Diabetes und Arbeitswelt: Viel erreicht, viel zu tun

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Diabetes und Arbeitswelt: Viel erreicht, viel zu tun

Bei immer mehr Menschen im berufsfähigen Alter wird Typ-2-Diabetes dia­gnostiziert. Wie man in der Arbeitswelt dem Diabetes besser begegnen kann, wurde am Vorabend des Weltdiabetestages 2019 in Berlin diskutiert – bei ­einem Parlamentarischen Abend der Initiative „Diabetes@Work“. Im „F.A.Z. ­Atrium“ wurde eine neue Checkliste vorgestellt, es ging um die Nationale Dia­betes-Strategie, und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach sich gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz aus.

Zur Eröffnung des Abends umriss Dr. Gerd Kräh von Lilly Deutschland das Thema: den deutlichen Anstieg des Typ-2-Diabetes vor allem bei jüngeren Menschen – wenn die Betroffenen noch im Arbeitsleben stehen. Die im Koalitionsvertrag verankerte Nationale Diabetes-Strategie werde angesichts der zunehmenden Zahlen umso wichtiger, „jetzt gilt es, gezielte Maßnahmen auch in die Tat umzusetzen“.

Dies stellte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Aussicht, „deswegen unterstütze ich die Nationale Diabetes-Strategie“, sagte er (siehe „Gesundheitspolitik“): „Die Gefahr, an Diabetes zu erkranken, wird viel zu häufig unterschätzt. Unser Ziel ist es daher, vor allem die Prävention zu stärken und hierfür eine Kommunikationsstrategie für bessere Aufklärung zu entwickeln.“
Der Minister bedankte sich für das Engagement der Initiative Diabetes@Work.

In der Arbeitswelt wird vor allem der Typ-2-Diabetes eine immer größere Herausforderung, denn bei immer mehr Menschen im berufsfähigen Alter wird Diabetes diagnostiziert. Die Initiative Diabetes@Work geht u. a. der Frage nach, wie sich Betriebe heute für die Gesundheit der eigenen Belegschaft engagieren. Diabetes@Work diskutiert diese Fragen seit 2014 bei Unternehmensbesuchen und im Dialog mit Bundes- und Landespolitikern, Gewerkschaften, Krankenkassen und Fachgesellschaften.

Partner der Initiative sind bisher die Industriegewerkschaft IG BCE Hessen-Thüringen, der BKK Dachverband, der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) und das forschende Pharmaunternehmen Lilly Deutschland.

Im Interview mit Moderator Robert Hübner (Hessischer Rundfunk) zum Thema Diskriminierung von Menschen mit Diabetes am Arbeitsplatz sagte Spahn, es gehe weniger darum, hier das Strafgesetz zu verschärfen:

Spahn: öfter über Diabetes reden

„In dem Moment, wo Sie anfangen, alles als Diskriminierungs-Tatbestände zu normieren, haben Sie die gesellschaftliche Debatte eigentlich schon aufgegeben.“ Ja, der Diabetes zähle zu den Krankheiten, über die es besonders schwerfalle, offen zu reden – „weil sie verbunden sind mit Vorwürfen wie selber schuld“. Spahn sieht hier eine eher gesellschaftliche Aufgabe: Es müsse viel öfter über Diabetes geredet werden.

Dies griff Initiative-Partner Franz Knieps (Vorstand BKK Dachverband) direkt auf: „Ich habe kein Problem damit zu sagen: Ich bin Diabetiker. Ich bin insulinpflichtig.“ Er habe dies auch offenbart in seinen Bewerbungsgesprächen um den Vorstandsposten beim BKK Dachverband.

Arbeitsplatz: neue Diabetes-Checkliste

Ein praxisorientiertes Instrument für die Arbeitswelt hat Diabetes@Work verwirklicht: die Checkliste für Betriebsärzte und Diabetologen für eine an den Arbeitsplatz angepasste Diabetes-Therapie. Diese Checkliste, so die Initiatoren, „soll den Austausch zwischen Betriebsärzten und behandelnden Diabetologen (bzw. Hausärzten) über die arbeitsplatzspezifischen Anforderungen des Diabetes-Patienten erleichtern.

Sie kann die behandelnden Ärzte dabei unterstützen, die Diabetes-Therapie an die individuellen Bedingungen des Arbeitsplatzes anzupassen, um die Beschäftigungsfähigkeit des Diabetes-Patienten zu erhalten“, heißt es. Erarbeitet hat die Liste ­Diabetes@Work in Kooperation mit Dr. Kurt Rinnert (Köln), Dr. Nikolaus Scheper (Bundesverband Niedergelassener Diabetologen) und Dr. Harmen Eilers (Salzgitter)

Weiter für gute Rahmenbedingungen

Ein wichtiger Schritt, meint der Präsident des Verbands Deutscher Betriebs- und Werks­ärzte Dr. Wolfgang Panter. „Wir brauchen ganzheitliche Ansätze und Lösungen. Die Zeiten von starren Sektorengrenzen und Zuständigkeiten sind vorbei. In dem Sinne sind die Kompetenzen der Betriebsärzte stärker einzubeziehen. Denn sie wissen um die Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz und können die behandelnden Ärzte unterstützen.“

Viel erreicht, aber noch viel zu tun, fasste Dr. Kräh die Veranstaltung zusammen. Auch in den nächsten Jahren wird sich Diabetes@Work nach eigener Aussage einsetzen für Austausch und für gute Rahmenbedingungen für Menschen mit Diabetes im Berufsleben.


von Günter Nuber / Diabetes@Work
Kirchheim-Verlag, Wilhelm-Theodor-Römheld-Straße 14, 55130 Mainz,
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90,
E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (2) Seite 10-11

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  • Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 3 Tagen, 9 Stunden

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 3 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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