- Aus der Community
DiaDiscuss: Sind wir wirklich „schwerbehindert“?
3 Minuten

Viele sehen die (gesetzlichen) Vorteile, andere entscheiden sich bewusst gegen einen Behintertenausweis. Dabei spielt vor allem ein Gedanke eine Rolle: Will ich als „behindert“ gelten?
Während ich über einen Ausweis nachgedacht habe, habe ich mich eins gefragt:
BIN ich überhaupt behindert?
Laut dem Sozialgesetzbuch sind Menschen dann behindert wenn „ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist“. (SGB IX §2)
Uff – ein Paradebeispiel für das allseits bekannte Bürokratendeutsch! Den ersten Teil dieses Paragraphen erfüllen Typ-1-Diabetiker ausnahmslos: Schließlich ist unser fauler Kumpel, die Bauchspeicheldrüse, definitiv länger als 6 Monate im Streik und somit ist unsere vollständige „körperliche Funktion“ futsch.
Der zweite Teil ist tatsächlich das, worüber ich mir viele Gedanken gemacht habe:
Bin ich in meinem alltäglichen Leben wirklich so stark beeinträchtigt?
Bin ich darin eingeschränkt, an Aktivitäten, Aktionen und generell am sozialen Leben teilzunehmen? Letztendlich habe ich für mich festgestellt: Ja, ich bin eingeschränkt!
#1 (Nächtliche) Hypos und Hypers
Wer kennt es nicht? Nach einer nächtlichen Hypoglykämie inklusive Fressattacke wacht man morgens total gerädert auf – Hypo-Kater lässt grüßen! Aber auch saftige Hyperglykämien können ganz schön einschränkend sein: Ketone verfrachten einen da schnell mal für Stunden auf die Couch oder der unerklärliche 300er-Wert am Morgen sorgt für eine Mischung aus brodelnder Wut und hoffnungsloser Verzweiflung.
Viele bleiben dann (mehr oder weniger notgedrungen) eher zu Hause, als sich durch ein Familienessen zu quälen oder sich im Club beschallen zu lassen.
#2 Psyche
Wertechaos, Krankenhausaufenthalte, Vorurteile oder gar Diskriminierung: Nicht ohne Grund leiden etwa ein Viertel aller Diabetiker an Depressionen.
Doch auch wer nicht von psychischen (Folge)Erkrankungen durch den Diabetes betroffen ist, kennt sicher Situationen, in denen man sich Zukunftsängsten, scheinbar unüberwindbaren Hindernissen oder einfach dem puren Diabetes-Stress gegenübersieht.
#3 Aufwand
Pen, Messgerät, Teststreifen, Stechhilfe, Ersatzkatheter und Traubenzucker mitnehmen; auf Reisen immer einen großen Vorrat in den Koffer quetschen und an die Kühlung für das Insulin denken; mehrmals täglich messen, Insulindosen berechnen, Katheter wechseln, regelmäßig Arzttermine wahrnehmen… Das alles sind nur einige Dinge, die im täglichen „Aufgabenplan“ eines Typ-1ers stehen. Bei 6-maligem Messen am Tag kommen so pro Jahr mehr als 6 Stunden nur fürs Blutzuckermessen zusammen – und dabei sind weder Tagebuchführen noch Täschchenausmisten oder irgendetwas anderes mit eingerechnet.
Alles in allem kann ich zumindest für mich persönlich sagen: Ja, ich bin eingeschränkter als ein vollkommen Gesunder. Doch vielleicht grade WEIL ich es mir einmal deutlich vor Augen geführt habe, was ein Leben mit Diabetes wirklich bedeutet, bin ich umso beeindruckter von all den Menschen da draußen, die Tag für Tag wieder aufstehen und das Beste aus ihrem Leben machen! Eine dicke DiaBroFist 😉
Ich persönlich habe mich deshalb auch FÜR die Beantragung eines Schwerbehindertenausweises entschieden. Ich empfinde einen solchen Ausweis eher als Honorierung meiner Bemühungen als als eine Stigmatisierung. Außerdem möchte ich die Vorteile des Ausweises nutzen können.
Vorteile des Behindertenausweises
- Steuererleichterungen
- 5 Tage mehr Urlaub
- Erhöhter Kündigungsschutz
- Eventuell bessere Jobchancen (vor allem im öffentlichen Dienst)
- Vergünstigungen (Fernbusse, Freizeitparks, Kino etc.)
- (Je nach Merkzeichen):
- Behindertenparkausweis
- Kostenlose Nutzung von Bus und Bahn
- Kostenloses Mitnehmen einer Begleitperson (Kino, Freizeitpark etc.)
Habt ihr einen Schwerbehindertenausweis? Fühlt ihr euch selbst in eurem Alltag behindert oder findet ihr, ihr seid nicht eingeschränkter als Gesunde?
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Begleit-Erkrankungen
- Ernährung

3 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
thomas55 postete ein Update vor 2 Tagen, 1 Stunde
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 2 Tagen, 19 Stunden
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 3 Tagen
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]









Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße