Brennen für Prävention: DDG-Geschäftsführerin Barbara Bitzer im Interview

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Brennen für Prävention: DDG-Geschäftsführerin Barbara Bitzer im Interview | Foto: DDG/Dirk Deckbar
Foto: DDG/Dirk Deckbar
Brennen für Prävention: DDG-Geschäftsführerin Barbara Bitzer im Interview

In einem engagierten Team in Vorstand und Geschäftsstelle der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) ist Barbara Bitzer als Geschäftsführerin tätig. Sowohl ihre Arbeit mit den „Profis“ und für sie als auch der Einsatz für die Belange der Menschen mit Diabetes ist ihr auf ihrem Berufsweg wichtig. Das Thema Prävention liegt ihr dabei besonders am Herzen, wie sie im Interview verrät.

Im Interview: Barbara Bitzer

Die Versorgung der Menschen mit Diabetes sicherstellen, die Forschung fördern, Weichen in der Politik stellen, eine mutige Fachgesellschaft begleiten: Das sind nur ein paar Aspekte, die Barbara Bitzer begeistern. „Ich wünsche mir, dass das Thema noch mehr in der Politik ankommt, dass Diabetes ernst genommen wird.“ Seit fast zehn Jahren ist sie Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Barbara Bitzer (Foto: DDG / Deckbar)

Die Diabetologie lockte sie

Die approbierte Apothekerin hatte ihren Weg in die Diabetologie schon früher gefunden, auch getriggert durch ihren erst im Alter von 25 Jahren aufgetretenen Typ-1-Diabetes. Bereits in der Apotheke, in der sie ihren Berufsweg begann, beriet sie viele Menschen mit Diabetes. Weil sie medizinisch und inhaltlich tiefer in die Diabetologie einsteigen wollte, begann sie, bei einem großen Insulinhersteller zu arbeiten.

Nach 16 Jahren entstand in ihr der Wunsch, die konkrete Versorgung von Menschen mit Diabetes und deren Belange stärker in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu rücken, gesundheitspolitisch aktiv zu werden und die Forschung auf diesem Gebiet gezielt zu fördern. Die großen Diabetes Kongresse waren ihr seit Jahren vertraut, sie bewarb sich bei der DDG …

Prävention im Beruf und privat

Gleichzeitig ist Barbara Bitzer Sprecherin der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten, kurz DANK. Das Wissenschaftsbündnis, das die DDG vor über 15 Jahren gegründet hat, treibt vor allem Themen der Vorbeugung an, bringt sie in die Medien und in die Reihen der Politik.

Und die Prävention ist Barbara Bitzer auch selbst wichtig: „Ich bin sehr aktiv und brauche Bewegung als Ausgleich zum Beruf.“ Ob mit ihren vier Kindern oder allein – sie fährt viel Fahrrad, treibt Sport und reist gern. Gleichzeitig genießt sie es, mit einem guten Buch oder bei der Gartenarbeit zu entspannen.

Diabetes-Anker (DA): Frau Bitzer, seit bald zehn Jahren begleiten Sie die Deutsche Diabetes Gesellschaft als Geschäftsführerin. Davor waren Sie drei Jahre Referentin für Gesundheitspolitik in der DDG. Was fasziniert Sie an Ihrer Tätigkeit in der Fachgesellschaft der Diabetologinnen und Diabetologen?

Barbara Bitzer: Sie haben es ja schon gesagt: Ich bin schon viele Jahre bei der DDG und empfinde das immer noch als einen großen Glücksfall und bin einfach auch dankbar, hier meine Erfüllung gefunden zu haben. Die DDG, die Deutsche Diabetes Gesellschaft, ist eine unglaublich agile, moderne und auch mutige Fachgesellschaft. Sie hat sich auf die Fahnen geschrieben „Diabetes erforschen, behandeln, verhindern“.

