- Soziales und Recht
Ist Betrug menschlich?
2 Minuten
Wenn man Teststreifen, die von der Solidargemeinschaft bezahlt wurden, online verkauft, ist dies nicht nur unfair, sondern betrügerisch, legt Dr. Katrin Kraatz in der Rubrik Blickwinkel dar.
Das ist unmenschlich! Diesen Satz hört man oft – und gemeint ist damit normalerweise, dass jemand etwas tut, das einem anderen Menschen schadet. Im schlimmsten Fall geschieht jemand anderem tatsächlich Grausames, manchmal sind es auch nur vermeintliche Kleinigkeiten. Aber ist das unmenschlich?
Allmählich wage ich das zu bezweifeln. Allzu oft erlebe ich, wie sich Menschen zum Schaden anderer verhalten, ständig höre ich es auch in den Nachrichten. Allmählich glaube ich, dass ein solch egoistisches Verhalten eher als menschlich zu bezeichnen ist, als wenn ein Mensch anderen hilft – obwohl Letzteres für das Zusammenleben doch das bessere und sinnvollere Verhalten ist.
Problematisch: Teststreifen- und Sensoren-Verkauf auf ebay
Und damit bin ich bei einer Beobachtung, die den Diabetes betrifft. “Wieso?”, werden Sie fragen, “Hier bringt doch keiner einen anderen um.” Stimmt, so schlimm ist es nicht – aber hochgradig egoistisch, und einer Vielzahl Menschen schadend ist das beobachtete Verhalten schon: Es geht um den Verkauf von Blutzuckerteststreifen und FreeStyle-Libre-Sensoren über den Online-Händler ebay.
In der vorliegenden Ausgabe des Diabetes-Journals beschreibt Professor Dr. Heiko Burchert aus Bielefeld anhand einer Studie, wie viele Blutzuckerteststreifen nachweisbar über ebay verkauft werden, und gibt Erläuterungen zu den wahrscheinlichen Verkäufern.
Hier fängt mein Problem mit dem “Menschlichsein” an. Denn wenn ein Diabetiker von seinem Arzt Blutzuckerteststreifen verschrieben bekommt, die seine Krankenversicherung ihm bezahlt, ist es Betrug, solche Teststreifen über ebay weiterzuverkaufen.
Auf Kosten der Solidargemeinschaft
Wer bis zum nächsten Arztbesuch nicht alle verschriebenen Teststreifen verbraucht hat, lässt sich beim nächsten Arztbesuch eben weniger verschreiben – und lässt nicht die Solidargemeinschaft, also die Versicherten bei der Krankenkasse und damit die Mitpatienten, für Dinge aufkommen, die man durch den Verkauf unrechtmäßigerweise zu Geld macht.
Und wer wegen eines Wechsels der Messgerätemarke oder durch den Tod eines Angehörigen Teststreifen übrig hat und diese vernünftigerweise nicht wegwerfen möchte, sollte wenigstens so fair sein, sie zu verschenken – denn bezahlt wurden sie ja nicht vom Verkäufer, sondern eben von anderen versicherten Gesunden und Kranken.
Extrem unfair: Wucherpreise für Mess-Sensoren
Noch weniger fair wird es aber aus meinem Blickwinkel beim neuen Messsystem FreeStyle Libre, mit dem kontinuierlich der Gewebszucker gemessen werden kann. Durch Lieferengpässe kann der Hersteller Abbott derzeit nicht jeden beliefern, der das System gern einsetzen würde. Prompt blüht der Schwarzmarkt auf ebay. Abbott verkauft einen Sensor zum Preis von 59,90 €, hinzu kommen Versandkosten.
Als ich die aktuellen Angebote in ebay ansah, lag das höchste Angebot bei 230,00 €, also bei knapp dem Vierfachen des Preises. Wer, bitte schön, ist so unfair, die Sensoren anderen vor der Nase wegzuschnappen und dann zu Wucherpreisen wieder anzubieten? Das scheint mir bedauerlicherweise das zu sein, was man heutzutage unter menschlich verstehen muss: sich egoistisch und anderen schadend zu verhalten.
Mein Vertrauen in das Gute im Menschen bröckelt immer mehr. Traurig!
von Dr. med. Katrin Kraatz
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz, Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0,
Fax: (0 61 31) 9 60 70 90, E-Mail: redaktion@diabetes-online.de
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2015; 64 (4) Seite 42
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stephanie-haack postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 1 Woche, 4 Tagen
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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moira postete ein Update vor 3 Wochen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
