Nachgefragt | Recht: Haftungsrisiken in Diabetes- Selbsthilfegruppen

3 Minuten

Nachgefragt | Recht: Haftungsrisiken in Diabetes- Selbsthilfegruppen | Foto: Photographee.eu – stock.adobe.com
Foto: Photographee.eu – stock.adobe.com
Nachgefragt | Recht: Haftungsrisiken in Diabetes- Selbsthilfegruppen

In Selbsthilfegruppen erhalten Menschen mit Diabetes wertvolle Informationen aus erster Hand, tauschen Erfahrungen aus und bekommen praktische Tipps zum Diabetes-Management oder rechtlichen Fragen. Doch was geschieht, wenn sich die erteilten Auskünfte als falsch herausstellen und dadurch ein Schaden entsteht? Wo endet der harmlose Erfahrungsaustausch und beginnt eine möglicherweise haftungsrelevante Beratung?

Gemäß § 675 Absatz 2 BGB haftet grundsätzlich niemand dafür, wenn er einem anderen im Gespräch lediglich einen kostenlosen Tipp oder Ratschlag aus eigener Erfahrung gibt. Dies gilt für alle privaten Unterhaltungen und Gespräche im Rahmen von Selbsthilfegruppen-Treffen oder Veranstaltungen. Wer für die Beratungsleistung jedoch ein Entgelt verlangt, haftet grundsätzlich immer, unabhängig von der Höhe des Entgelts.

Gleiches gilt, wenn die Beratung als offizielle Leistung (z. B. für Vereinsmitglieder) angeboten wird. Hier gehen Betroffene selbstverständlich davon aus, dass die Auskunft aus kompetentem Mund erfolgt und richtig ist. Aber auch eine kostenlose Beratung in privatem Rahmen kann ausnahmsweise zu einer Haftung führen, wenn der Auskunftgeber über überlegenes Sachwissen verfügt oder eine überragende Vertrauensstellung genießt. In solchen Fällen muss er damit rechnen, dass der Ratsuchende auf die erhaltenen Auskünfte vertraut.

Vorsicht bei medizinischer Beratung

Besonders heikel wird es bei medizinischen Ratschlägen. Dies ist grundsätzlich Ärztinnen und Ärzten oder solchen Personen vorbehalten, welche über die notwendige Erlaubnis verfügen. Es ist erlaubt, allgemeine Informationen über Therapie-Möglichkeiten zu geben oder von eigenen Erfahrungen zu berichten. Man darf aber keine konkreten Diagnosen stellen, Behandlungen empfehlen oder individuelle Therapie-Anweisungen geben.

Aussagen wie „Verringern Sie abends Ihre Insulindosis um 10 Einheiten“ oder „Nehmen Sie dieses Medikament nicht mehr“ mögen im Einzelfall zwar richtig sein, wären im Rahmen der Beratung durch eine Selbsthilfegruppe jedoch nicht zulässig. Natürlich darf man aber auf erkannte Therapie-Unzulänglichkeiten oder Fehler hinweisen und den Betroffenen raten, dies mit dem Arzt abzuklären.

Achtung:Auch scheinbar neutrale Empfehlungen können als unzulässige Werbung eingestuft werden, wenn etwa finanzielle Interessen bestehen, z. B. durch Sponsoring, oder eine besondere Vertrauensstellung ausgenutzt wird. Bei Angaben zu Produkten sollte man daher stets auf eine objektive, sachliche Darstellung achten und keine Aussagen treffen, die über persönliche Erfahrungen hinausgehen oder als Werbung verstanden werden könnten. Verstöße können Abmahnungen, Unterlassungsklagen oder sogar Bußgelder nach sich ziehen.

Dieser Text steht nur eingeloggten Community-Mitgliedern zur Verfügung.

Melde dich jetzt kostenlos an, um diesen Beitrag lesen zu können.

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Diabetes-Anker-Podcast: Psychische Last durch Hyper- und Hypoglykämien und Umgang mit Glukoseschwankungen – mit Prof. Kulzer
Glukoseschwankungen sind nicht nur eine körperliche Herausforderung, sie sind auch eine psychische Last. In dieser Podcast-Folge erläutert Professor Bernhard Kulzer, Psychologe und langjähriger Diabetes-Forscher, die mentale Seite von Hyper- und Hypoglykämien – also von Über- und Unterzuckerungen – und beschreibt konkrete Lösungsansätze.
Diabetes-Anker-Podcast: Psychische Last durch Hyper- und Hypoglykämien und Umgang mit Glukoseschwankungen – mit Prof. Kulzer | Foto: diateam / MedTriX

2 Minuten

Gut vorbereitet unterwegs: So gelingt die Reise mit Diabetes
Die Vorfreude auf den nächsten Urlaub beginnt oft lange vor der Abreise. Neben Koffer, Reisedokumenten und Unterkunft sollten Menschen mit Diabetes auch ihre medizinische Versorgung rechtzeitig planen – für mehr Sicherheit und Entspannung unterwegs.
Diabetes-Reise-Checkliste von tkpharma

3 Minuten

Anzeige
Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

    • calvin240 antwortete vor 1 Woche

      @uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
      Liebe Grüße

  • stephanie-haack postete ein Update vor 1 Monat

    Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 1 Monat

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

Verbände