Und genau das macht die Arbeit so spannend und so vielfältig, dass man in all diesen Bereichen Verhältnisse gestalten kann, auf die Politik zugehen und Weichen stellen kann. Für mich bedeutet es viel, hier so eine vielfaltige und interessante Tätigkeit zu haben und das alles immer im Sinne der Menschen mit Diabetes: politisch agieren, um die Versorgung zu verbessern und sicherzustellen oder auch dazu beizutragen z.B. durch Forschungsförderung, dass neueste Erkenntnisse möglichst zeitnah beim Patienten ankommen.

Im Rahmen unserer Akademie Fort- und Weiterbildungen für medizinisches Fachpersonal und Ärzte anzubieten oder evidenzbasierte Leitlinien mit den Experten zu erarbeiten, damit die Versorgung auf dem neuesten medizinischen Stand erfolgt und auch der Nachwuchs sichergestellt ist. Das sind nur kleine Beispiele für diese vielen Facetten einer Fachgesellschaft und ganz besonders der Deutschen Diabetes Gesellschaft, die die Aufgabe unheimlich spannend und abwechslungsreich und auch sinnstiftend machen.

DA: Sie haben eben das Adjektiv mutig zur Charakterisierung der DDG benutzt. Was ist in diesem Fall mutig?

Barbara Bitzer: Mutig heißt für mich, dass wir eine Fachgesellschaft sind, die politisch unglaublich aktiv ist und auch den Mut hat, Herausforderungen in der Versorgung auch offen anzusprechen. Die auch den Mut hat, politische Maßnahmen oder Versäumnisse zu kritisieren und wissenschaftlich gesicherte Lösungen anzubieten, ganz besonders im Bereich der Prävention, die mir ein Herzensanliegen ist.

Aber dass sie auch im Bereich Versorgung den Mut hat, Versorgungslücken aufzuzeigen, Bedarfe aufzuzeigen, Forderungen offen zu artikulieren und auch in einen kritischen Austausch geht. Das ist nicht selbstverständlich, gerade für eine wissenschaftliche Fachgesellschaft. Das ist in den letzten Jahren sehr gewachsen. Und das macht viel Spaß und ist sinnvoll und notwendig.

DA: Sie sind eigentlich approbierte Apothekerin. Was war Ihre Motivation, Pharmazie zu studieren?

Barbara Bitzer: Mich haben Naturwissenschaften immer schon sehr interessiert. Meine Mutter war Apothekerin und eine meiner Schwestern ist ebenfalls Apothekerin. Dadurch war mir dieses Berufsbild immer schon sehr vertraut und ursprünglich war mein Plan, eine eigene Apotheke zu übernehmen. Nach dem sehr intensiven und inhaltsreichen Pharmaziestudium hat mich der Apothekenalltag dann zunächst etwas enttäuscht, aber durch den Kontakt in die Diabetologie, die eigene Erkrankung und Kontakte zu Ärzten und Patienten habe ich mich schnell auf den Diabetesbereich fokussiert.

DA: Wie kamen Sie dann zur DDG?

Barbara Bitzer: Nach dem Studium habe ich erst ganz klassisch nach meinem zweiten Staatsexamen, nach der Approbation zur Apothekerin, den eigentlichen Beruf kennenlernen wollen. Ich habe in einer öffentlichen Apotheke angefangen und war dort drei Jahre tätig. Ursprünglich hatte ich das Ziel, eine eigene Apotheke zu übernehmen. Und in dieser Zeit hatte ich natürlich schon viel Kontakt mit Patienten und damit auch viel Kontakt mit dem Thema Diabetes.

Unsere Apotheke war nahe einer diabetologischen Schwerpunktpraxis. Wir haben auch Blutzuckermessungen durchgeführt und die Menschen beraten. Da entstand schon ein großes Interesse an dieser Erkrankung. Dazu kam, dass ich in dieser Zeit selbst einen Typ-1-Diabetes entwickelt habe. Die eigene Betroffenheit hat mich natürlich noch viel mehr für dieses Thema sensibilisiert.

