- Leben mit Diabetes
„SCHE1SSTYP“? Ja oder nein?
3 Minuten

Ein renommiertes Forschungsteam hatte eine Aufklärungskampagne mit einem provokanten Slogan gestartet, um auf Studien über den Typ-1-Diabetes hinzuweisen … dies führte zu Missverständnissen innerhalb der Diabetes-Community und brachte den Initiatoren viel Kritik ein. Günter Nuber mit einer Einordnung.
Eine Aufklärungskampagne in 18 großen Städten über 50 Tage hinweg. Mit tausenden Plakatwänden und 560 Infoscreens – bei der es mal ausschließlich um den Typ-1-Diabetes geht. Und bei der nicht nur aufgeklärt wird, sondern auch viele Studienteilnehmer aus der Allgemeinbevölkerung gesucht werden: Es geht schließlich um nicht weniger als darum, bei Kindern ein erhöhtes Typ-1-Diabetes-Risiko früh zu erkennen und den Ausbruch des Diabetes zu verhindern. Oder hinauszuzögern.
Und wer weiß: in einigen Jahren vielleicht den Typ-1-Diabetes überhaupt zu verhindern! Das Ganze von einem weltweit renommierten Forschungs-Team, in dessen Reihen auch Forscherinnen und Forscher sind, die selbst Typ-1-Diabetes haben. Kann da etwas schiefgehen? Oh ja!
„SCHE1SSTYP“: Ein Plakat ließ die Diabetes-Community beben
„Aufrütteln“ wollten „Aworldwithout1“ und das dahinterstehende Forschungs-Team. So stand auf dem ersten von mehreren Plakaten: SCHE1SSTYP („1“ für den Diabetes-Typ), darunter: Typ-1-Diabetes kann jeden treffen. Deshalb forschen, entwickeln und kämpfen wir für eine Welt ohne 1. Mehr unter aworldwithout1.de
Zielgruppe (auch der folgenden Plakate): Menschen ohne Diabetes … die Allgemeinbevölkerung eben. Sie können sich denken, was folgte, zum Beipiel auf Facebook (hier eine noch friedlich gestimmtere Auswahl): „Ich bin doch kein Scheisstyp!“ – „Ich möchte mich in aller Form von dieser Kampagne distanzieren“ – „Mir gefällt euer Ausdruck nicht, ist schon fast diskriminierend“ – „Aktion gut … Titel jedoch sch***“ – „1fach Grusel1g“ – „Sche1sskampagne!“
Dieses erste Plakat reichte aus, um die Diabetes-Community beben zu lassen. Häufigste Kritik war tatsächlich, dass viele Menschen mit Typ-1-Diabetes sich a) persönlich angegriffen fühlten: Nicht der Typ-1-Diabetes werde als Scheisstyp bezeichnet, sondern der Mensch mit Diabetes selbst. Und b) Diskriminierung werde durch den Terminus befeuert – so würden Kinder in der Schule und Menschen am Arbeitsplatz nun begrüßt: „Aha, da kommt ja unser Scheisstyp!“
Wieso die Kampgane zu Missverständnissen geführt hat…
Das Ziel der Kampagne ist ein sehr wichtiges, ganz ohne Zweifel. Und das Forschungsteam rund um Prof. Anette-Gabriele Ziegler (München) und viele andere ist ein sehr renommiertes, seriös, erfolgreich.
Folgende Umstände (und mehr) führten aus meinem Blickwinkel zu dem Missverständnis:
- Die wortspielerische Agentur hat (auch wenn diese gar nicht adressiert waren) im Vorfeld vielleicht zu wenige völlig unbefangene Menschen mit Typ-1-Diabetes nach der Wirkung des SCHE1SSTYP-Slogans auf sie selbst befragt.
- Viele der scharfen Kritiker haben sich mit der Kampagne erst beschäftigt, nachdem zunächst vernichtend kritisiert worden war.
- Einige haben durch ihren Diabetes Dinge des Lebens erfahren, die sie niemals mehr missen möchten: innige Freundschaften, intensives Körpererleben, eine tiefe Gefühlswelt. Der Typ-1-Diabetes ist für sie gar kein Scheisstyp.
- Wenn ich selbst von meinem Typ-1-Diabetes als Dia-Monster spreche oder als Dia-Sau, darf noch lange kein Dritter sagen, dass mein Diabetes ein Scheisstyp ist.
Fakt ist: Die Initiatoren der Kampagne haben schnell um Entschuldigung gebeten bei der Typ-1-Community für die Verärgerung – und früher als geplant weitere Plakatmotive gezeigt. Fakt ist auch, dass zehntausendemal zugegriffen worden ist auf die Website der Kampagne – „und so intensiv über Typ-1-Diabetes diskutiert wird wie selten zuvor“.
von Günter Nuber
Chefredaktion Diabetes-Journal, Kirchheim-Verlag,
Wilhelm-Theodor-Römheld-Straße 14, 55130 Mainz,
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90,
E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (3) Seite 43
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thomas55 postete ein Update vor 4 Tagen, 1 Stunde
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 4 Tagen, 19 Stunden
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 5 Tagen
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]












Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße