- Soziales und Recht
Nachwuchs und Versorgung: Quo vadis, Diabetologie?
3 Minuten

Beim Diabetes Kongress der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) im Mai in Berlin drehte sich ein Symposium um die Gesundheitspolitik. Dabei kamen einige Fragen auf: Wie kann der Nachwuchs in der Diabetologie besser gefördert werden? Welche Rolle können Assistenzberufe spielen? Wie kann bei wachsende Fallzahlen die Diabetes-Versorgung gesichert werden?
Diabetes mellitus: Es sind viele Menschen, die davon betroffen sind, bis 2040 wird es einen Anstieg um 54 bis 77 Prozent geben”, berichtete Prof. Dr. Monika Kellerer aus Stuttgart. “Jeder sechste bis siebte Patient im Krankenhaus in Deutschland hat einen Diabetes – der nicht Anlass für den Krankenhausaufenthalt sein muss, der aber möglicherweise schlecht eingestellt ist aus einem akuten Anlass”, sagte sie. Diese Menschen haben laut Kellerer eine schlechte Prognose.
Viele Krankenhäuser haben keine Diabetes-Expertise mehr, so Kellerer. Dies könne anhand der DDG-Zertifikate gemessen werden. Die Abwärtsspirale in der universitären Diabetologie zeige die Tatsache, dass nur noch an 8 von 38 medizinischen Fakultäten ein klinischer Lehrstuhl in Endokrinologie und Diabetologie mit Direktionsrecht, d. h. einer eigenständigen bettenführenden Abteilung, vorhanden ist.
Studierende lernen Diabetologie nicht kennen
Dies sei problematisch, weil es ein negatives Signal an den Nachwuchs sende: “In dieser kleinen Nische kannst du keine Karriere machen.” Micha Kortemeier aus Iserlohn setzt sich dafür ein, Studierende für das Fach zu begeistern, zu vermitteln, was Diabetologen können: ein offenes Ohr für Patienten haben, werdenden Müttern Zuversicht schenken, Füße retten.
Dies werde im Studium jedoch kaum vermittelt. Und: “Wenn man im Studium mit der Diabetologie keinen Kontakt hat, dann kann man kein Diabetologe werden!”, sagte Kortemeier. Er wies auf ein weiteres Problem hin: “Die Diabetologie und Endokrinologie sind im DRG-System nicht adäquat abgebildet.”
Diabetes-Kompetenz in Kliniken fehlt
Das hat dazu geführt, das nur noch 17 Prozent der Kliniken eine diabetologische Kompetenz haben. Die fehlende Kompetenz wirke sich nicht nur auf die Patienten-Betreuung aus, sondern auch auf die Ausbildung, sagte Kortemeier und betonte: “Wir müssen die diabetologische Expertise ausbauen.” Die Chance sei aktuell die Krankenhausreform.
Zu wenig Fachpersonal für Betreuung
Dr. Tobias Wiesner aus Leipzig präsentierte diabetologische Kennzahlen zur Versorgung. Demnach betreut ein Hausarzt – 60 000 Hausärzte gibt es in Deutschland – ca. 100 Patienten mit Diabetes, davon zwei bis fünf Personen mit Typ-1-Diabetes. Demgegenüber stehen 4300 Diabetologinnen und Diabetologen, ca. 5400 Diabetesberaterinnen und -berater und ca. 8800 Diabetesassistentinnen und -assistenten.
In rund 1100 diabetologischen Schwerpunktpraxen und in Krankenhausambulanzen seien 10 bis 20 Prozent der Patientinnen und Patienten in permanenter oder vorübergehender Versorgung. Und: Hinsichtlich der Versorgung von Menschen mit Diabetes bestehen erhebliche regionale Unterschiede. So sei ein Kollege verantwortlich für fast 8000 Patienten, die theoretisch zu ihm in die Praxis kommen sollen, weil er der Einzige in dem Großraum ist, verdeutlichte Wiesner.
Finanzierung der Diabetologie passt nicht
Die Strukturfragen der Diabetologie betreffen die Versorgung der Patienten, die Ausbildung von Diabetologen und Diabetologinnen sowie der Diabetes-Edukationsberufe. Das Spezifische in der Diabetologie sei, dass die Schwerpunktpraxen zwar fachärztliche Leistungen mit personellem, strukturellem und organisatorischem Aufwand und entsprechenden Qualitäten erbringen, spezifische Leistungsziffern der Diabetologie im einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM; Grundlage für die Abrechnung der vertragsärztlichen Leistungen) aber nicht abgebildet seien. Denn das Fach befinde sich im Zwitterfeld zwischen hausärztlichem und fachärztlichem Bereich.
Ebenfalls nicht abgebildet seien komplexe diabetologische Fälle und bestimmte Versorgungsformen. “Wenn der Typ-2-Patient mit oralen Antidiabetika dieselbe DRG generiert wie ein Patient mit Pumpe/AID, dann habe ich ein Finanzierungsproblem”, brachte es Wiesner auf den Punkt.
Zeit und Geld für Weiterbildung fehlt
Diabetologische Schwerpunktpraxen seien Weiterbildungsstätten, auch für Diabetes-Fachberufe. “Wir haben zu wenig Beratungsberufe aktuell, wir müssten mehr ausbilden.” Dafür müsse allerdings Zeit und auch Geld im System sein. “Wenn ich an die Verhandlungen des letzten Jahres mit den Krankenkassen denke, die den Inflations-Ausgleich uns verweigert haben bei steigenden Kosten, heißt das ja de facto eine Abwertung unserer Fallwerte über die letzten Jahre”, fügte Wiesner hinzu.
Diabetologische Schwerpunktpraxen seien Exzellenz-Zentren, die Menschen mit Adipositas behandeln, mit Diabetes-Technologie, telemedizinische Versorgung mit Video-Konsilen und Video-Sprechstunden leisten, Menschen mit Diabetischem Fußsyndrom behandeln und Schwangere mit Diabetes versorgen.
Trennung ambulant – stationär überholt
Die strikte Trennung ambulanter und stationärer Leistungen sei bei personalisierter, umfassender Patientenversorgung nicht mehr zeitgemäß. Intersektorale Versorgungs-Netzwerke könnten die Betreuung und Weiterbildung ebenso wie die Ausbildung sichern. Es brauche für die Zukunft gemeinsame Strategien. Es müsse flächendeckend und intersektoral adäquate Vergütungen geben. Eine Vernetzung für Weiterbildung, Forschung und Ausbildung sei notwendig, und sowohl die Weiterbildung als auch die Ausbildung in der Diabetologie müssten gefördert werden.
von Marcus Sefrin
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2023; 72 (7) Seite 48-49
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lena-schmidt postete ein Update vor 6 Tagen, 7 Stunden
Am Mittwoch um 19 Uhr findet das nächste Community-MeetUp via Teams statt. Alle sind herzlich eingeladen! Alle Infos findet ihr hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-august-2026/
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Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 12. August! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]
thomas55 postete ein Update vor 1 Monat
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Monat
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?- ole-t1 antwortete vor 1 Monat
Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße




