Lasst Kinder in der Schule nicht allein!

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Lasst Kinder in der Schule nicht allein!

Die Behandlung des Diabetes wird immer erfolgreicher; damit aber auch komplexer und komplizierter. Gerade Kinder sollten mit der Interpretation von Blutzuckerdaten, der Insulindosierung und der Unterzuckerungsvorbeugung nicht allein gelassen werden – auch nicht an Schulen. Ein Plädoyer für die Integrationshilfe.

Neulich durchlebte ich ein Wechselbad der Gefühle. Es fing damit an, dass mir beim Umziehen in der Umkleide vor dem Sport meine Insulinpumpe aus der Hand fiel – und ich sie einfach nicht wieder zu fassen bekam. Eine junge Frau neben mir griff beherzt zu und gab sie mir. „Ich kenne das“, erklärte sie mir. Mein erstaunter Blick ließ sie ergänzen: „Ich betreue einen kleinen Jungen mit Diabetes.“

Integrationshelfer für Kinder nicht nötig?

Es stellte sich heraus, dass sie Integrationshelferin ist und in diesem Rahmen Kindern in der Schule hilft – aktuell eben einem Grundschulkind mit Typ-1-Diabetes. Natürlich haben wir sofort begonnen, uns auszutauschen: Sie erzählte von ihren Erfahrungen, ich von meinen persönlichen, die natürlich schon Jahrzehnte zurückliegen und deshalb mit der heutigen Situation nicht wirklich vergleichbar sind.

Als die junge Frau begann, den kleinen Typ-1-Diabetiker zu betreuen, suchte sie nach Informationen. Dabei sprach sie auch mit jemandem, der sich seit Jahrzehnten mit Diabetes beschäftigt, auch mit der Versorgung und Betreuung von Kindern. Integrationshelfer seien für Kinder mit Diabetes überhaupt nicht nötig, bekam sie zu hören. Wie bitte? fragte sich die Integrationshelferin – und ich mich auch!

Kinder mit dem komplexen Therapieregime nicht alleine lassen!

Dass damals, als es morgens und abends eine Spritze mit Mischinsulin gab, die Mahlzeiten in Menge und Zeit festgelegt waren und wir unsere Blutzuckerwerte nicht messen konnten, eine Integrationshilfe nicht sinnvoll war, ist klar. Aber heute muss ein Kind die gemessenen Zuckerwerte, aus Blut oder Gewebe, interpretieren können. Insulindosen muss es berechnen. Und auch mal etwas zwischendurch essen oder tun zu können, das nicht geplant war, erfordert Hilfe von Erwachsenen. Dafür ist Integrationshilfe – von Lehrern oder, wenn das nicht funktioniert, von Integrationshelfern – notwendig und sollte nicht kaputtgeredet werden.

Während unseres Gesprächs in der Umkleide zeigte sich zum Glück: Die junge Frau hatte sich nicht verunsichern lassen. Die einzige, die ihr, wie sie erzählte, nun noch ständig Probleme machte, war die Klassenlehrerin – die doch dankbar sein sollte, dass ihr jemand die Verantwortung für die Diabetesbetreuung des Kindes abnahm. Verstehen Sie jetzt mein Wechselbad der Gefühle? Aber angesichts des Eifers der Integrationshelferin bleibe ich optimistisch!


von Jana Einser

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (06131) 9 60 70 0, Fax: (06131) 9 60 70 90,
E-mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (9) Seite 74

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • ole-t1 antwortete vor 1 Woche

      Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 2 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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