- Soziales und Recht
DDG: „Plumper Versuch der Einflussnahme“
2 Minuten
In einem Info-Brief an die Mitglieder des Deutschen Bundestages schreibt die deutsche Zuckerindustrie, dass Zuckerkonsum kein Risikofaktor für Diabetes Typ 2 sei. Die DDG betrachtet diese Aktion als unseriös und weist die Argumentation als manipulativ und plump zurück.
Die deutsche Zuckerindustrie hat sich in der letzten Woche mit einem Info-Brief an die Mitglieder des Bundestagsausschusses für Gesundheit gewandt. Darin beruft sich die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) unter anderem auf Ernährungsempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und kommt zu dem Schluss, dass Zuckerkonsum kein Risikofaktor für Diabetes Typ 2 sei. Die DDG betrachtet diese Aktion als unseriös und weist die Argumentation als manipulativ und plump zurück.
Manipulative Argumentation
In ihrem Info-Brief stellt die WVZ zunächst richtigerweise fest, dass Übergewicht ein Risikofaktor für die Entstehung von Diabetes Typ 2 sei. Aber, so schreibt der Verband weiter: „Zucker macht nicht dick.“ Für die Entstehung von Übergewicht sei nicht eine einzelne Zutat, sondern die Energiebilanz entscheidend. Deshalb lautet das Fazit aus Sicht der WVZ: Zuckerkonsum ist kein Risikofaktor für Diabetes.
Entscheidende Zusammenhänge bewusst ausgespart
„Diese Argumentation ist unseriös, weil sie entscheidende Zusammenhänge bewusst ausspart“, sagt Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Selbstverständlich sei gegen den maßvollen Konsum von Zucker nichts einzuwenden. „Darum geht es in der aktuellen Debatte auch gar nicht“, betont Gallwitz. „Das Problem ist jedoch unsere heutige Ernährungsweise mit einer Vielzahl industriell erzeugter Lebensmittel, die ein Übermaß an Zucker, Fett und Salz enthalten und damit zu viele Kalorien.“
Und diese Ernährungsweise mit hochkalorischen Produkten führt dazu, dass inzwischen über die Hälfte der Deutschen übergewichtig ist, was zu Diabetes und vielen anderen Krankheiten führen kann. Insofern ist der weltweit viel zu hohe Zuckerverbrauch gesundheitsschädlich und muss dringend zurückgeführt werden.
Zuckerverbrauch viermal so hoch wie neue WHO-Empfehlung
„Wenn es der Zuckerindustrie um eine seriöse Information gegangen wäre, hätte sie die Politiker auf diesen Missstand hingewiesen, anstatt die DDG Empfehlungen manipulativ einzusetzen“, sagt Dr. Dietrich Garlichs, Geschäftsführer der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Denn nach der einschlägigen WHO Leitlinie sollte der Zuckerverbrauch nicht mehr als zehn Prozent der täglichen Gesamtenergieaufnahme ausmachen.
Noch besser sei es, wenn der tägliche Zuckerverbrauch auf fünf Prozent reduziert werde (WHO Guideline; Sugars intake for adults and children, 2015. Entsprechende Empfehlungen hatte die WHO auch schon 2002 veröffentlicht). Zehn Prozent der Energieaufnahme für Erwachsene wären etwa 50 Gramm Zucker. Tatsächlich aber verzehrt jeder Deutsche im Durchschnitt etwa das Doppelte an Zucker.
Versuche der Einflussnahme bereits in der Vergangenheit
Mit dem Info-Brief knüpft die WVZ an ähnliche Strategien der Tabakindustrie an, die jahrzehntelang erfolgreich versuchte, von den gesundheitlichen Folgen des Rauchens abzulenken. Auch die Lebensmittelindustrie hat in den zurückliegenden Jahrzehnten weltweit immer wieder versucht, mit zweifelhaften Methoden Teile der Politik und Wissenschaft in ihrem Sinne zu beeinflussen.
Ärzte der University of California zeichneten jüngst in der Fachzeitschrift PLOS Medicine nach, wie die Zuckerindustrie in den USA seit den 70er Jahren erfolgreich daran arbeitete, die schädlichen Folgen von gesüßten Getränken und Speisen auf die Zahngesundheit zu verschleiern. Und die New York Times berichtete kürzlich, dass Coca-Cola Wissenschaftlern 1,5 Millionen Dollar zahlte, damit sie mangelnde Bewegung als den wahren Dickmacher identifizierten – und gleichzeitig die Bedeutung gesüßter Softdrinks relativierten.
„Wir gehen davon aus, dass die Gesundheitspolitiker diesen Info-Brief als das einstufen, was er ist: als einen plumpen Versuch der wirtschaftlichen Interessenvertretung, und nicht als einen serösen Beitrag zur Gesundheitsförderung“, so Gallwitz.
Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
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