„Warum tut die Politik nicht, was sie muss?“

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„Warum tut die Politik nicht, was sie muss?“

Geradlinig, glaubwürdig, kompetent: In einem Fernsehbeitrag des Polit-Magazins „Report Mainz“ zur Nationalen Diabetes-Strategie kam auch die Diabetiker Allianz (DA) zu Wort. Die Reaktionen in unserer Redaktion nach der Ausstrahlung: So funktioniert professionelle Diabetes-­Selbsthilfe. Und so sieht gute Diabetes-Aufklärung aus, wie sie auch die Diabetes-Strategie fordert.

Kamera läuft! Ein Fernsehteam des SWR hat sich in der Bundesgeschäftsstelle des Deutschen Diabetiker Bundes (DDB) in Berlin aufgestellt. Die Kameraleute filmen die DDB-Bundesvorsitzende Sandra Schneller und Klaus Warz, Vorsitzender der Deutschen Dia­betes Föderation (DDF), am Besprechungstisch.

Was sich da gerade in einem kleinen Konferenzraum im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg abspielt und den halben Tag dauert, werden später Tausende von Zuschauern live im Fernsehen oder wahlweise in der Online-Mediathek sehen: einen TV-„Siebenminüter“, in dem auch ein Patient mit Typ-2-Diabetes über seinen täglichen Kampf mit der Krankheit berichtet und eine Grünen-Politikerin der gesamten Regierung „Versagen“ vorwirft, weil die Dia­betes-Strategie immer noch fehlt.

Als Sprecher der Deutschen Dia­betiker Allianz kritisiert daneben Klaus Warz das Nichthandeln der Politik und den Frust darüber in der Diabeteswelt: „30 Jahre warten wir schon. Das sind 30 Jahre zu viel, zumal rings um uns in Europa die meisten Länder eine Nationale Diabetes-Strategie haben. Das ist nicht hinnehmbar.“

DA: Dringender Handlungsbedarf!

Unter dem Dach der DA haben sich die 4 großen Diabetes-Selbsthilfeverbände 2018 zusammengetan: der DDB, die DDF, der Dia­betikerbund Bayern und die Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M), um auf politischer Ebene mit einer Stimme für die Interessen aller Diabetespatienten anzutreten und die Nationale Diabetes-Strategie endlich zum Erfolg zu führen. Das war übrigens im selben Jahr, als man die Diabetes-Strategie wörtlich in den Koalitionsvertrag schrieb.

Aktuell ist diese wieder ins Stocken geraten. Mehr noch: Die Strategie droht an einem Streit im Gesundheitsausschuss des Bundestags über die Zuckerreduktion in Lebensmitteln zu scheitern. Doch diese ursprüngliche Forderung der Fachgesellschaft (Deutsche Diabetes Gesellschaft) ist auch laut DA ein Muss: „Die Zuckermenge ist der wichtigste Faktor bei der Bekämpfung von Übergewicht“, heißt es u. a. in einem neuen Positionspapier der Allianz, das auch in dem Filmbeitrag erwähnt wird.

Die Diabetiker Allianz (DA)


Die Diabetiker Allianz wurde als Arbeitsgemeinschaft durch die vier großen Selbsthilfeverbände Deutschlands gegründet:

„Nicht zu handeln ist keine Option!“, kritisiert die DA darin und stellt 6 Forderungen auf: zu der Diabetesversorgung, den Disease-Management-Programmen, der Inklusion in Kita und Schule, der Prävention, der Digitalisierung und der Patientenvertretung. Diesem Papier war schon ein offener Brief der Diabetiker Allianz an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vorausgegangen. Das Schreiben unterstrich nochmals die nötige Umsetzung der Strategie, blieb bislang aber unbeantwortet.

„Millionen von Menschen müssen wissen, wie gefährlich der Dia­be­tes in seiner Langzeitwirkung ist. Und wenn sie an Folgeerkrankungen sterben, dann, weil der Diabetes zu spät erkannt wurde. Deswegen ist hier dringender Handlungsbedarf, was die Aufklärung betrifft, und das muss schon in der Schule beginnen“, betonte Klaus Warz gegenüber Report Mainz.

Auch das Deutsche Ärzteblatt hat vor kurzem über die stockende Strategie und die aktuelle Blockadepolitik in Ernährungsfragen in einem kritischen Artikel berichtet.


von Angela Monecke
Redaktionsbüro Angela Monecke,
Kopenhagener Str. 74, 10437 Berlin,
E-Mail: angelamonecke@aol.com

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (4) Seite 48-49

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