Nach einer gewissen Zeit in der Apotheke habe ich festgestellt, dass ich mich mehr diesem einzelnen Thema Diabetes widmen und viel tiefer einsteigen möchte. Ich wollte einerseits medizinisch-wissenschaftlich mehr erfahren und lernen und mich auch mehr für die Belange der Patienten einsetzen.

Zunächst bin ich in die Pharmaindustrie gewechselt zu einem großen Insulinhersteller. Dort war ich 16 Jahre in unterschiedlichen Positionen, aber immer im Bereich Diabetes. In dieser Zeit hatte ich bereits sehr viel Kontakt zu Diabetologen, zu Diabetesberaterinnen und -assistentinnen und auch zu Patienten. Dieses Interesse an der Diabetologie und den Belangen der Menschen mit Diabetes hat eigentlich meinen ganzen Lebensweg bestimmt.


Es war ein Glücksfall, dass ich eine Anzeige in einer Zeitung gelesen habe, dass die Deutsche Diabetes Gesellschaft eine Referentin für Politik, Leitlinien und Zertifizierung sucht.


DA: Wie alt waren Sie, als Sie Diabetes bekamen?

Barbara Bitzer: 25, also recht spät und für mich völlig überraschend. Damit habe ich nie gerechnet, in der Familie gab es bis dahin auch niemanden mit Diabetes. Aber dann kam er mit den klassischen Symptomen, gerade vor meinem dritten Staatsexamen, als ich viel über Diabetes lernte. Ich dachte: „Komisch, die Symptome hast du selbst alle.“ Und dann war es tatsächlich so: Ich hatte Diabetes.

DA: Sie haben beschrieben, dass Sie 16 Jahre bei dem Insulinhersteller waren. Die DDG hat hier ihren Sitz in Berlin. War alles vorher auch in Berlin?

Barbara Bitzer: Die Apotheke war hier in Berlin und das Unternehmen war in Mainz, aber das funktionierte mit einer gewissen Reisetätigkeit auch von Berlin aus. Das war kein Problem. Ich bin doch sehr mit Berlin verbunden.

DA: Sie sind Ur-Berlinerin?

Barbara Bitzer: Ich bin Berlinerin und habe hier eine große Familie. Ich habe auch vier Kinder und da bin ich doch örtlich ziemlich gebunden.

DA: Wie kamen Sie dann vom Insulinhersteller zur DDG?

Barbara Bitzer: Ganz klassisch – ich habe mich beworben. Ich kannte natürlich den Diabetes Kongress der Deutschen Diabetes Gesellschaft schon seit 16 Jahren. Ich war, glaube ich, auf jedem einzelnen Kongress. Und ich hatte die lange Erfahrung in der Pharmaindustrie. Da wuchs in mir der Wunsch, noch einmal etwas anderes zu machen, wieder mehr inhaltlich zu arbeiten. Ich wollte mich mehr um Versorgungsfragen und Forschungsthemen kümmern und das immer mit den Belangen von Patienten im Blick.

Es war ein Glücksfall, dass ich eine Anzeige in einer Zeitung gelesen habe, dass die Deutsche Diabetes Gesellschaft eine Referentin für Politik, Leitlinien und Zertifizierung sucht. Ich habe mich ganz unbefangen beworben – gesucht war aber eigentlich ein Arzt/eine Ärztin. Da dachte ich, vielleicht nehmen sie ja auch eine Apothekerin. So kam es dann auch und dann ging alles recht schnell und ich wechselte zur Deutschen Diabetes Gesellschaft.

DA: Dann waren Sie drei Jahre in der „untergeordneten“ Position, bis Sie zur Geschäftsführerin wurden?

