- Soziales und Recht
Neue Wege gehen!
3 Minuten
Der Vertriebsstopp von Insulin degludec (Tresiba) Ende September (wir berichteten mehrfach) hat hohe Wellen geschlagen – bei Patienten, die das neue Basalinsulin spritzen und denen jetzt eine Umstellung auf ein anderes Insulin droht; aber auch bei den behandelnden Ärzten.
Die Nachricht sei für ihn “ein ziemlicher Schock” gewesen, kommentiert der Diabetologe Dr. Martin Lederle aus Ahaus, Nordrhein-Westfalen, die Situation. Denn der Hersteller Novo Nordisk habe “in den Monaten zuvor immer wieder versichert, Insulin degludec in Deutschland dauerhaft zur Verfügung stellen zu wollen. Auf diese Aussage habe nicht nur ich mich verlassen”, erklärt er.
Patienten und Behandler seien die “Gelackmeierten”
Die “Gelackmeierten” dieser “drastischen Entscheidung” seien die Patienten, die in den letzten Monaten von Insulin degludec profitierten. “Und auch wir Behandler, die uns auf die Aussagen des Unternehmens verlassen haben”, so Lederle.
“Was sollen diese Patienten jetzt machen? Umstellung auf eine Insulinpumpentherapie? Rückumstellung auf ein Verzögerungsinsulin, mit dem sie in der Vergangenheit schlechter zurechtgekommen sind? Wechsel auf das jetzt in Deutschland verfügbare Insulin glargin U 300 (Toujeo) mit all seinen Unwägbarkeiten?” Dies sei derzeit eine erhebliche Belastung für die tägliche Arbeit in seiner Diabetespraxis: Die betroffenen Patienten fühlten sich “verschaukelt”. Und er als Arzt könne ihnen “nicht richtig weiterhelfen”, so der Diabetologe.
Er berichtet von 2 Beispielen aus seiner Praxis: Frau Ü., 46, hat seit ihrem 19. Lebensjahr Typ-1-Diabetes und nutzt einen Pen. Bis Juli 2014 spritzte sie Insulin detemir morgens und abends. In diesen Jahren traten immer wieder schwere Unterzuckerungen auf. Eine Insulinpumpentherapie lehnt sie ab. Seit Frau Ü. Insulin degludec verwendet, seien keine schweren Hypoglykämien mehr aufgetreten, berichtet Lederle. “Ihr eindeutiges Statement im August 2015: Tresiba ist für sie das beste Verzögerungsinsulin, das sie bisher im Gebrauch hatte. Der Blutglukoseverlauf ist viel stabiler im Vergleich zu den anderen Verzögerungsinsulinen und das Hypoglykämierisiko ist viel geringer.”
Mama, geht es dann wieder mit den schweren Unterzuckerungen los?
Die Typ-1-Diabetikerin: “Als meine heute 16-jährige Tochter jetzt gehört hat, dass Tresiba Ende September in Deutschland nicht mehr erhältlich sein soll, sagte sie spontan zu mir: ‚Mama, geht es dann wieder los mit den schweren Unterzuckerungen?‘” Frau Ü. und ihre Familienangehörigen denken “mit großer Sorge” daran, was möglicherweise wieder auf sie zukommen werde.
Eine weitere Typ-1-Diabetikerin, die seit 26 Jahren Diabetes hat und immer wieder unter schweren Unterzuckerungen mit Bewusstlosigkeit litt, wandte sich hilfesuchend mit einem Brief an Dr. Martin Lederle, in dem sie schrieb: “Für mich wäre es eine Katastrophe, wenn ich wieder auf ein anderes Basalinsulin zurückgreifen müsste. Tresiba war für mich und meine Familie das Beste.”
Noch keinen Patienten umgestellt
Noch hat der Diabetologe die 164 Patienten seiner Schwerpunktpraxis, die Insulin degludec spritzen – 89 Prozent von ihnen haben Typ-1-Diabetes – nicht auf andere Insuline umgestellt. Er wartet die aktuelle Entwicklung ab: “Ich bin der Ansicht, dass die Verantwortlichen des Unternehmens Novo Nordisk eine moralische Verpflichtung gegenüber den Patienten haben, die bisher von Tresiba profitieren: Sie müssen einen Weg eröffnen, dass diese Patienten auch nach dem 30. September 2015 in Deutschland mit diesem Insulin versorgt werden können. Sie dürfen diese Patienten nicht hängen lassen.”
Sein Vorschlag: Der Hersteller stellt über den 30. September 2015 den Patienten, die in den letzten Monaten von Tresiba profitiert haben und die in einer ambulanten Diabeteseinrichtung in kontinuierlicher Mitbetreuung sind, dieses Insulin im Rahmen einer “Versorgungsstudie” weiter zur Verfügung. Für diese Studie werden von den beteiligten Diabeteseinrichtungen geeignete, patientenrelevante Daten erhoben. “Das wäre Versorgungsforschung im besten Sinne des Wortes”, so Lederle. “Ich denke, ungewöhnliche Ereignisse erfordern ungewöhnliche Lösungswege.”
DDB: passende Verträge schließen
Der Deutsche Diabetiker Bund fordert in einer aktuellen Presse-Info (Ausgabe 9/2015) die verhandelnden Vertragsseiten dazu auf, auch nach der Preisfestsetzung jetzt alle Anstrengungen für entsprechende Verträge zu unternehmen, um einen Vertrieb in Deutschland zu sichern. Szenekenner behaupten, dass sich der Hersteller derzeit in Verhandlungen mit den Kassen befinde. Der DDB weist zudem auf die Möglichkeit hin, Insulin degludec über internationale Apotheken zu importieren.
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von Angela Monecke
Redaktion Diabetes-Journal
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90,
E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2015; 64 (10) Seite 50-51
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diahexe postete ein Update vor 3 Tagen, 20 Stunden
Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?
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ckmmueller postete ein Update vor 1 Woche
Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos
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diahexe antwortete vor 3 Tagen, 20 Stunden
Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.
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anseaticids postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag
Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.
Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“
Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.
Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.So können Kinder lernen, wachsen und
selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
Unsere Mission ist einfach:✔ Kindern Sicherheit geben
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✔ Kita- und Schulteams entlasten
✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.
Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.
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