- Leben mit Diabetes
Laubers Kolumne: Warum Krankenkassen Kranke lieben
3 Minuten
Krankenkassen lassen Kranke kränker machen und forcieren den Einsatz nicht notwendiger Medikamente. Prävention steht leider nicht hoch im Kurs, kritisiert unser Kolumnist Hans Lauber.
Wie oft musste ich mir diesen Satz anhören: „Die Krankenkassen sind doch ihre natürlichen Verbündeten“. Ginge es nach dem gesunden Menschenverstand, wäre das richtig. Denn meine präventive Lauber-Methode aus Messen, Essen und Laufen hilft, den Lifestyle- also Typ-2-Diabetes zu besiegen. Hunderte Leser haben mir geschrieben, dass das funktioniert, dass sie keine oder kaum mehr Medikamente brauchen.
Nur: Wenig zu melden hat der gesunde Menschenverstand in unserem Gesundheitssystem. In Wirklichkeit ist es so, dass meine Methode die Kreise der Kassen stört – was ich schon vor über zehn Jahren in meinem Bestseller „Fit wie ein Diabetiker“ beschrieben habe.
Darin habe ich präzise nachgewiesen, wie durch den „Risikostrukturausgleich“ (RSA) alle Kassen ein Interesse daran haben, dass gerade die chronisch Kranken, etwa Diabetiker, von den Ärzten kränker geschrieben werden, als sie tatsächlich sind – denn dadurch können sie mehr Geld aus diesem Topf erhalten. So wird eine an sich vernünftige Einrichtung pervertiert, denn ursprünglich sollte dieser Fonds dazu dienen, dass Kassen mit risikoreichen Patienten dafür einen finanziellen Ausgleich erhalten.
Prävention hatte nie eine wirkliche Chance!
Doch schnell verselbständigte sich das System zu einem Selbstbedienungsladen zu lasten der Patienten. Mir hat das damals viel Kritik gebracht – und dazu geführt, dass ich keinerlei Chancen mehr hatte, meine Methode auf Veranstaltungen der Kassen zu präsentieren. Was noch schlimmer ist als mein persönlicher Schaden: Das Prinzip Prävention hat gerade beim Diabetes nie eine wirkliche Chance bekommen – weshalb es auch jedes Jahr rund 300.000 neue Typ-2-Diabetiker gibt, denn „je kränker, desto besser“, wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) am 11. Oktober 2016 schreibt.
Jahrelang habe ich das Thema nicht weiter verfolgt, konnte nicht glauben, dass so ein krankes System sich so lange durchhalten lässt. Doch am 18. September 2016 berichtete die Welt am Sonntag in einem sorgfältig recherchierten Artikel unter dem Titel „Kranker Anreiz“, wie von den Kassen beauftragte Callcenter-Firmen an sich gesunde Patienten anrufen, ihnen sogar Angst machen, dass sie zum Arzt gehen – was zwar Kosten verursacht, aber den Kassen aus dem Finanzausgleich ein Mehrfaches einbringt.
Dass der „Abrechnungsbetrug“, so die SZ, immer noch funktioniert, hat nun Jens Baas, Chef der Techniker-Krankenkasse, in einem entlarvenden Interview vom 9. Oktober 2016 mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) bestätigt: „Es ist ein Wettbewerb unter den Kassen darüber entstanden, wer es schafft, die Ärzte dazu zu bringen, möglichst viele Diagnosen zu dokumentieren. Dann gibt es mehr Geld aus dem Risikostrukturausgleich. Zudem lassen sich die Kassen in diese Richtung beraten. Dafür fallen Honorare an. Für all das haben die Kassen seit 2014 eine Milliarde Euro ausgegeben. Das fehlt für die Behandlung der Patienten. Das ist ein Skandal“.
Natürlich hat der Chef der großen Krankenversicherung ein Eigeninteresse. Er will den RSA aushebeln, der vor allem der AOK zugute kommt. Trotzdem ist all das unfassbar – und es macht vor allem die Präventionsappelle lächerlich, die demnächst im Vorfeld des Weltdiabetestages am 14. November wieder kommen, gerade auch von den Organisationen, die sich öffentlich so gerne zum Wohl der Patienten aufstellen.
Schaden diese finanziellen Mauscheleien wenigstens kaum den Menschen (außer dass die Gefahr der Falschbehandlung besteht), birgt ein anderer Kassen-Mechanismus tatsächlich ein Schadenspotential: Es geht um die Verbindung der Disease Management Programme (DMP) mit dem Insulinverbrauch. Darüber habe ich auf Seite 119 meines Buches „Zucker zähmen“ anhand von Analysen des Berliner IGES-Instituts berichtet.
Vereinfacht gesagt, legen diese Analysen den Verdacht nahe, dass durch die DMPs rund einer Million Typ-2-Diabetikern Insulin verschrieben wurde, ohne dass es medizinisch unbedingt erforderlich gewesen wäre. Diese von vielen Experten häufig beklagte „Frühinsulinierung“ kann zu Nebenwirkungen wie Übergewicht und einem erhöhten Krebsrisiko führen.
Wird beim Insulinverschreiben immer noch weggeschaut?
Darüber habe ich mit dem Chef der Vorsorgeprogramme einer großen Krankenkasse gesprochen – und er hat diese Praktiken freimütig eingeräumt: „Ja, da haben wir nicht genügend aufgepasst, da gab es Strukturverträge, da hätten wir genauer hinschauen sollen“. Tja, hätte, hätte Fahrradkette, das Wohl oder Unwohl der Patienten spielt da keine Rolle, abgesehen davon, dass die Frühinsulinierung gigantische langfristige Kosten verursacht, denn einmal Insulin ist praktisch immer Insulin.
Aber, tröstete mich damals der Kassen-Mann: „Das ist doch alles Vergangenheit“. Wirklich?
Geld für Medikamente. Kein Geld für Prävention
Natürlich sind solche Praktiken kein Zufall, sondern logische Konsequenz unseres Systems: „Wir brauchen einen grundsätzlichen Systemwechsel. Die Ärzte müssen dafür bezahlt werden, die Menschen gesund zu machen. Heute lohnt es sich traurigerweise eher, die Patienten als Kranke zu behandeln. Wir haben eben prinzipiell ein Krankheits- und kein Gesundheitssystem“, fordert Prof. Rüdiger Landgraf, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Diabetes-Stiftung in „Zucker zähmen“.
Der renommierte Ernährungsmediziner Prof. Hans Hauner präzisiert diese Aussage ebenfalls in „Zucker zähmen“ bezüglich des Diabetes: „Für die Einleitung einer Insulin-Therapie wird der Arzt vergütet. Für die Erziehung zur Änderung des Lebensstils erhält er kein Honorar“. Und: „Mit Insulin wird auch viel Geld verdient“.
Wird sich das ändern, wird über diese kranken Strukturen endlich einmal offen gesprochen? Ich glaube nicht, denn in dem FAS-Interview sagt TK-Mann Jens Baas: „Transparenz ist ein Schreckgespenst im Gesundheitswesen“.
von Hans Lauber
- E-Mail: aktiv@lauber-methode.de
- Internet: www.lauber-methode.de
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wolfgang65 postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 4 Stunden, 48 Minuten
Liebe Leute, ich habe zwei neue Erfahrungen mach dürfen, die Ursächliche nicht so schön, woraus die 2. Erfahrung (notwendig gut) resultiert!
Ich bin kein Liebhaber von Zahnärzten und meine dort geführte Gesundheitsakte ist mit einem riesigen “A” für Angspatient gezeichnet. Ende letzten Jahres ist mir beim letzten verbleibenden Weisheitszahn (nie Schmerzen gemacht) größeres Teil abgebrochen, ZA meint, da geht er nicht bei, weil Zahn quer liegt, allso OP, und danach könnte man sich über Zahnersatz unterhalten … ich natürlich in Schockstarre gefallen, – gleich am selben Tag bei OP-Zahnarzt Termin gemacht, vor Weihnachten nix mehr möglich, gleich Anfang Januar Termin bekommen, Röntgenbild lag dem Chirugen bereits vor. Vieles wurde besprochen, auch der Zahnersatz, wobei der Chirug gleich meinte, dass ausser WZ wohl 3 weitere Zähne raus müssten. Schock nr. 2! Ich wollte mir aber noch 2Meinung einholen und fand Dank guten Rat von Bekannten, einen anderen Zahnarzt, dem ich mein Leid und Angst ausführlich schildern konnte und der auch zum erstenmal die Diabetes in Spiel brachte … kurz um ein bisher bestes aufklärendes Gespräch, wie weit Diabetes auch auf die Zahne und Zahnfleisch gehen kann. Bei mir Fazit Paradontites. (die 1. unschöne Erfahrung). Der Weisheits- und daneben liegende Zahn sind inzwischen raus, – war super gute und schmerzfreie OP, danach keinerlei Schmerzen, durfte allerdings auch Antibiotika nehmen. Die 2. Erfahrung: ich konnte meine Insulindosies halbieren, – bei 10 Tg. Antbiotika, und nun 15 ohne Medizin noch anhaltend niedrige Insulinmenge, mit steigender festen Nahrungsaufnahme.
Heute bei Diabetologen bestätigt, das Diabetiker besonders auf Ihre Zähne und Zahlfleich achten sollten. Da frage ich mich warum der Zahnarzt da nicht im Vorsorgekatalog von DMP aufgenommen ist.
LG Wolfgang
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laila postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 23 Stunden, 56 Minuten
Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!
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suzana antwortete vor 22 Stunden, 3 Minuten
Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter! -
laila antwortete vor 19 Stunden, 26 Minuten
@suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊
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wolfgang65 antwortete vor 5 Stunden, 14 Minuten
Hallo Leila, auch von mir ein herzliches willkommen. Auch meine Geschichte liest du im weiteren Verlauf.
Zur “chronisch kalfizierende Pankreatitis” kann ich nix sagen, da ist immer das Gespräch mit dem Arzt/Diabetologen vorzuziehen, wie in allen Gesundheitsfragen. Was sagen Ärzte dazu, auch wg. der NICHTzunahme an Gewicht. Wenn ich mit einem Arzt nicht kann, oder dieser mir nicht ausreichende Infos gibt, schaue ich mich nach einem anderen Arzt/Diabetologen um, das ist Dein Recht, es geht um Deine Gesundheit!
Sollte mit der Nichtzunahme noch mehr dahinter Stecken, vielleicht
auch mal einen Psychologen in Deine Überlegung ziehen. Oder eine auf dich zugeschnittene Diabetes Schulung o.Ä., auch hier sollte Dich ein guter Diabetologe aufklären können.Soweit was mir im Moment einfällt. Lass es Dir gut gehen.
Gruss Wolfgang
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michatype3 antwortete vor 4 Stunden, 50 Minuten
Hey Laila, du kannst mir gerne hier im Typ 3c Bereich oder via PN schreiben. Ich bin gerade zwar etwas gesundheitlich angeschlagen, versuche aber, so gut es geht zu antworten.
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vio1978 postete ein Update vor 2 Tagen, 10 Stunden
Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀
