E-Health boomt in der Medizin

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© Roche Diabetes Care / Anette Mueck
E-Health boomt in der Medizin

IT-Experten handeln die Digitalisierung des Gesundheitssektors (kurz: E-Health) weltweit als einen der chancenreichsten Märkte. Auch Diabetologen müssen die digitale Revolution in der Versorgung auf dem Schirm haben, wie der Diabetes Mediendialog 2016 von Roche Diabetes Care Deutschland zeigte.

Die elektronische Dokumentation von Diabetesdaten spart Patienten und Ärzten heute schon jede Menge Zeit im täglichen Diabetesmanagement. Auch Kinder mit Diabetes und deren Eltern sind froh, wenn durch digitale Lösungen nervenaufreibende Hürden für die Betreuung in Schule und Kindergarten genommen werden können.

Doch klar geregelt ist der digitale Gesundheitsmarkt nicht – seit Jahren wird z. B. über die elektronische Gesundheitskarte diskutiert, deren flächendeckende Einführung immer noch nicht zu sehen ist. Auch der unkomplizierte Datenaustausch zwischen Ärzten, Apotheken, Krankenhäusern und Krankenkassen läuft alles andere als reibungslos. Dies soll nun das neue E-Health-Gesetz ändern, für das seit Dezember 2015 ein Entwurf vorliegt und das in Kürze in Kraft tritt.

Gesetzlicher Fahrplan für die Digitalisierung des Gesundheitsmarkts

Dieses “Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen” soll den “Fortschritt im Gesundheitswesen” vorantreiben, so Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, für den dabei “Patientennutzen und Datenschutz im Mittelpunkt” stehen. Kernstück des E-Health-Gesetzes ist die Einführung einer “digitalen Datenautobahn”, der Telematik-Infrastruktur (“Telematik” setzt sich aus den Begriffen “Telekommunikation” und “Informatik” zusammen).

Sie ist quasi der konkrete Fahrplan für die Digitalisierung des Gesundheitsmarkts: Die unterschiedlichen IT-Systeme von Arztpraxen, Apotheken, Krankenhäusern und Krankenkassen werden nach und nach für den Austausch medizinischer Daten vernetzt. Mit diesen “Datenautobahnen” sollen Informationen über Patienten schnell und unkompliziert miteinander verknüpft werden.

Diabetesversorgung wird immer digitaler

Blutzuckermessgeräte, die digital ausgelesen werden können, Gesundheitsdaten, die der Patient binnen weniger Sekunden per App verschicken kann: Die Digitalisierung ist längst in der Medizin angekommen, auch in der Versorgung von Menschen mit Diabetes. Welche Chancen und Risiken in diesem Megatrend stecken, diskutierten Experten beim Diabetes Mediendialog 2016, den Roche Diabetes Care Deutschland im März veranstaltet hat.

Der Zukunftsforscher Dr. Eike Wenzel aus Heidelberg geht davon aus, dass sich die medizinische Versorgung durch die Digitalisierung in den nächsten Jahren dramatisch verändern wird. So nehmen schon heute Roboter manche Operationen vor und nierenkranke Patienten z. B., die zu Hause dialysieren, können mit ihrem Arzt elektronisch vernetzt werden.

“E-Health bietet mehr Chancen als Risiken”, betonte Tino Sorge beim Diabetes Mediendialog 2016. Als Mitglied im Gesundheitsausschuss und im Verkehrsausschuss des Bundestages ist er mit den Rahmenbedingungen für diese neuen Technologien beschäftigt. Gerade der Datenschutz sei vielfach ein großes Problem bei der Umsetzung der personalisierten Medizin durch digitale Technologien.

Verbesserung der Versorgung in schwach besiedelten Gebieten

Eine klare Verbesserung durch Vernetzung und telemedizinische Lösungen sieht er bei der Versorgung in schwach besiedelten Gebieten. Mittels der modernen Technik seien eine schnellere Kontaktaufnahme zum Patienten und genauere Diagnosen möglich. Fehlbehandlungen könnten vermieden und eine gute Betreuung des Patienten zu Hause möglich gemacht werden. “Mit dem E-Health-Gesetz geben wir den Startschuss für die digitale Vernetzung unseres Gesundheitswesens”, betonte er. Noch sei ihm allerdings nicht klar, wie man das Ganze umsetzen soll – ihm fehle die Praxisrelevanz in vielen Punkten, kritisierte er.

Bis heute habe die Bundesregierung mehr als 50 Mrd. Euro in Schlüsseltechnologien im Gesundheitsbereich gesteckt. Weitere Anwendungsoptionen der Zukunft sind die Einführung eines Medikationsplans, des E-Organspendeausweises und des elektronischen Impfpasses. “Darum geht es uns in der Politik: Daten, die sowieso anfallen, aufzubereiten und den Akteuren zur Verfügung zu stellen”, erklärte Sorge. Beim Thema E-Health sollte man aber “nicht mit dem erhobenen Zeigefinger agieren, sondern Dinge in den Alltag integrieren, die für uns alle hilfreich sind”, führte er an.

Mehr Aufmerksamkeit schaffen und die Fachrichtung Diabetologie stärken

Die Digitalisierung der Medizin verlange zudem eine vernünftige Reform des Medizinstudiums, das die Bundesregierung jetzt modernisieren will. Als verantwortlicher Berichterstatter habe er dafür gesorgt, dass der Lehrkatalog um einen Schwerpunkt Diabetes/Adipositas erweitert wird. Sorge: “Wir müssen hier mehr Aufmerksamkeit schaffen und die Fachrichtung Diabetologie stärken.” Für die nationale Diabetesstrategie sind im Bundeshaushalt 2016 übrigens zusätzliche 3 Mio. Euro vorgesehen.

Der Gesundheitspolitiker gab auch noch eine digitale Aussicht für den Diabetesbereich: Vielleicht werde man eines Tages den Blutzuckerspiegel allein “anhand eines Atemzuges” messen können…


von Angela Monecke
Redaktion Diabetes-Journal
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90,
E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (5) Seite 64-65

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  • stephanie-haack postete ein Update vor 1 Woche

    Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 1 Woche

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

  • moira postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen

    Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
    War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?

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