Barbara Bitzer: Genau. Drei Jahre habe ich mich erst mal in einen für mich relativ neuen Bereich, die Politik, eingearbeitet. Damit hatte ich bis dahin nur am Rande zu tun. Das war ein Thema, das mich aber sehr interessierte und das ich unglaublich spannend fand, weil ich gemerkt habe, dass man da mitgestalten kann, Dinge bewegen kann, Verhältnisse ändern kann und für Patienten, für Wissenschaft und Forschung einiges erreichen kann und, dass das ein ganz wichtiger Bestandteil der Arbeit ist. Daran habe ich große Freude gefunden.

Und ich habe mich in all die Facetten einer Fachgesellschaft einarbeiten können, habe die Zertifizierung kennengelernt, die Kongresse hinter den Kulissen – was darin für eine intensive Arbeit steckt, was da bedacht werden muss –, oder auch die Weiterbildung, die intensive Arbeit der Leitlinien-Erstellung. Das waren für mich neue Themen und es war eine sehr spannende, lehrreiche Zeit, die mich wirklich in den Bann gezogen und noch tiefer in die Diabetologie reingezogen hat.


„Das hat uns veranlasst, zu sagen: In einem Bündnis sind wir viel stärker, als wenn jede einzelne Fachgesellschaft sich für Prävention einsetzt. So haben wir die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten gegründet, kurz DANK.“


DA: Wie kam es dann, dass Sie Geschäftsführerin wurden?

Barbara Bitzer: Eingestellt hatte mich Dr. Dietrich Garlichs, mein Vorgänger. Wir haben sehr gut zusammengearbeitet. Dann kristallisierte sich heraus, dass er bald in den Ruhestand gehen würde und eine Nachfolge suchte. Ich dachte, das würde mich auch interessieren, in der DDG noch eine andere Position einzunehmen und noch enger den Vorstand begleiten zu dürfen und die Themen voranzutreiben.

Geschäftsführer und Vorstand förderten mich von Anfang an unglaublich – ich wurde vorbereitet auf diese Tätigkeit. Man zeigte und erklärte mir alle Schritte und Details und nahm mich mit zu politischen Terminen. So war das über längere Hand vorbereitet und ging nahtlos ineinander über. Das war eine großartige Erfahrung, wie gut es geklappt hat und wie wohlwollend ich vom Vorstand aufgenommen wurde.

DA: Sie sind dann auch weitere Schritte gegangen, Sie sind nämlich auch Sprecherin der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten, kurz DANK. Was ist das für eine Organisation?

Barbara Bitzer: DANK ist ein Wissenschaftsbündnis, das sich für Prävention einsetzt. Es wurde von der DDG vor über 15 Jahren gegründet und war ein Zusammenschluss von einer Handvoll Organisationen und Fachgesellschaften, die alle für das Thema Prävention brannten – nicht nur für die Prävention des Diabetes, sondern für alle nicht übertragbaren Krankheiten.

Denn wir haben festgestellt, dass Prävention von Diabetes auch Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und von bestimmten Krebs- oder Lungenerkrankungen ist – also dass die Risikofaktoren für die nicht übertragbaren Krankheiten eigentlich identisch sind. Sie sind oft begründet durch ungesunden Lebensstil, ungesunde Ernährung, zu wenig Bewegung, Tabak- und Alhokolkonsum. Das hat uns veranlasst, zu sagen: In einem Bündnis sind wir viel stärker, als wenn jede einzelne Fachgesellschaft sich für Prävention einsetzt. So haben wir die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten gegründet, kurz DANK. Sie existiert jetzt auch schon über 15 Jahre.

Wir haben uns da auf vier zentrale politische Forderungen geeinigt, die die Weltgesundheitsorganisation schon seit vielen Jahren fordert, die viele Länder auch schon umsetzen, die in Deutschland aber bisher immer vernachlässigt wurden. Das ist zum einen die Zuckersteuer, das sind Werbe-Beschränkungen für ungesunde Lebensmittel, die sich speziell an Kinder richten, oder eine verbindliche Stunde Sport und Bewegung in Kita und Schule pro Tag und verbindliche Standards für die Kita- und Schulernährung.

