- Aus der Community
Diabetes ist nur so sichtbar wie wir es zulassen – Büro-Story
3 Minuten

Achtung unpopular Opinion: ich glaube, wir Menschen mit Diabetes tragen eine Mitschuld an dem Unwissen der anderen. An den Fragen “Nimmst du bei Unterzucker Insulin?”, “Hast du den guten oder den schlechten Typ?”, und der Aussage “Diabetes ist nicht so schlimm”. Gewagt, ich weiß. Ich bringe aber Argumente mit.
10 Uhr, Teammeeting bei der Arbeit. Gerade suchen sich alle einen Platz, bevor das Meeting losgeht. Pumpe vibriert: 210 mg/dl mit 2 Pfeilen nach oben. Korrektur 1 folgt. Der Chef steht auf und beginnt seine Ansprache mit diversen Powerpoint-Slides. Erste Stunde ist rum, Sensor zeigt 230 mg/dl mit einem Pfeil nach oben. Zeit für Korrektur 2. Zwei 0,3 L Flaschen Wasser sind bereits leer. Ich greife lieber nicht zur dritten, sonst muss ich gleich noch aufstehen und zur Toilette.
Alarm!
11:15 Uhr, dieser Wert will einfach nicht runter. Bolus Nummer 3 folgt. Noch 45 Minuten, dann kann ich zur Toilette. Jetzt sollen wir auch noch alle aufstehen und begutachten, was die Kollegin auf ihrem Laptop vorbereitet hat. Ich steh auf, die Blase schreit “ALARM”, die Pumpe macht im Chor mit und ich nutze den Aufsteh-Aufruhr, um kurz im Bad zu verschwinden. Der Blutzucker ist soweit stabil, allerdings immer noch auf 230 mg/dl. Okay, nur noch 20 Minuten
bis zur Mittagspause, ich spritze einfach schon mal fürs Essen.
11:55 Uhr, schon wieder die Pumpe, die sich meldet. 120 mg/dl, drei Pfeile nach unten und die Debatte von den zwei Arbeitskollegen nimmt kein Ende. Mist. Thomas hat gerade den letzten Saft auf dem Tisch leer gemacht. Steh ich schon wieder auf? Alle schauen gespannt auf das Gespräch. Äh warte, alle schauen mich an. “Michelle, was denkst du?”. Okay, Michelle, Fokus. Mach es wie die Politiker. “Ich denke, beide haben valide Argumente. Wie siehst du das?”. Falsche Antwort. Ich bin eigentlich sehr entscheidungsfreudig. Aber erklär ich dem Team jetzt, dass mich mein Diabetes abgelenkt hat? Ist das professionell?
12:20 Uhr, 70 mg/dl mit 2 Pfeilen nach unten. Ich war heute eh nicht wirklich hilfreich, dann kann ich jetzt auch nochmal verschwinden. Mir ist eh schon super warm. Zieht ihren Pulli aus. Kollegin, die immer friert “Michelle, woher nimmst du immer diese Hitze?” Alle Blicke wieder auf mich. Lieb’s. Schiefes Lächeln aufsetzen, nichts wie raus aus dem Zimmer und etwas für den Unterzucker suchen. Und bloß nicht zu viel nehmen diesmal!
“Michelle, wieso bestellst du nicht mit?”
13 Uhr, Meeting vorbei, Wert wieder stabiler. Heute ist Döner Tag. Habe mich den ganzen Tag darauf gefreut, durch die Zucker-Aktion aber gerade schon 50g Kohlenhydrate zu mir genommen. Bestelle dann lieber nur einen Salat. Gleiche Kollegin: “Michelle, wieso bestellst du nicht mit? Bist du wieder auf deinem Fitnesstrip?” Option A) Lächeln und ignorieren. Option B) Aufklären. Nehmen wir mal B). […] “Oh wirklich, das hab ich gar nicht bemerkt!” Ganz ehrlich, wie auch?

Wenn ich in jeder Lebenslage möglichst “normal” sein möchte und nicht auffallen, dann werde ich auch als normal wahrgenommen und falle nicht auf. Dann wissen die Arbeitskollegen aber auch nicht, was bei mir alles neben dem Meeting passiert und wie viele Entscheidungen ich parallel für mein Diabetesmanagement treffen muss. Der
zusätzliche Stress durch den Versuch, unauffällig zu bleiben, macht das Ganze nicht besser.
Mein Körper, dadurch noch insulinresistenter als eh schon. Nehm ich aber hin, um unter gar keinen Umständen als hilfebedürftig rüberzukommen. Selbst schuld. Dann erwarte auch nicht, dass die Menschen um dich rum wissen, was durch den Diabetes alles passiert, wenn du es ihnen nicht zeigst.
Wie macht ihr das? Geht ihr immer offen mit dem Diabetes um? Schreibt Michelle gerne in die Kommentare!
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thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 2 Tagen
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]






Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße