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AID-Systeme: oft indiziert, selten eingesetzt
4 Minuten
Moderne Diabetes-Technologien unterstützen zunehmend die Diabetestherapie vieler Menschen mit Diabetes. Zu diesen Technologien gehören zum Beispiel die kontinuierliche Glukosemessung, Insulinpumpen und Systeme zur automatisierten Insulin-Dosierung (AID-Systeme). Darüber, für wen AID-Systeme aus Sicht von Diabetologen geeignet sind, und über viele weitere Themen informiert eine 2021 für den Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes 2022 (D.U.T-Report 2022) durchgeführte Umfrage unter 305 Ärztinnen und Ärzten.
Die Technologie, die einer künstlichen Bauchspeicheldrüse (artifizielles Pankreas) heute am nächsten kommt, sind Systeme zur automatisierten Insulin-Dosierung (AID-Systeme). Solche Systeme bestehen aus einem System zur kontinuierlichen Glukosemessung, einer Insulinpumpe und einem Algorithmus, der die beiden Geräte verbindet. Der Algorithmus gibt auf der Grundlage der gemessenen Gewebezuckerwerte, der aufgenommenen Kohlenhydrat-Mengen und der geplanten Bewegung automatisch die passenden Insulin-Mengen ab. Eine Heilung ist das nicht, denn auch ein Automatismus kann nicht alles berücksichtigen, was im menschlichen Körper passiert. Dennoch können AID-Systeme die Glukosewerte besser stabilisieren als bisher verfügbare Therapien und Menschen mit Diabetes das Management ihrer Stoffwechsel-Störung erleichtern.
Von AID-Systemen können viele Menschen mit Diabetes profitieren
Fragt man Ärztinnen und Ärzte, wie viele Menschen mit Diabetes aus ihrer Sicht von einem AID-System profitieren würden – wie für den D.U.T-Report 2022 geschehen –, ergeben sich für Menschen mit Typ-1-Diabetes hohe Prozentzahlen. Laut Umfrage sind die Ärztinnen und Ärzte der Meinung, dass AID-Systeme für 79,0 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes geeignet seien. Bei den Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes sind es 71,3 Prozent und für 70,7 Prozent der Schwangeren halten sie AID-Systeme für indiziert. Auch für Menschen mit Typ-2-Diabetes werden solche automatisierten Systeme nicht ausgeschlossen: Eine Indikation sehen die Befragten für 31,6 Prozent derjenigen mit einer intensivierten Insulintherapie (ICT) und für 11,1 Prozent mit einer anderen Form der Insulintherapie wie einer basalunterstützten Insulintherapie (BOT), einer supplementären Insulintherapie (SIT) und einer konventionellen Insulintherapie (CT). Ob die Kosten für die AID-Systeme für die einzelnen Patientengruppen von den Krankenkassen übernommen werden, spielte für die Antwort in Bezug auf die grundsätzliche Indikation keine Rolle – es ging nur um die medizinische Bewertung.

AID-Systeme: Indikation für die meisten Menschen mit Typ-1-Diabetes
AID-Systeme werden in der Realität bisher selten eingesetzt
Die Realität sieht bisher ganz anders aus, wie die Umfrage-Ergebnisse zeigen: Pro Praxis setzen im Durchschnitt 4,5 Prozent der Menschen mit Typ-1-Diabetes ein kommerziell verfügbares AID-System ein und 1,2 Prozent ein selbst gebautes (do it yourself, DIY). Menschen mit Typ-2-Diabetes werden aktuell nahezu nicht mit AID-Systemen versorgt: Im Durchschnitt geben die Ärztinnen und Ärzte einen Prozentsatz 0,1 Prozent für kommerziell verfügbare und für DIY-AID-Systeme an. Gefragt nach den wichtigsten Themenfeldern der Digitalisierung, standen bei der aktuellen Umfrage der Ärztinnen und Ärzte und auch der Menschen mit Diabetes bzw. der Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes die AID-Systeme auf Rang 1. Fragt man Menschen mit Diabetes oder Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes, erwarten diese durch AID-Systeme eine größere Selbstständigkeit im Diabetes-Management.
Fazit: AID-Systeme halten diabetologisch erfahrene Ärztinnen und Ärzte für viele Menschen mit Diabetes für indiziert – häufiger für Menschen mit Typ-1- als mit Typ-2-Diabetes. Aktuell verwenden aber deutlich weniger Menschen ein AID-System, sei es kommerziell verfügbar oder DIY.
AID-Systeme im Alltag der Diabetes-Schwerpunktpraxen
Intensiv mit AID-Systemen befassen sich auch Dr. Andreas Lueg, Hameln, und Dr. Nikolaus Scheper, Marl, in ihrem Beitrag im D.U.T-Report 2022. Für die beiden niedergelassenen Diabetologen ist klar: „Der fortschreitende technische Fortschritt bei den AID-Systemen erfordert schon jetzt eine intensive Fortbildung aller Praxismitarbeitenden.“ Denn AID-Systeme sind nicht selbsterklärend und komplex in der Anwendung. Das bedeutet: „Patientinnen und Patienten, die mit AID-Systemen behandelt werden sollen, müssen intensiv geschult werden.“ Was dies alles für die zukünftige Versorgungslandschaft für Patienten mit AID-Systemen bedeutet, beantworten die beiden Autoren des D.U.T-Reports in ihrem Artikel, den Sie in voller Länge hier lesen können.
Die Umfrage
Zum vierten Mal nach 2018, 2019 und 2020 zeigt eine wissenschaftlich geleitete Umfrage, inwieweit digitale Anwendungen in Deutschland schon in der klinischen Praxis genutzt werden und wie Diabetologen gegenüber der Digitalisierung eingestellt sind. In diesem Jahr haben 305 Ärztinnen und Ärzte teilgenommen, die diabetologisch tätig sind. Durchgeführt wurde die Befragung vom Forschungsinstitut der Diabetes Akademie Bad Mergentheim (FIDAM) in Zusammenarbeit mit dem zukunftsboard digitalisierung der Berlin-Chemie AG und mit Unterstützung des Bundesverbandes Niedergelassener Diabetologen (BVND), des Verbandes der niedergelassenen Diabetologen Niedersachsens (VNDN), des Bundesverbandes Klinischer Diabetes-Einrichtungen (BVKD) und des Wissenschaftlichen Instituts der niedergelassenen Diabetologen (winDiab).
2021 wurden zudem Menschen mit Diabetes bzw. Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes nach ihrer Sicht auf neue Technologien und die digitalen Möglichkeiten der Diabetestherapie gefragt. 2417 Menschen mit Diabetes bzw. Eltern haben an der Umfrage teilgenommen – davon sind 57,8 Prozent Menschen mit Typ-1-Diabetes, 20,7 Prozent Menschen mit Typ-2-Diabetes und 19,0 Prozent Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes. 2,5 Prozent der Befragten gaben an, einen „sonstigen Diabetes-Typ“ zu haben. Zur Befragung eingeladen wurden Menschen mit Diabetes über verschiedene Medien (u.a. Diabetes- Journal), Selbsthilfeverbände, Pressemitteilungen und Social-Media-Aktivitäten.
Die Ergebnisse sowohl der Ärzte-Umfrage als auch der Umfrage unter Menschen mit Diabetes/Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes sowie weiterführende Artikel wurden im D.U.T-Report veröffentlicht; dieser ist abrufbar unter dut-report.de.
Der Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes
In diesem Report beschreiben die Autorinnen und Autoren die wichtigsten Fakten und Entwicklungstrends zu verschiedenen Aspekten der Digitalisierung und Technologisierung in der Diabetologie. Durch die Beiträge wird deutlich, auf wie vielen und wie unterschiedlichen Ebenen Digitalisierung und Technologie mittlerweile in die Diabetestherapie eingreifen. Die Artikel sollen helfen, praxistaugliche Lösungen zu finden, die künftig zu einer modernen und patientenorientierten Diabetologie gehören können. Zudem ist die eingehende Analyse der Umfrage-Ergebnisse ein Teil des D.U.T-Reports.
Der Report erscheint im Kirchheim-Verlag, die Herausgeber sind Prof. Dr. Bernhard Kulzer und Prof. Dr. Lutz Heinemann. Unterstützt wird der D.U.T-Report von der Berlin-Chemie AG mit seinem zukunftsboard digitalisierung (zd), mit dem das Unternehmen zusammen mit führenden Experten den Digitalisierungsprozess in der Diabetologie in Deutschland aktiv vorantreibt.
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser Pressemitteilung wie auch im D.U.T-Report oftmals die männliche Sprachform verwendet. Dies soll keine Benachteiligung anderer Geschlechter implizieren, sondern im Sinne der sprachlichen Vereinfachung geschlechtsneutral verstanden werden.
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stephanie-haack postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 1 Woche, 4 Tagen
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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moira postete ein Update vor 3 Wochen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
