- Soziales und Recht
George Ezeani: Hilfe für Westafrika
4 Minuten
Mit seinem Verein Diabetes Care West Africa leistet der in Wiesbaden lebende Diabetesassistent George Ezeani wertvolle Hilfe für Menschen mit Diabetes in Westafrika. Im Interview berichtet der gebürtige Nigerianer über die Arbeit und die Ziele des Vereins.
In Westafrika die Früherkennung von und die Aufklärung über Diabetes zu fördern: das Ziel verfolgt der Verein Diabetes Care West Africa. Gründer des Vereins ist der Diabetesassistent George Ezeani aus Nigeria, der seit 1992 in Deutschland lebt und seit 2007 versucht, die Menschen in Westafrika zu erreichen: mit kostenlosen Screenings, Koch-Workshops und Diabetesschulungen, derzeit hauptsächlich in Togo und Nigeria.
Ausgezeichnet mit dem Thomas-Fuchsberger-Preis
2015 bekam Ezeani den Thomas-Fuchsberger-Preis. Mit dem Preis werden ehrenamtlich tätige Personen geehrt, die sich für die Aufklärung und praktische Hilfe im Umgang mit Diabetes einsetzen. Es gab 5 000 Euro Preisgeld – das reicht aber noch nicht, um seine Vision in die Tat umzusetzen, in Westafrika eine mobile Diabetesschulung/ein mobiles Diabeteslabor aufzubauen.
Wie arbeitet Diabetes Care West Africa? Wie leben Menschen mit Diabetes in Westafrika? Ein Gespräch mit George Ezeani:
Diabetes-Journal (DJ): Herr Ezeani, wie geht es Menschen mit Diabetes in Westafrika? Und wie ist die Versorgung z. B. in Togo und Nigeria geregelt?
George Ezeani: Wie überall steigt auch in Westafrika die Zahl der an Diabetes erkrankten Menschen schnell an. Früher glaubte man, dass Diabetes nur die Reichen betrifft, doch nun betrifft es sogar Menschen, die kaum etwas zu essen haben. Wenn in Westafrika bei jemandem, der arm ist, Diabetes diagnostiziert wird, bricht meist sein ganzes Leben zusammen.
Denn obwohl Togo und Nigeria wie fast jede Nation der Welt eine nationale Diabetesorganisation haben (Association Togolaise du Diabète, Diabetes Association of Nigeria), gibt es meines Wissens keine Versorgung vom Staat. Jeder, der dort an Diabetes erkrankt ist, muss für sich selbst sorgen. Wo es keine gesetzliche Krankenversicherung gibt, muss jeder für alle Medikamente selbst zahlen. Und das können sich die meisten Menschen nicht leisten.
DJ: Wie viele Menschen mit Diabetes gibt es in Togo und Nigeria?
Ezeani: Laut der “International Diabetes Federation” (IDF, Internationale Diabetes-Föderation) hatten 2015 in Togo 132 820 Menschen zwischen 20 und 79 Jahren Diabetes. Insgesamt leben in Togo 7,3 Millionen Menschen. In Nigeria gibt es mehr als 1,56 Millionen Betroffene unter den 20- bis 79-Jährigen (Gesamtbevölkerung: etwa 177 Millionen).
DJ: Gab es einen Impuls, “Diabetes Care West Africa” zu gründen?
Ezeani: Als ich noch in Nigeria gelebt habe, wusste ich weder etwas über Diabetes noch hatte ich etwas damit zu tun. Es gibt, damals wie heute, verschiedene Gesundheitsprobleme, z. B. zu hohen Blutdruck. Worüber viele Leute bei uns in Nigeria und auch in Togo nichts wissen, ist der Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und Diabetes und vor allem über die Spätfolgen der Zuckerkrankheit.
Diese Unwissenheit hat tödliche Folgen – und das müsste nicht sein. Deshalb haben wir beschlossen, diesen Verein zu gründen. Diabetes Care West Africa e. V. hat sich vorgenommen, Diabeteserkrankungen frühzeitig zu erkennen und evtl. therapeutische Unterstützung zu leisten. Unser Verein bietet z. B. auch Schulungen an.
DJ: Ist der Verein nur in Togo und Nigeria aktiv? Und gibt es dort auch Mitglieder des Vereins?
Ezeani: Eigentlich will der Verein in der gesamten westafrikanischen Region helfen, aber bis jetzt ist er vor allem in Togo und Nigeria aktiv und weniger z. B. in Ghana und Benin. Aktive und zahlende Mitglieder sind schwer zu finden. Unsere Arbeit ist ehrenamtlich, aber Mitglieder vor Ort wollen bezahlt werden. Grundsätzlich ist unser Verein in Deutschland eingetragen, und die Mitglieder leben auch in Deutschland.
, Internet: www.diabetes-care-west-africa.com
Spendenkonto: Diabetes Care West Africa e. V., Nassauische Sparkasse Wiesbaden, IBAN: DE17 5105 0015 0110 2704 36, SWIFT-BIC: NASSDE5, allgemeine Infos zum Thomas-Fuchsberger-Preis: www.diabetesde.org
DJ: Bei wie vielen Menschen wurde durch die Screenings des Vereins schon Diabetes festgestellt?
Ezeani: Wir haben schon mindestens 650 Menschen diagnostiziert.
DJ: Wie oft können Sie – und weitere Helfer – nach Westafrika fliegen?
Ezeani: Bis 2013 sind wir zweimal im Jahr nach Westafrika geflogen, um über Diabetes aufzuklären. Einmal – im Mai 2012 – wurde ich begleitet, sonst war ich immer alleine unterwegs. Das ist auch selbstverständlich! Menschen ehrenamtlich zu helfen, ist zeitaufwendig und teuer. Ich muss viel sparen, um das Diabetesprogramm zu finanzieren, und kann leider die Kosten für einen Mitfliegenden nicht tragen. Der Verein hat leider keinen Sponsor.
DJ: Was machen Sie dort dann konkret?
Ezeani: Wenn wir dort ankommen, meistens mit Vorankündigung, gibt es erst einen Vortrag über Diabetes zur Aufklärung, es folgt ein kostenloses Diabetes-Screening und zum Schluss eine Diskussion mit den Betroffenen. In Togo haben wir eine offizielle Genehmigung, die es uns erlaubt, in ganz Togo unsere Aufklärungsarbeit durchzuführen. Damit können wir ohne Hindernisse in Krankenhäuser, Universitäten und Schulen gehen. Wurde bei jemandem Diabetes diagnostiziert, nehmen wir die Daten auf und begleiten ihn zum Arzt. Anschließend versuchen wir, ihn mit Materialien zu unterstützen.
DJ: Welche Spenden können Sie besonders gut gebrauchen?
Ezeani: Geld ist nicht alles. Der Verein braucht vor allem Menschen, die ihm ihre Zeit und ihr Wissen spenden – also Fachleute, die ehrenamtlich mit uns nach Westafrika fliegen können, um ihr Wissen dort weiterzugeben bzw. medizinisches Personal zu schulen.
DJ: Gibt es eine Zusammenarbeit mit “Insulin zum Leben”?
Ezeani: Eine direkte Zusammenarbeit gibt es nicht, weil auch “Insulin zum Leben” auf Spenden angewiesen ist. Was der Verein sammelt, reicht nicht einmal für seine Partnerorganisationen in den Entwicklungsländern. Trotzdem hat die Projektleiterin versprochen, uns etwas zu schicken.
DJ: Was fehlt am dringendsten?
Ezeani: Um unser Diabetesprogramm weiterführen und unsere Ziele erfolgreicher verfolgen zu können, hätten wir gerne einen Transporter für die mobile Diabetesschulung. Das würde die Arbeit sehr erleichtern, und wir könnten viel mehr Menschen erreichen. Außerdem bräuchten wir Teststreifen, Messgeräte, Insulin und noch verwendbare Medikamente wie Metformin. Immer willkommen sind auch Versandgutscheine, um Material nach Westafrika schicken zu können, denn die Versandgebühren sind sehr hoch.
Herzlichen Dank für das Gespräch.
Interview und Text: Nicole Finkenauer-Ganz
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90,
E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (5) Seite 50-51
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laila postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 17 Minuten
Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!
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vio1978 postete ein Update vor 1 Tag, 10 Stunden
Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀
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renrew postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 1 Tag
gibt es Tips oder Ratschläge dieser Pumpe betreffend?
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moira antwortete vor 5 Tagen, 2 Stunden
Das kommt sehr darauf an – in welchem Bereich?
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