Raus aus dem Diabetesalltag: Kinderreha vs. Mutter-Kind-Kur

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Raus aus dem Diabetesalltag: Kinderreha vs. Mutter-Kind-Kur

„Gehen Sie doch mal auf Kur mit Ihrem Kind.“

Strassenschild 19 - Kur

So oder so ähnlich lauten die Sätze der Diabetologen oder Diabetesberaterinnen.
Mit der Bezeichnung KUR alleine können viele Eltern aber nur schwer etwas anfangen. Ich lese es immer wieder in verschiedenen Foren oder Facebook-Gruppen. Fragen wie „Ich soll mit meinem Kind auf Kur, was könnt Ihr da empfehlen?“ oder „Wer war schon mal mit seinem Kind auf Kur, wie funktioniert das?“ zeigen mir, dass es hier noch viel Erklärungsbedarf gibt.

Kur ist nicht gleich Kur oder gar eine Reha

Wenn man sich mit dem Thema KUR beschäftigt, merkt man schnell, dass es da doch große Unterschiede gibt. Und eine Kur nicht gleich einer anderen Kur ist. Als Mutter stehe ich vor der Wahl: Mutter-Kind-Kur oder Kinderreha mit mir als Begleitperson.
Beides sind zwei ganz verschiedene Therapieansätze und unterscheiden sich erheblich voneinander.
Ich muss mich also fragen: Was möchte ich in der Kur erreichen? Möchte ich gemeinsam mit meinem Kind neue Kraft tanken für den doch oftmals stressigen Diabetes-Alltag? Oder soll mein Kind im Vordergrund stehen? Soll es mehr über die Krankheit lernen, sie besser akzeptieren, selbständiger im Umgang mit ihr werden?

Eine nicht ganz einfache Entscheidung. Ich habe mittlerweile mit meiner Tochter beide Kur-Varianten erleben dürfen und so meine eigenen ganz privaten Erfahrungen gesammelt.

Unsere Kinderreha auf Sylt

Little girl at the doctor with her mother

Kurz nach der Diagnose Diabetes Typ 1 bei unserer Tochter im November 2012 haben wir gemeinsam mit unserem Kinderdiabetologen eine Kinderreha beantragt. Da meine Tochter zu diesem Zeitpunkt erst 5 Jahre alt war, war es selbstverständlich, dass ich sie bei der Reha begleitete.
Vom Antrag bis zur Genehmigung durch die Rentenversicherung hat es dann auch nur drei Wochen gedauert und wir konnten im Sommer 2013 unsere Reha auf Sylt antreten.

Gerade mal ein halbes Jahr nach der Diagnose hat diese Maßnahme unserer Tochter und auch mir sehr gut getan. Meine Tochter hat in den einzelnen Schulungseinheiten und Kursen sehr viel über ihre Erkrankung gelernt. Aber, und das ist wohl der wichtigste Aspekt: Sie hat vier Wochen lang tagtäglich erlebt, dass sie nicht alleine mit ihrer Krankheit ist. Es gibt viele andere Kinder, die dieselbe Krankheit haben wie ich. Durch gemeinsames Blutzuckermessen, Essenbolen etc. erlebten die Kinder ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Was unheimlich hilfreich ist, die Krankheit als solche zu akzeptieren. Wir Eltern hatten auch ein paar kleine Schulungseinheiten, diese standen jedoch nicht im Mittelpunkt der Reha. Als Begleitperson für sein Kind ist man eher dazu da, sein Kind von Schulung zu Kurs zu bringen und während der Reha zu beaufsichtigen. Doch ich muss sagen, mir hat diese Reha sehr gut getan. Vor allem das gemeinsame Beisammensein und der tägliche Austausch mit anderen betroffenen Müttern war einfach super. Die vier Wochen waren schnell um, und wir sind gestärkt nach Hause gefahren.

Unsere Mutter-Kind-Kur

Mother and Daughter dancing in the park

Nachdem der Diabetesalltag bei uns häufig recht stressig ist, habe ich im letzten Frühjahr eine Mutter-Kind-Kur bei meiner Krankenkasse beantragt. Die Zusage habe ich dann ein paar Wochen später erhalten. Ich freute mich sehr, denn ich war wirklich erholungsreif. Doch hat man eine Zusage in der Hand, gilt es erstmal, eine geeignete Kurklinik zu finden. Und das kann unter Umständen schon mal recht schwierig werden. Viele Kurkliniken lehnen uns Mütter mit unseren Diabetes-Kindern ab, weil ihnen die Verantwortung für das Kind während der Betreuungszeiten einfach zu hoch ist. Also müssen wir häufig nehmen, was wir bekommen, und das ist leider nicht immer die beste Wahl. So war es leider auch bei uns. Mir wurde gleich zu Beginn der Kur, im ersten Arztgespräch, mitgeteilt, dass der Diabetes zwar kein Problem ist, ich aber überhaupt keine ärztliche Unterstützung diesbezüglich von der Klinik erwarten kann. Schließlich ist es eine Mutter-Kind-Kur und da dreht sich alles nur um das Wohlbefinden der Mutter. Ich hatte in den drei Wochen Kur viele therapeutische Anwendungen, wie Sport, Strandspaziergang (ich war an der Ostsee), Entspannungsübungen etc. In dieser Zeit wurde mein Kind von den Erziehern der Klinik betreut.
In der Freizeit habe ich viel mit meiner Tochter am Strand unternommen. Es hätte alles so schön sein können, hätte sich nicht der Diabetes gegen diese Kur gesträubt und mir so viele Probleme gemacht. Hilfe habe ich ja keine bekommen, so dass ich an manchen Tagen mehr Stress als zu Hause hatte.
Ich war sehr froh, als die drei Wochen um waren und wir wieder nach Hause fahren konnten. Richtig erholt hatte ich mich leider nicht.

Mein ganz persönliches Fazit

Eine Mutter-Kind-Kur werde ich wohl in den nächsten Jahren nicht mehr machen. Ich möchte aber niemandem von einer Mutter-Kind-Kur abraten. Es gibt sicher Mütter, für die so eine Maßnahme genau das Richtige ist (auch mit Diabetes im Gepäck). Für uns kommt allerdings nur eine erneute Kinderreha in Frage. Vielleicht schon im nächsten Jahr.

Vergleich: Kinderreha vs. Mutter-Kind-Kur

Kinderreha

  • das Kind und seine Erkrankung stehen im Mittelpunkt
  • Antrag bei der Rentenversicherung
  • Dauer 4 Wochen

Mutter-Kind-Kur

  • das Wohlbefinden der Mutter steht im Mittelpunkt
  • Antrag bei der Krankenkasse
  • Dauer 3 Wochen
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  • lena-schmidt postete ein Update vor 1 Tag

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  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 6 Tagen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 4 Wochen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße