- Soziales und Recht
Ein Meilenstein ist nicht genug
3 Minuten

Menschen mit starkem Übergewicht werden von unserem Gesundheitssystem im Stich gelassen, kritisierte die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) zum Auftakt ihres Kongresses in München. Das soll ein DMP Adipositas beheben – doch das allein wird nicht reichen, betonte die Fachgesellschaft.
Manche Mühlen mahlen langsam. Bis zum Beispiel überkommene Überzeugungen aus dem Alltag verschwunden sind, dauert es oft ernüchternd lange. Das gilt auch für die Medizin, die sich eigentlich mit ständig neuem Wissen auskennt. Und es gilt erst recht für die Politik mit ihren vielschichtigen Abwägungsprozessen.
Ein Paradebeispiel dafür ist die Adipositas. “Die Adipositas-Therapie ist keine Lifestyle-Beratung, sondern die Behandlung einer chronischen Krankheit. Diese Erkenntnis hat sich in der wissenschaftlichen Fachwelt längst durchgesetzt”, erklärte Dr. Christina Holzapfel, Vorstandsmitglied der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) und Tagungspräsidentin des Adipositas-Kongresses 2022. “Dass die Adipositas-Therapie in aller Regel eine freiwillige Leistung der Krankenkassen darstellt, ist weder gerechtfertigt noch zielführend. Die fehlende Sicherheit bei der Kostenübernahme erschwert eine evidenzbasierte Behandlung enorm – vor allem im ambulanten Bereich”, ergänzte Prof. Dr. Hans Hauner, ebenfalls DAG-Vorstandsmitglied und Tagungspräsident des in München abgehaltenen Kongresses. “Betroffene erhalten im Moment zu wenig Unterstützung vom Gesundheitssystem”, kritisierte Michael Wirtz, der seit Jahren in der Selbsthilfe aktiv und Vorstandsmitglied der AdipositasHilfe Deutschland ist. “Oft heißt es beim Hausarzt lapidar: Bewegen Sie sich mehr und essen Sie weniger. Wer glaubt denn ernsthaft, dass jemand mit starkem Übergewicht diesen ‚Rat‘ nicht schon kennt? Wenn es so einfach wäre, wäre nicht jeder vierte Erwachsene von Adipositas betroffen. Wir brauchen Therapie-Angebote, wie es bei anderen chronischen Erkrankungen längst selbstverständlich ist”, so seine Forderung.
Krankheit ja, aber keine Arzneimittel-Therapie
Die Politik erscheint hier leicht schizophren: Einerseits hat der Bundesgesetzgeber die Versorgungslücke erkannt und die Adipositas mit Verabschiedung des Gesetzes zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (GVWG)offiziell als Krankheit anerkannt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) soll nun, so der gesetzliche Auftrag, bis Juli 2023 ein strukturiertes Behandlungsprogramm für Betroffene von Adipositas beschließen. Dass ähnlich wie für andere chronische Krankheiten nun auch für Adipositas ein solches Disease-Management-Programm (DMP) kommen soll, stellt aus Sicht der DAG einen “Meilenstein” dar und könne ein Anstoß sein, die defizitäre Versorgungs-Situation zu verbessern. Allerdings kann ein DMP allein das grundlegende Problem der fehlenden Kostenübernahme nicht lösen. Dazu müssen der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen überarbeitet und die rechtlichen Hürden für die Arzneimittel-Therapie beseitigt werden, erinnert die DAG. Noch schließt § 34 Absatz 1 des SGB V eine Verordnung von Präparaten zur Gewichtsreduktion zulasten der gesetzlichen Krankenkassen explizit aus. In der digitalen Welt ist man da schon weiter: Für geprüfte Smartphone-Apps zur Therapie der Adipositas, die digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGAs), müssen Krankenkassen die Kosten übernehmen.
Grundlagen für DMP Adipositas
Im September hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) den Abschlussbericht seiner Leitlinien-Recherche zur Diagnostik und Behandlung von Adipositas vorgelegt. Dazu war es vom G-BA beauftragt worden. Der Vorgang ist üblich beim Erarbeiten eines DMPs, und tatsächlich haben Fachgesellschaften weltweit schon umfassende Adipositas-Leitlinien erarbeitet, auch wenn in der Breite der Medizin Adipositas als Krankheit immer noch als “Neuland” gesehen wird. Das IQWiG vermeldete denn auch als Erfolg, dass es zu all denjenigen Versorgungsaspekten, die üblicherweise in den Richtlinienvorgaben des G-BA zu DMPs beschrieben werden, in den Leitlinien potenziell DMP-relevante Inhalte identifiziert hat. Ein großer Wermutstropfen dabei: Ausgerechnet die deutsche Leitlinie der DAG wurde bei der Auswertung des IQWiG nicht berücksichtigt. Sie wird derzeit aktualisiert, der Vorgänger stammt aus dem Jahr 2014 und bildet dementsprechend nicht mehr den aktuellen Versorgungsstandard ab, so das Institut.
Ergebnisse seiner Arbeit legt das IQWiG als Vorbericht stets zur Stellungnahme vor. DAG-Präsident Prof. Dr. Jens Aberle mahnte in seinem Kommentar zu den Recherchen, dass aus medizinischer Sicht die Hürden für den Einschluss in ein DMP Adipositas möglichst niedrig sein sollten, um den gesetzlichen Auftrag nicht zu verfehlen, der da lautet, Behandlungsablauf und Qualität der medizinischen Versorgung chronisch Kranker zu verbessern. Medizinisch wird eine Adipositas über den bekannten Body-Mass-Index (BMI) definiert, das IQWiG verweist auf zusätzliche Parameter wie das Edmonton Obesity Staging System (EOSS) aus Kanada. Die Auswirkungen der Einschluss-Kriterien für ein DMP Adipositas sind enorm: Schätzungsweise 17 Millionen Menschen in Deutschland sind nach klassischen Kriterien adipös, so die DAG, doch die allerwenigsten erhielten eine Therapie gemäß medizinischen Empfehlungen. In etwa 9 von 10 Fällen werde die Erkrankung Adipositas nicht einmal diagnostiziert. Positiv betrachtet: Es gibt viel Raum für Verbesserungen.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2022; 71 (12) Seite 44-45
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thomas55 postete ein Update vor 1 Woche
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 2 Tagen
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]






Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße