Sich wehren gegen Fahrerlaubnis-Entzug?

2 Minuten

© bildergala - Fotolia.com
Sich wehren gegen Fahrerlaubnis-Entzug?

Rechtsanwalt Oliver Ebert gibt Ihnen in der Diabetes-Journal-Rubrik Rechteck Antworten auf rechtliche und soziale Fragen rund um das Thema Diabetes.

Frage

Ich habe den Führerschein seit 1972 ohne Unfall und fahre die letzten 10 Jahre 15 000 km im Jahr. Durch auffälliges Fahrverhalten (gemeldet durch einen Dritten) wurde die Polizei auf mein Fahrzeug aufmerksam gemacht. Ich wurde von der Polizei angehalten, dabei habe ich einen Leitpfosten beschädigt. Zum Zeitpunkt des Unfalls war ich unterzuckert, dies wurde vom herbeigerufenen Rettungsteam bestätigt (gemessener Wert 70 mg/dl bzw. 3,9 mmol/l) und behandelt.

Der Fehler lag aber bei mir, ich hatte vor lauter Stress vergessen, den Blutzucker zu messen, und zuvor auch viel gespritzt. Normalerweise messe ich immer viel und spüre Unterzuckerungen auch rechtzeitig. Die Polizei hat trotzdem keine Anzeige erstattet, den Vorfall allerdings an die Straßenverkehrsbehörde gemeldet. Diese verlangte nun ein Gutachten. Ich ging dann zu einer Begutachtungsstelle, der Arzt dort meinte gleich, ich dürfe nicht mehr fahren.

Die Behörde hat mir nahegelegt, freiwillig den Führerschein abzugeben, da man mir ansonsten die Fahrerlaubnis entziehen wird. Kann ich mich hiergegen wehren?

Brigitte B., per E-Mail


Oliver Ebert:

Ohne Kenntnis der Akten kann man dazu leider keine konkrete Aussage treffen. Allerdings scheint mir in Ihrem Fall schon einiges schiefgelaufen zu sein: Wenn klar ist, dass es sich lediglich um einen Verhaltensfehler handelte und Sie Unterzuckerungen ansonsten zuverlässig wahrnehmen, dann ist die Auffassung des Gutachters ziemlich unverständlich und so wohl auch nicht richtig. Sie sollten daher keinesfalls den Führerschein freiwillig abgeben, sondern umgehend ein weiteres Gutachten bei einem Verkehrsmediziner einholen, der sich mit Diabetes auskennt.

Auf der Internetseite der Deutschen Diabetes Gesellschaft gibt es eine Suchfunktion, um nach diabetologisch qualifizierten Verkehrsmedizinern in Ihrer Nähe zu suchen: www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/arztsuche.html.

Teilen Sie der Behörde mit, dass Sie ein weiteres Gutachten vorlegen werden. Wenn der Arzt dort Ihre Fahreignung bestätigt, dann müsste die Behörde erhebliche, nachvollziehbare Gründe anbringen, um Ihnen dennoch den Führerschein wegzunehmen. In jedem Fall sollten Sie gegen einen solchen Bescheid umgehend Widerspruch einlegen; ich empfehle hierzu dann dringend gleich die Einschaltung eines auf Verkehrsrecht spezialisierten Fachanwalts.


von Oliver Ebert
REK Rechtsanwälte
Nägelestraße 6A, 70597 Stuttgart oder
Friedrichstraße 49, 72336 Balingen
E-Mail: Sekretariat@rek.de

Internet: www.diabetes-und-recht.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (11) Seite 62

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Maßnahmen der Bundesregierung: 66 Einsparvorschläge – was bedeutet das für Menschen mit Diabetes?
Die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken eingesetzte „FinanzKommission Gesundheit“ (FKG) hat am 30. März 2026 ihren Bericht vorgelegt. Darin werden 66 Einsparvorschläge eingebracht, um die Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ab 2027 zu stabilisieren. Was dies für Menschen mit Diabetes bedeuten könnte, erläutert die organisierte Selbsthilfe in einer gemeinsamen Stellungnahme.
Maßnahmen der Bundesregierung: 66 Einsparvorschläge – was bedeutet das für Menschen mit Diabetes? | Foto: highwaystarz – stock.adobe.com

3 Minuten

20. Hecker-Symposium: Chancen und Herausforderungen der Früherkennung des Typ-1-Diabetes
Früherkennung, neue Therapien und moderne Technologie – die Versorgung von Menschen mit Typ-1-Diabetes ist im Wandel. Beim 20. Hecker-Symposium in Stuttgart diskutierten Fachleute, Selbsthilfe und Betroffene über Chancen und Herausforderungen.
20. Hecker-Symposium: Chancen und Herausforderungen der Früherkennung des Typ-1-Diabetes | Foto: Johanna Weekes

3 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

  • moira postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag

    Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
    War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?

Verbände