Gesetzes-Initiative zur Prävention: Besserer Herzschutz ist kein Hexenwerk

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Gesetzes-Initiative zur Prävention: Besserer Herzschutz ist kein Hexenwerk

Jedes Jahr sterben rund 340.000 Menschen in Deutschland an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, viele davon haben Diabetes. Doch das müsste nicht so sein, kritisiert Bundesgesundheitsminister Lauterbach und kündigt eine zur Prävention für einen besseren Herzschutz an.

Karl Lauterbach stellt gern heraus, dass er ein Gesundheitsminister aus der Welt der Medizin ist. Er liest aktuelle Studien in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und kommentiert sie auf Twitter (heute X) und er plaudert auch gern über seine persönlichen Kontakte mit den Expertinnen und Experten, die diese Studien verfasst haben. Ende Juli hat der promovierte Arzt sogar wieder selbst in einer Fachzeitschrift veröffentlicht, dem “European Journal of Epidemiology”.

Lebenserwartung stagniert, Kosten gehen hoch

So weit, so ungewöhnlich – politisch interessant ist aber das Thema des von ihm und dem Kölner Kardiologen Prof. Dr. Stephan Baldus verfassten Kommentars: “Präventions-zentrierte Gesundheitsversorgung in Deutschland – eine Nation, die die Wende schaffen muss” lautet der Titel, übersetzt aus dem Englischen. Die Lebenserwartung sei in den entwickelten Ländern zuletzt nicht mehr so schnell gestiegen wie bisher, trotz deutlicher Anstiege bei den Gesundheitsausgaben.

Und für Deutschland gelte dies insbesondere. Von einer “klaren Leistungsschwäche” im direkten Vergleich mit anderen Industrieländern schreibt der Minister, und das trotz der guten Voraussetzungen hierzulande nicht nur bei der finanziellen Ausstattung des Gesundheitssystems, sondern auch einer immer noch robusten Wirtschaft, niedrigen Armuts- und Kriminalitätsraten sowie einer leicht zugänglichen Infrastruktur.

Die Daten, auf die sich Lauterbach und Baldus beziehen, würden insbesondere bei der Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland einen Exzess gegenüber unseren europäischen Nachbarn zeigen und dieser sei zu einem großen Teil einer schwächeren Leistung bei der allgemeinärztlichen Versorgung und der Krankheits-Prävention zuzuschreiben.

Eckpunkte für eine Gesetzesinitiative bis Herbst 2023

Ein Politiker und erst recht ein Minister würde eine solche Bestandsaufnahme intelligenterweise nur veröffentlichen, wenn dahinter ein Programm steckt. Tatsächlich findet sich in der Arbeitsplanung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) die Vorgabe, bis zum Herbst 2023 Eckpunkte für eine Gesetzesinitiative zur besseren Vorsorge und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzulegen.

Thomas Müller, Abteilungsleiter im BMG für Arzneimittel, kündigte auf der Veranstaltung “Diabetes 2030” Mitte September eine solche Initiative an: “Wir glauben, dass wir von dem Dogma ‚Verhaltensänderung allein‘ etwas wegkommen müssen hin zu einer aktiven medikamentösen Beeinflussung”, gab er einen Ausblick. Das beziehe sich mehr auf Bluthochdruck und Cholesterin, noch nicht auf Adipositas oder Diabetes. Bei der medikamentösen Blutdruck- und Cholesterin-Einstellung finde man Deutschland eher im unteren Drittel, da müsse man besser werden.

Auch bei der Tabak-Prävention sei Deutschland nicht eben Vorreiter, wie Müller es vorsichtig ausdrückte, die Weltgesundheitsorganisation habe Deutschland dazu sogar gerügt. Beratungen zu einer solchen Herz-Strategie laufen, Müller bremste etwas die Erwartungen: “Wir sehen schon, dass das auch ein dickes Brett ist.”

Allianz gegen Herz-Sterblichkeit

Als ersten Schritt in die richtige Richtung kann man die im Frühjahr gegründete Nationale Herz-Allianz sehen. Hier hat das BMG die Schirmherrschaft, versammelt sind sämtliche medizinischen Fachgesellschaften aus dem Bereich Herz-Kreislauf-Gesundheit und auch die Patienten-Vertretung. Sie ist hervorgegangen aus der Erarbeitung eines Positionspapiers für eine nationale Herz-Kreislauf-Strategie, das im Herbst 2021 veröffentlicht worden war.

