Abschluss-Konferenz des Forschungsprojekts „OPEN“

3 Minuten

© The Open Project
Abschluss-Konferenz des Forschungsprojekts „OPEN“

Welche Rolle spielt das Open-Source-Prinzip in der Diabetes-Community? Welche Potenziale hat es für die Diabetes-Versorgung und welche Risiken birgt es? Diesen Fragen ist das Projekt OPEN (Outcomes of Patients‘ Evidence with Novel, Do-it-Yourself Artificial Pancreas Technology) nachgegangen. Die Forschungsergebnisse werden nun vor dem nahenden ATTD-Kongress (Advanced Technologies and Treatment) auf einer Abschluss-Konferenz vorgestellt.

Über drei Jahre hinweg hat ein internationales Team im Projekt OPEN (Outcomes of Patients‘ Evidence with Novel, Do-it-Yourself Artificial Pancreas Technology) verschiedene Aspekte von Do-it-Yourself Artificial Pancreas Systemen (Artifizielle Pankreas-Systeme, kurz: DIY APS) erforscht.

Das interdisziplinäre Team umfasst Menschen aus der Klinik, der Forschung, der Informatik, Patientenorganisationen, sowie Patientinnen, die selbst Innovationen vorantreiben. Im Rahmen einer Abschlusskonferenz vor dem Start des ATTD-Kongresses (Advanced Technologies and Treatment) in Berlin präsentiert die Gruppe nun ihre Ergebnisse und stellt vor, welches Potenzial Open-Source für die Diabetes-Versorgung und das Gesundheitswesen hat.

Innovation aus der Community

Der Weg von Innovationen im Bereich des Gesundheitswesens verläuft üblicherweise „von oben nach unten“ (Top-Down). Dies gilt insbesondere für Medikamente oder bei der Produktion von technischer Hardware. Patienten und Patientinnen sind in deren Entwicklungsprozess gegebenenfalls an Studien oder Fokus-Gruppen beteiligt, dann aber in der Regel erst wieder zum Schluss als Nutzende der Endprodukte involviert.

Ein entgegengesetzter Trend lässt sich jedoch schon seit einiger Zeit im Bereich digitaler Innovationen beobachten. Aus dem Wunsch heraus, passgenaue Lösungen für individuelle Bedürfnisse zu schaffen, nehmen Neuerungen ihren Ursprung oftmals beim Endverbraucher. Sie folgen also eher dem sogenannten Bottom-Up-Prinzip – „von unten nach oben”.

Die Diabetes-Community ist ein gutes Beispiel dafür: Hier wächst die Gruppe derjenigen, die technisch selbst aktiv werden, indem sie ein System zur automatisierten Insulindosierung verwenden, das sie auf Basis eines Open-Source Codes steuern. Dabei wird zwischen bereits verfügbaren kommerziellen Hardware-Systemen, also einer Insulinpumpe und einem Glukosesensor, mittels eines Algorithmus eine Schleife (Loop) hergestellt. Die Verbindung dieser zwei Geräte, die von den Herstellern nicht zwingend vorgesehen ist, bzw. die Nutzung eines nicht offiziell zugelassenen Algorithmus, kann unter Umständen ein individuelleres und verbessertes Diabetes-Management ermöglichen.

Zugang zu Diabetes-Technologie für alle

Zu verdanken ist diese Entwicklung den von Patienten angeführten Open-Source-Initiativen. Projekte wie #OpenAPS (The Open Articifial Pancreas System Project), LoopDocs oder AndroidAPS stellen den für die Steuerung eines selbstgebauten AID-System notwendigen Algorithmus kostenfrei für alle zur Verfügung. Innerhalb der jeweiligen Communitys unterstützen sich Anwendende und Interessierte gegenseitig.

Ziel dieser Communitys ist es, eine sichere und wirksame Basistechnologie für künstliche Pankreassysteme einer breiten Masse zugänglich zu machen und damit das Leben möglichst vieler Menschen mit Diabetes zu verbessern. Viele Menschen, die diese selbstgebauten AID-Systeme nutzen, berichten von einer Verbesserung ihrer Lebensqualität mit deutlich verbesserten Glukosewerten: weniger Schwankungen, weniger extreme Glukosewerte und mehr Zeit im Zielbereich, dadurch insbesondere auch ruhigere Nächte und mehr Entspanntheit im Alltag.

Forschung zu DIY-APS

Das Forschungsprojekt OPEN hat daher in den vergangenen drei Jahren untersucht, welches Potenzial von Open-Source-Innovationen für die Diabetes-Versorgung ausgeht. Ziel des Projekts war es einerseits, eine empirische Beweisgrundlage für die klinische Wirksamkeit von DIY-APS zu schaffen. Unter anderem waren die Mitglieder der Looper-Community zu diesem Zweck dazu aufgefordert, ihre persönlichen Daten zu Glukosewerten und Insulindosierung im Rahmen einer Umfrage zur Verfügung zu stellen und über ihre Erfahrungen mit DIY-APS zu berichten. Die Forschenden stellten auch Fragen zu den Herausforderungen und etwaigen Nachteilen der Nutzung von DIY-APS.

Abschluss-Konferenz in Berlin

Auf der Abschluss-Konferenz sollen neben den Forschungsergebnissen auch die Zukunft von Open-Source-AID-Systemen diskutiert sowie der Frage nachgegangen werden, welche weiteren Innovationen (z. B. kostengünstige, quelloffene 3D-gedruckte Insulinpumpen) sich am Horizont abzeichnen. Die Abschluss-Konferenz findet am 22. Februar auf dem Campus des Virchow-Klinikums der Berliner Charité statt. Interessierte können sich kostenfrei dafür registrieren. Auch eine virtuelle Teilnahme über MS Teams ist möglich.


von Redaktion Diabetes-Anker

Das Redaktionsteam des Diabetes-Ankers besteht aus erfahrenen Journalistinnen und Journalisten – teils mit medizinischem und naturwissenschaftlichem Hintergrund sowie selbst von Diabetes betroffen – die seit vielen Jahren zum Thema Diabetes publizieren.

mit Materialien von open-diabetes.eu

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Diabetes-Anker-Podcast – „Höhen & Tiefen“: Wie war für dich die erste Flugreise mit Typ-1-Diabetes, Katharina?
Diabetes-Anker-Podcast – „Höhen & Tiefen“: Wie war für dich die erste Flugreise mit Typ-1-Diabetes, Katharina? | Foto: Victoria Tomaschko

2 Minuten

Mit Typ-1-Diabetes: Auf in die Schule nach Spanien!
Von ihrem Typ-1-Diabetes ließ sich Juliana Heidenreich nicht von ihrem Traum abhalten, ein halbes Jahr in Spanien zur Schule zu gehen. Gut vorbereitet zusammen mit ihrer Familie konnte sie die Zeit bei ihrer Gastfamilie genießen.
Mit Typ-1-Diabetes: Auf in die Schule nach Spanien! | Foto: privat

8 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 4 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 4 von 6 )
    66.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%