Das sind Hebel, die die Verhältnisse so umgestalten, dass es allen Menschen leichter gemacht wird, sich gesund zu ernähren, mehr zu bewegen und einen gesunden Lebensstil zu pflegen. Und es sind Hebel, die alle Menschen, egal ob arm oder reich, gebildet oder weniger gebildet, in Deutschland erreichen. Dafür setzen wir uns inzwischen mit 24 Fachgesellschaften und Organisationen ein, dass diese Maßnahmen auch in Deutschland Gehör und Einzug finden.

DA: Wenn wir über die Prävention des Diabetes sprechen, sprechen wir über Typ-2-Diabetes, um das zu konkretisieren?

Barbara Bitzer: Ja, bei der Verhältnisprävention sprechen wir über Typ-2-Diabetes, der häufig mit ungesundem Lebensstil assoziiert ist oder der ein großer Risikofaktor für die Entstehung ist. Das Thema Prävention von Typ-1-Diabetes treibt die Fachgesellschaft natürlich auch um. Das sind natürlich andere Bereiche, wenn es um Antikörper-Screening geht oder um die Behandlung mit einem Antikörper. Das ist aber nicht Aufgabe von DANK, aber natürlich Aufgabe einer Fachgesellschaft, sich auch zu solchen Themen zu positionieren.

DA: Ihre Arbeiten bei der DDG und bei DANK erfordern beide viel Arbeit. Gibt es Tätigkeiten, die sich überschneiden, die sich ergänzen?

Barbara Bitzer: Ja, natürlich, da gibt es eine große Schnittmenge. Ich sagte ja bereits: Unser Claim ist „Diabetes erforschen, behandeln, verhindern“. Dieses Verhindern bezieht sich auf Prävention. Und diese Maßnahmen der Prävention, die ich gerade genannt habe, die zahlen sich natürlich auch für den Diabetes aus. Wir sehen, dass in Deutschland ungefähr 10 Millionen Menschen mit einem Typ-2-Diabetes leben. Diese Zahl wird weiter steigen und es liegt auf der Hand, dass mehr für Prävention getan werden muss. Es muss idealerweise verhindert werden, dass immer mehr Menschen erkranken. Und da gibt es natürlich eine ganz große Schnittmenge.

DA: Gibt es andere Themen, die aktuell brennend sind in diesen beiden Organisationen?

Barbara Bitzer: Prävention ist ein wichtiger Bereich, aber natürlich nur ein Thema von vielen. Wir engagieren uns natürlich auch im Bereich der Forschung und arbeiten da sehr eng mit dem DZD zusammen, dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung. Wir möchten dafür sorgen, dass Forschung schnell aus dem Labor auch bei Patienten ankommt, dass das spürbar in der Versorgung wird. Da ist diese Zusammenarbeit ganz wichtig. Und in der Versorgung sind wir natürlich auch sehr engagiert. Es ist uns wichtig, dass die Patienten heute gut versorgt sind, aber das auch in Zukunft bleiben.

Da gibt es viele Themen wie die Krankenhausreform oder, wie es jetzt heißt, das KHAG, das Krankenhausanpassungsgesetz. Wir setzen uns seit vielen Monaten dafür ein, dass die Diabetologie im Krankenhaus weiterhin abgebildet ist, dass Fachkompetenz in den Krankenhäusern erhalten bleibt, sodass Menschen, die entweder wegen eines Diabetes oder auch mit einem Diabetes und einer anderen Erkrankung in ein Krankenhaus kommen, weiterhin gut versorgt werden.

Dafür ist viel Arbeit notwendig: viele Gespräche mit der Politik, viele Stellungnahmen und ein intensiver Austausch mit anderen Fachgesellschaften. Auch die Digitalisierung schreitet natürlich voran. Wir setzen uns sehr dafür ein und liefern auch viel Input für ein digitales DMP. Das soll nicht einfach ein DMP sein, das digital übersetzt und angekoppelt wird an das Papierformat, sondern es soll tatsächlich digital gedacht werden, sektorenübergreifende Versorgung berücksichtigen und möglichst innovativ und für den Patienten gewinnbringend gestaltet werden.