Lauterbach und Baldus schreiben, dass die Primärprävention durchaus ein zentraler Bestandteil des Kampfs gegen die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit bleiben wird. Für Maßnahmen, mit denen das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen von vornherein zu verhindern ist, nennen sie Japan als Beispiel: Dort gebe es eine gesetzliche Verankerung der Primärprävention und eine nationale Strategie dafür. Sie beinhalte Leitlinien für bevölkerungsweite Gesundheitstests, eine nationale Gesundheits- und Ernährungsbefragung und Anreize für gesundes Verhalten. Zudem werde schon lange Wert darauf gelegt, an Schulen gesunde Nahrungsmittel anzubieten, Ernährung sei zudem offizieller Teil des Lehrplans.

Dänemark und Schweden nennen beide Autoren als Vorbilder, wenn es um Verfügbarkeit und Nutzung von Gesundheitsdaten geht, auch das ist laut Herz-Allianz eine Baustelle. Hier verweisen Lauterbach und Baldus auf die geplante Opt-out-Regelung bei der elektronischen Patientenakte (ePA) noch diesen Herbst und nennen als Ziel, dass bis Herbst 2025 80 Prozent der Versicherten in Deutschland eine solche elektronische Krankenakte nutzen.

Screening des Fettstoffwechsels und des Blutdrucks sehr kosteneffizient

Hochgradig kosteneffizient seien Screeningprogramme für Störungen des Fettstoffwechsels oder Bluthochdruck. Man müsse nur rund ein Zehntel der Menschen untersuchen wie bei der Krebsvorsorge, um einen Todesfall zu vermeiden, so der Minister. Allerdings gehört dazu dann auch eine Behandlung nach dem Stand der Wissenschaft, und auch hier liegt in Deutschland noch einiges im Argen: Weniger als 20 Prozent der Hoch-Risiko-Patientinnen und -Patienten für Atherosklerose in Deutschland erreichen zum Beispiel die gewünschten Zielwerte beim “schlechten” LDL-Cholesterin.

Positive Erwähnung finden im Lauterbach-Papier auch die Niederlande, die ein spezielles Screening-Programm für erblich bedingt hohe Konzentrationen von LDL-Cholesterin etabliert haben, die familiäre Hypercholesterinämie. In Deutschland werden weniger als 5 Prozent der Fälle dieser relativ häufigen Erbkrankheit erkannt.

Keine dieser Maßnahmen sei grundsätzlich neu oder utopisch, sie würden in anderen Ländern teilweise seit Jahren erfolgreich praktiziert, betonte die Nationale Herz-Allianz. Konkret unterstützt sie bereits das Pilotprojekt “Vroni im Norden” zum Entdecken der familiären Hypercholesterinämie sowie ein Projekt zur Früherkennung der noch symptomlosen Herzschwäche über den leicht von Hausärztinnen und -ärzten zu bestimmenden Biomarker NTpro-BNP.

Internetportal mit lebenswichtigen Informationen

Mit formeller Gründung der Nationalen Herz-Allianz ist das neue Internetportal herzmedizin.de an den Start gegangen. Es soll ein zentraler Anlaufpunkt für Laien, Politiker, das Fachpublikum und Interessierte sein, wo sich jeder unabhängig von seinen individuellen Vorkenntnissen umfassend über Herz-Kreislauf-Themen informieren kann.


von Marcus Sefrin

Marcus Sefrin ist Fachjournalist mit Schwerpunkt Medizin und Diabetes. Er war tätig als Chefredakteur der Fachzeitschrift DiabetesNews, produziert Fachtexte, Kongressberichte, Produktmonografien und begleitet Diabetes-Kongresse national und international.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2023; 72 (11) Seite 48-49

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  • Hallo zusammen, ich arbeite gerade an einer Seminararbeit zum Thema „Die Behandlung von Typ-1-Diabetes mit CRISPR/Cas“ (eine Methode der Gentechnik). Dazu habe ich eine Umfrage erstellt und suche dafür Menschen mit Typ-1-Diabetes, die einige Fragen beantworten könnten zu ihrer Einstellung gegenüber dem Einsatz dieser Technologie zur Behandlung von Typ-1-Diabetes. Die Umfrage ist vollständig anonym und dauert etwa 5 Minuten, sie richtet sich ausschließlich an Menschen mit Typ-1-Diabetes. Es würde mir enorm weiterhelfen, wenn sich Teilnehmer finden würden!

    Der Link zur Umfrage lautet: https://forms.cloud.microsoft/r/PN2hqhkuLB

    Vielen Dank für eure Unterstützung! 🙂

  • mr postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.

    • Hallo mr,

      Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.

      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?

  • moira postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo!
    Hat schon jemand die liberal Funktion bei der ypsopump app ausprobiert?
    Ich wüsste gerne wie gut das klappt.