- Soziales und Recht
Forderung: Bundesländer sollen Diabetesstrategie koordiniert umsetzen
2 Minuten
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe mahnen an, dass Diabetes bei der Gesundheitsministerkonferenz als länderübergreifende Herausforderung begriffen werden muss und die Bundesländer sich koordiniert abstimmen sollten.
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe appellieren anlässlich der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) an die Länder, gemeinsam konkrete Maßnahmen zur strukturierten Verbesserung der Versorgung von Diabetespatienten einzuleiten. „Der Koalitionsvertrag auf Bundesebene legt eine nationale Diabetes-Strategie fest. Die Länder sollten ihre Anstrengungen zur Umsetzung gemeinsam koordinieren, damit kein Flickenteppich entsteht“, so Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland, Präsident der DDG.
„Auf der Agenda der GMK für 2018 stehen die sektorenübergreifende Versorgung, Prävention und Patientenorientierung. Diese Kernthemen nennt auch der Koalitionsvertrag, sie müssen jetzt mit Leben gefüllt werden – sowohl im Hinblick auf die nationale Diabetesstrategie, als auch auf die Überarbeitung des Präventionsgesetzes“, sagt Dr. med. Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe.
Verbreitung des Typ-2-Diabetes: deutliches Nord-Ost/Süd-Gefälle
Diabetes muss als eine länderübergreifende Herausforderung verstanden werden. Diese chronische Krankheit breitet sich in Deutschland rasch aus. Fast sieben Millionen Menschen sind betroffen, und jeden Tag kommen fast 1.000 Neuerkrankte hinzu. Dabei zeigen sich bezüglich der Prävalenz des Typ-2-Diabetes in den einzelnen Bundesländern gravierende Unterschiede.
Auf der Basis vertragsärztlicher Abrechnungen aller gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland lag die standardisierte Prävalenz im Osten Deutschlands im Jahr 2015 mit 11,6 Prozent deutlich über der Schätzung in Westdeutschland mit 8,9 Prozent. Spitzenwerte von über 12 Prozent fanden sich in den nordöstlichen Bundesländern, im Saarland und großen Teilen von Baden-Württemberg. Ähnliche regionale Unterschiede mit einem deutlichen Nord-Ost/Süd-Gefälle finden sich auch hinsichtlich der Verbreitung von Prädiabetes, einer Vorstufe von Diabetes, und unentdecktem Diabetes.
Versorgungsstrukturen müssen dem jeweiligen Bedarf angepasst werden
Die unterschiedliche Prävalenz zeigt, dass die Versorgungsstrukturen dem jeweiligen Bedarf angepasst werden müssen. Um jedoch genau herauszufinden, wie die Versorgungsqualität in den einzelnen Bundesländern verbessert werden kann, ist eine Vernetzung vorhandener, partieller Diabetes-Register und langfristig der gemeinsame Aufbau eines nationalen Diabetes-Registers notwendig. Zwei bereits etablierte deutschlandweite Diabetesregister sind die „Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation“ (DPV) sowie die „Diabetes-Versorgungs-Evaluation“ (DIVE).
Die Verbindung dieser Datenbanken bietet eine für Deutschland einzigartige Basis, mehr Transparenz über die gesundheitliche Versorgung von Menschen mit Diabetes in Deutschland herzustellen. Die Versorgungsforschung kann anhand dieser Daten Informationen aus der Versorgungsroutine, die über Verschreibungs- oder Kassendaten hinausgehen, sammeln und auswerten.
„In Skandinavien gibt es eine gesetzliche Vorgabe, Erkrankungsverläufe und deren Behandlung lückenlos zentral zu erfassen. Dies könnte auch hierzulande Millionen von Patienten helfen, eine wirksamere Versorgung zu erhalten“, so Professor Dr. med Baptist Gallwitz, Mediensprecher der DDG.
„Patientenorganisationen in die Konzeptionierung einbeziehen“
Die Zahl der Neuerkrankungen von Diabetes-Typ-2 langfristig zu senken, kann hingegen nur mit flächendeckender Verhältnisprävention gelingen. Die Maßnahmen müssen die Verhältnisse, in denen wir leben, gesünder machen. Besonders Kinder und Jugendliche sowie Menschen, die für Gesundheitsinformationen schwer zugänglich sind, würden langfristig von Verhältnisprävention profitieren.
„Hier fordern wir beispielsweise seit Jahren, dass sich die Länder zu den einheitlichen Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für KiTa- und Schulernährung verpflichten. Hier sollten die Minister der GMK gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz eine verbindliche Regelung abstimmen“, erklärt Müller-Wieland.
Schließlich müssten vor allem die Betroffenen in den Fokus genommen werden: „Eine konsequente Patientenorientierung, wie sie nun im Koalitionsvertrag für alle gesundheitspolitischen Entscheidungen gefordert wird, impliziert die Berücksichtigung originärer Patientenbewertung von Versorgungsleistungen sowie ein Mitbestimmungsrecht von Patienten in allen Gremien, die versorgungsrelevante Entscheidungen treffen“, so Kröger.
„Wir erwarten deshalb von der Koalition, dass Patientenorganisationen in die Konzeptionierung der nationalen Diabetesstrategie einbezogen werden“, so der Hamburger Diabetologe.
Quelle: gemeinsame Pressemitteilung von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Soziales und Recht
3 Minuten
- Aktuelles
3 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
-
stephanie-haack postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
-
tako111 postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
-
katrin-kraatz antwortete vor 1 Woche, 4 Tagen
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
-
-
moira postete ein Update vor 3 Wochen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