„Für die Politik ist es enorm wichtig, dass nicht nur die Wissenschaft ihre Stimme erhebt, sondern dass auch die Patienten zeigen, wie viele sie sind, wie bedeutend die Erkrankung ist und wo es Handlungsbedarf gibt. Deswegen machen wir vieles im Schulterschluss mit diabetesDE. “


Dann ist uns natürlich die Patientenstimme ganz wichtig. Hier arbeiten wir ganz eng mit diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe zusammen, die uns ein ganz wichtiger Partner sind. Denn für die Politik ist es enorm wichtig, dass nicht nur die Wissenschaft ihre Stimme erhebt, sondern dass auch die Patienten zeigen, wie viele sie sind, wie bedeutend die Erkrankung ist und wo es Handlungsbedarf gibt. Deswegen machen wir vieles im Schulterschluss mit diabetesDE.

Ein wichtiges Thema ist da auch, dass Patienten mit Diabetes nicht stigmatisiert werden. Ganz im Gegenteil: Menschen mit Diabetes können alles schaffen, alle Berufe ergreifen, sogar Polizist oder Pilot werden. Wir wollen mit unserer Arbeit auch Vorurteile abbauen. Da unterstützen wir zum Beispiel mit Positionspapieren unseres Ausschusses Soziales.

Oder wir setzen uns dafür ein, dass das Thema Frauengesundheit in den Vordergrund gerückt wird. Das ist ein Anliegen unserer aktuellen Präsidentin, denn Frauen sind oft in bestimmten Lebensphasen von einem Diabetes betroffen, kümmern sich aber auch um Angehörige und Kinder, die eventuell auch einen Diabetes haben, und müssen noch einen Beruf stemmen. Das sind Themen, die uns auch wichtig sind und die angegangen werden.

DA: Sie haben jetzt beim Berichten über die wichtigen Themen viele Menschen und andere Gruppierungen genannt. Sie selbst sind in der DDG auch ein großes Team, sowohl in der Geschäftsstelle als auch im Vorstand. Was macht für Sie gute Teamarbeit aus?

Barbara Bitzer: Ich glaube, das ist einerseits die Leidenschaft für das Thema Diabetes, die Leidenschaft für die DDG und auch gegenseitiges Vertrauen und Wertschätzung. Das sind für mich die Kernpunkte, die die gute Zusammenarbeit und vielleicht auch den Erfolg der Fachgesellschaft ausmachen. Das sehe ich sowohl im Vorstand als auch bei uns in der Geschäftsstelle.

Wir sind im Vorstand zehn ehrenamtliche Mitglieder und in der Geschäftsstelle aktuell 16 Kolleginnen und Kollegen, die vertrauensvoll und eng zusammenarbeiten. Und das muss ich wirklich sagen: Seitens des Vorstands kommt sehr viel Wertschätzung und auch Vertrauen in die Arbeit der Geschäftsstelle. Wir haben sehr viele Kompetenzen, die den Vorstand begleiten und unterstützen bei den Projekten.

Und die Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen in der Geschäftsstelle ist eine Freude, weil hier einerseits Kompetenz vorhanden ist, aber auch eine Begeisterung für die Themen und eine hohe Identifikation mit der Fachgesellschaft. Das ist wirklich toll und macht einen Riesenspaß. Ohne dieses Team wäre die DDG nicht das, was sie heute ist.

DA: Kleiner Sprung… Sie haben selbst immer wieder schon am 5-Kilometer-Lauf beim Diabetes Kongress teilgenommen. Auch ihre Töchter habe ich da schon gesehen. Was bedeutet Ihnen Bewegung und insgesamt eine gesunde Lebensweise im Alltag persönlich?

Barbara Bitzer: Das bedeutet mir sehr viel. Ich bin ein Mensch, der in seinem Leben viel Sport gemacht hat, und das ist mir auch ganz wichtig. Gerade als Ausgleich für die Büroarbeit brauche ich das auch. Früher habe ich sehr viel und engagiert Tennis gespielt. Jetzt habe ich zunehmend Verletzungen und Gelenkprobleme, sodass ich auf andere Sportarten umgestiegen bin. Ich fahre sehr viel Fahrrad oder gehe schwimmen. Die Zeit ist natürlich begrenzt. Deswegen versuche ich, das auch immer in meinen Alltag einzubauen, indem ich zum Beispiel mit dem Fahrrad zur Arbeit fahre. Das sind dann am Tag 30 Kilometer.

DA: Welche Wege der Entspannung nutzen Sie außerdem neben der vielen Bewegung?

Barbara Bitzer: Ich habe vier Kinder, die fordern natürlich auch ihre Zeit. Aber das ist auch meine Freude und auch in gewisser Weise meine Entspannung, dass wir viel als Familie machen, gemeinsam auch viel Fahrrad fahren oder reisen und Zeit miteinander verbringen. Aber ich gehe auch gern mal aus, probiere neue Restaurants aus oder bin auch gern einfach mal zu Hause mit einem guten Buch oder arbeite im Garten.

DA: Wenn Sie an die nächsten Jahre denken, was möchten Sie für die Diabetologie, aber auch die Menschen mit Diabetes auf jeden Fall erreichen?

Barbara Bitzer: Einerseits wünsche ich mir natürlich, dass die Forschung so rasant weitergeht, wie wir das jetzt gerade erleben. Wenn man sich im Bereich Typ-1-Diabetes die aktuellen technischen Entwicklungen anschaut, zeigt sich eine unglaubliche Dynamik: Systeme, die sich völlig selbstständig steuern und das Leben somit leichter machen können. Oder dass es mal Möglichkeiten zur Heilung in ferner Zukunft gibt, würde ich mir wünschen. Bei Typ-2-Diabetes sehen wir ebenso einen rasanten Fortschritt – beispielsweise bei der Entwicklung neuer Medikamente. Ich wünsche mir, dass das weitergeht.

Ich wünsche mir, dass Patienten auch in Zukunft in Kliniken sehr gut versorgt werden, dass die Qualitätsstandards in den Kliniken und Praxen aufrechterhalten werden. Wir möchten dazu gern beitragen mit unseren verschiedenen Zertifikaten, zum Beispiel mit dem Zertifikat „Klinik mit Diabetes im Blick DDG“, das dafür sorgen soll, dass in der Breite eine gewisse Minimalqualität erhalten bleibt, damit Menschen, die nicht wegen ihres Diabetes in die Klinik kommen, sicher sein können, dass ihre Erkrankung gut versorgt wird.

Ich wünsche mir auch, dass das Thema noch mehr in der Politik ankommt, dass Diabetes ernst genommen wird, dass man sieht, dass damit sehr viel Leid verbunden ist, aber auch sehr hohe Kosten. Und dass man wirklich den Mut hat, die richtigen Maßnahmen zu verabschieden, ob in der Prävention oder in der Versorgung. Und ich wünsche mir, dass Menschen mit Diabetes selbstbewusst durch ihr Leben gehen und sich nicht einschränken lassen, egal ob Typ 1 oder Typ 2, sich nicht kleinmachen, sondern die Gewissheit haben: Ich kann alles schaffen, wenn ich das will, ich kann jeden Beruf ausüben, den ich will, ich kann mein Leben selbstbestimmt und aktiv leben, so wie ich es gestalten möchte – und sich nichts anderes sagen lassen und nicht unterkriegen lassen.

DA: Herzlichen Dank, Frau Bitzer!


Interview: Dr. med. Katrin Kraatz

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