Diabetes bedeuten könnte, erläutert die organisierte Selbsthilfe in einer gemeinsamen Stellungnahme.
Maßnahmen der Bundesregierung: 66 Einsparvorschläge – was bedeutet das für Menschen mit Diabetes? | Foto: highwaystarz – stock.adobe.com

3 Minuten

20. Hecker-Symposium: Chancen und Herausforderungen der Früherkennung des Typ-1-Diabetes
Früherkennung, neue Therapien und moderne Technologie – die Versorgung von Menschen mit Typ-1-Diabetes ist im Wandel. Beim 20. Hecker-Symposium in Stuttgart diskutierten Fachleute, Selbsthilfe und Betroffene über Chancen und Herausforderungen.
20. Hecker-Symposium: Chancen und Herausforderungen der Früherkennung des Typ-1-Diabetes | Foto: Johanna Weekes

3 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

  • moira postete ein Update vor 3 Wochen

    Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
    War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?

Verbände