Ich bin behindert!

3 Minuten

Community-Beitrag
Ich bin behindert!

Ich bin behindert und gehe offen damit um. Grund, mich für meine körperliche Behinderung zu schämen? Nein! Und ich möchte andere gerne unterstützen und motivieren, dass sie sich für ihre Behinderung (ganz egal welcher Art oder Grad) nicht schämen. Gemeinsam können wir etwas bewirken!

Nachteilsausgleich = Vorteil?

„Das ist ja unfair. Du bekommst mehr Urlaubstage, Steuernachlass und bist vor einer Kündigung im Job besser geschützt!“ Tatsächlich sind das alles Aussagen, die mir in meiner kurzen „Diabetes-Karriere“ nicht nur einmal begegnet sind. Und ehrlich gesagt wusste ich anfangs auch nicht genau, wie ich damit umgehen oder was ich darauf antworten sollte. Auch hier hat mir der Austausch innerhalb der Community sehr geholfen. Denn durch die Gespräche mit anderen behinderten Menschen wurde mir klar: Das ist gar kein „Vorteil“. Es hat einen wichtigen Grund, warum es offiziell „Nachteilsausgleich“ heißt.

Eine deutsche Klinik in Seoul – Nathalies Anlaufstelle für den Diabetes. (Quelle: Nathalie Bauer)

Von 2 auf 10+

Als Mensch mit Diabetes hat man ganz andere Verpflichtungen als ein gesunder Mensch. Wenn ich zuvor einmal im Jahr zur Vorsorge bei der Zahnärztin war, so sind es heute mindestens zwei Besuche pro Jahr. Ebenso sitze ich in der Regel alle drei Monate entweder bei der Hausärztin oder bei der Diabetologin. Da sind wir schon bei sechs Terminen. Vergessen wir jetzt nicht die Augenärztin, Frauenärztin und die Termine bei der Podologie. Mit den zusätzlichen Urlaubstagen, welche mir durch den Schwerbehindertenausweis gewährt werden, decke ich Termine wie diese ab. Denn in den seltensten Fällen schafft man es, am Morgen zur Zahnärztin, nach dem Mittagessen zur Diabetologin und am Abend noch zur Podologie zu gehen – oder kennt ihr dafür einen Geheimtrick? 😉

Was steckt dahinter?

Wieso das Wort „Behinderung“ oder der Ausdruck „behindert sein“ so eine negative Assoziation hat, oder immer noch als Beleidigung verwendet wird, ist ein Thema für sich. Dazu könnte man ganze Bücher schreiben, was hier aber nicht meine Absicht ist.
Mir geht es mehr darum, darüber zu schreiben, warum wir uns selbst dafür schämen, „behindert zu sein“. Betrachten wir es nämlich von einer ganz sachlichen Perspektive, sind wir schlichtweg behindert. Ich als Mensch mit Typ-1-Diabetes produziere selbst kein Insulin mehr. Meine Bauchspeicheldrüse ist somit in Hinsicht auf diese Hormonproduktion behindert.
Mindert diese Behinderung meinen Wert als Mensch? Auf keinen Fall!

Ein Mensch mit Sehschwäche ist sehbehindert, ein Mensch mit gebrochenem Bein ist gehbehindert. Müssen sie sich dafür schämen? Nein!
Und nur, weil man unsere körperliche Behinderung vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennen kann, sollte man sie nicht weniger ernst nehmen oder „runterreden“.

Nicht nur Nathalie fuhr an dem Tag Achterbahn – auch ihr Diabetes. 😉 (Quelle: Nathalie Bauer)

Grund zum Schämen? Fehlanzeige!

Für mich ist es keineswegs ein Grund zum Schämen oder Verheimlichen.
Ja, mit einem Schwerbehindertenausweis können leider auch Nachteile kommen. Daher ist es eine individuelle Entscheidung, ob man sich für oder gegen diesen Ausweis entscheidet. Letztendlich finde ich aber, dass wir uns dafür einsetzen müssen, dass eine Behinderung nicht direkt mit negativen Bildern assoziiert und gewertet wird. Und da spreche ich nicht nur von Menschen mit Behinderung, sondern von allen – alle sollten sich gegen Vorurteile und Diskriminierung starkmachen!

Behindert sein und sich behindert fühlen sind zwei verschiedene Dinge

Mittlerweile würde ich sagen, dass ich meinen Diabetes soweit gut im Griff habe, dass er mich im Alltag nur selten behindert. In unangenehmen Situationen (beispielsweise einer Unterzuckerung während einer Präsentation oder Klausur) weiß ich mittlerweile, wie ich damit am besten umgehen muss. Aber damit spiele ich die Krankheit nicht runter, nein. Ich weiß, wie ich in den meisten Situationen reagieren muss, dass es nicht gefährlich wird. Daher würde ich sagen, der Diabetes behindert mich im alltäglichen Leben manchmal mehr, manchmal weniger.

Ändert das etwas an meiner Behinderung? Nein. Meine Bauchspeicheldrüse produziert heute noch genauso wenig Insulin wie gestern. Auch wenn gestern ein stressfreierer Diabetes-Tag war und es heute wieder drunter und drüber geht.

Reservoirwechsel in der Öffentlichkeit – kein Problem! (Quelle: Nathalie Bauer)

Der Schwerbehindertenausweis gibt mir zusätzlich eine Stütze im Alltag. Besonders weil man den Diabetes nicht sehen kann, gibt er mir das Gefühl, dass ich einen „Beleg für meine Behinderung“ habe. Klingt total schwachsinnig, aber in der aktuellen Gesellschaft (in welcher eine Behinderung noch so negativ gesehen und behandelt wird) gibt er mir Sicherheit.

Wie seht ihr das? Habt ihr einen Schwerbehindertenausweis? Was verbindet ihr mit dem Begriff „Behinderung“?


Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Mit Diabetes gut vorbereitet ins Krankenhaus: Was muss mit, was vorab geklärt werden?

Es kann schnell passieren, dass man ins Krankenhaus muss, auch ohne dass der Diabetes der Grund ist. Damit dort möglichst alles gut abläuft, ist es sinnvoll, ein paar Dinge vorab zu wissen und vorzubereiten. Denn bei geplanten Aufenthalten im Krankenhaus kann man manches schon im Vorfeld abklären.
Mit Diabetes gut vorbereitet ins Krankenhaus: Was muss mit, was vorab geklärt werden? | Foto: Halfpoint - stock.adobe.com

5 Minuten

Diabetes-Selbsthilfe warnt und fordert Maßnahmen: Wie Zucker Körper, Gehirn und Psyche zugleich belastet

Zucker wirkt weit über den Stoffwechsel hinaus: Zu viel davon belastet den gesamten Körper inklusive Gehirn und Psyche. Folge können Volkskrankheiten wie Diabetes, Depression und Demenz sein. Die organisierte Diabetes-Selbsthilfe und Patientenvertretung warnt vor den Folgen von zu hohem Zuckerkonsum und fordert eine grundlegende Neuausrichtung der Prävention.
Diabetes-Selbsthilfe warnt und fordert Maßnahmen: Wie Zucker Körper, Gehirn und Psyche zugleich belastet | Foto: olga_demina - stock.adobe.com

3 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!

    • Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
      Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
      Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
      Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
      Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter!

    • @suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊

  • vio1978 postete ein Update vor 1 Tag, 19 Stunden

    Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀

  • renrew postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 1 Tag

    gibt es Tips oder Ratschläge dieser Pumpe betreffend?

Verbände