- Soziales und Recht
Digital- und Daten-Gesetze fürs Gesundheitswesen: Digitale Deutschland-Geschwindigkeit?
3 Minuten

Riesen-Fortschritt, Aufholjagd und, natürlich, eine neue Ära – mit diesen Worten lobten Politiker der Ampelkoalition die Anfang November erstmals im Bundestag beratenen Vorschläge für zwei Digital- und Daten-Gesetze fürs Gesundheitswesen. Die DDG sieht gerade für Menschen mit Diabetes Vorteile.
Die Arbeit am System der Gesundheitsversorgung in Deutschland ist ein wenig so wie der Bau am Kölner Dom: Ein imposantes Konstrukt steht bereits seit Langem und wird auch durchaus von Menschen aus dem In- und Ausland geschätzt und bewundert. Doch es ist immer etwas zu tun, um die Funktion aufrechtzuerhalten und im Idealfall sogar zu verbessern.
Ob die 134. Sitzung des Deutschen Bundestags der laufenden Legislaturperiode bei diesem steten Umbau der gesetzlichen Krankenversicherung in die Geschichte als Meilenstein eingehen wird, bleibt abzuwarten. Anfang Novemberkamen hier gleich zwei Gesetzesvorlagen zur Digitalisierung im Gesundheitswesen zur ersten Lesung. Das Digitale-Versorgung-Gesetz (DigiG) und das Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG) standen auf der Tagesordnung und wurden nach der Debatte wie geplant an den federführenden Gesundheitsausschuss zur weiteren Beratung überwiesen.
Beginn einer „Aufholjagd“?
“Es ist überfällig, dass wir in Bezug auf Datennutzung, dass wir in Bezug auf Digitalisierung mit diesen Gesetzen eine Aufholjagd beginnen!”, warb Dr. Edgar Franke (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Gesundheit, in der Debatte um Zustimmung. Auch für Oppositionspolitiker Dr. Georg Kippels (CDU/CSU) sind Daten der Stoff, aus dem in Zukunft die Gesundheitsversorgung gebaut wird.
Er verwies auf Erfahrungen mit solchen elektronischen Patientenakten in Skandinavien. Eine wichtige sei, dass die Bevölkerung dem System vertrauen muss. Die im Entwurf vorgesehenen unverbindlichen Empfehlungen von Krankenkassen aufgrund der Gesundheitsdaten seien hier befremdlich und lösten bei Patientinnen und Patienten eher Irritationen aus, befürchtet er.
Das DigiG soll bei der elektronischen Patientenakte (ePA) mit einer “Opt-out-Regelung” für Schub sorgen. Jeder, der nicht aktiv der elektronischen Akte widerspricht, erhält sie damit eingerichtet, Anfang 2025soll das geschehen. Hintergrund ist, dass alle gesetzlich Versicherten zwar seit dem 1. Januar 2021 von ihrer Krankenkasse eine ePA erhalten können, bislang jedoch nur weniger als ein Prozent dieses Angebot nutzen.
Als Gründe werden lückenhafte Informationen und die aufwendige Registrierung und Anwendung vermutet. Das elektronische Rezept (E-Rezept) soll laut Gesetzentwurf zum DigiG schon 2024 verbindlich werden und die Nutzung über eine ePA-App stark vereinfacht möglich sein.
DDG verweist auf Vorteile der ePA
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) wies anlässlich der Debatte im Bundestag darauf hin, dass eine ePA gerade für Menschen mit Diabetes Vorteile habe: Bei einem Arztwechsel, einer Überweisung in eine Klinik oder auch im Notfallseien alle notwendigen Daten inklusive des Medikationsplans sofort verfügbar.
“Das spart wertvolle Ressourcen für doppelte Anamnese und Diagnostik und schafft uns mehr Behandlungszeit für die Patientinnen und Patienten”, erläutert Dr. Tobias Wiesner, Vorstandsmitglied der DDG und niedergelassener Diabetologe in Leipzig. “Dies trägt wesentlich zur Patientensicherheit bei, da sich das medizinische Personal stärker auf die ganzheitliche und individuelle Behandlung konzentrieren kann.”
Das DigiG eröffne neue Perspektiven für die Versorgung: “Niedergelassene Ärzte können wichtige Gesundheitsanwendungen auf Rezeptverordnen, Video-Sprechstunden für ihre Patienten anbieten und auch auf ihrer Website darauf hinweisen”, so Wiesner. Die bisherigen Mengenbeschränkungen bei Video-Sprechstunden sollen gestrichen werden, bei den digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) soll der Leistungsanspruch auf digitale Medizinprodukte höherer Risikoklassen ausgeweitet werden, um beispielsweise auch telemedizinisches Monitoring zu ermöglichen.
Auch Papier und Fax könnten mit dem DigiG der Vergangenheit angehören. “Neben der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und dem E-Rezept können wir auch Heil- und Hilfsmittel oder häusliche Krankenpflege elektronisch verordnen.” Damit werde die zeitaufwendige, aber wichtige Dokumentation erleichtert. Für Wiesner auch ein Punkt, von dem die individuelle Versorgung erheblich profitieren wird.
Die Linke fordern Opt-in für Dritte
Das Ziel des DigiG ist eine vollumfängliche, weitgehend automatisiert laufende Befüllung der ePA mit strukturierten Daten. Der erste Anwendungsfall sei der digital gestützte Medikationsprozess. Als nächste Anwendungen sollen die elektronische Patientenkurzakte (ePKA) und die Labordatenbefunde folgen.
Der Entwurf des GDNG zielt darauf ab, Gesundheitsdaten für gemeinwohlorientierte Zwecke leichter und schneller nutzbar zu machen. Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenkassen sollen breiter und schneller nutzbar gemacht werden. Für die anonymisierte Datenfreigabe aus der elektronischen Patientenakte zu Forschungszwecken ist in dem Gesetzentwurf ebenfalls ein Widerspruchsverfahren vorgesehen.
Ein Widerspruch kam noch im Bundestag von der Fraktion der Linken. In einem eigenen Antrag zu den beiden Digital-Gesetzen verlangte sie als “Service-Opposition”, so deren Abgeordnete Kathrin Vogler. Lese- und Schreibrechte an Dritte müssten demnach immer aktiv gegeben werden – nicht über ein Opt-out.
von Marcus Sefrin
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2023; 72 (12) Seite 46-47
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Eltern und Kind

3 Minuten
- Aus der Community

2 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 2 Wochen
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?- ole-t1 antwortete vor 1 Woche, 5 Tagen
Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße
lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 4 Wochen
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]





