Diabeloop: der Arzt in der Hosentasche

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Diabeloop: der Arzt in der Hosentasche

Das Unternehmen Diabeloop will in naher Zukunft seinen neuen Algorithmus auf den Markt bringen: „DBLG1“ ist selbstlernend und soll laut Geschäftsführer Marc Julien „ein intelligentes Miteinander“ gewährleisten von Insulinpumpe und kontinuierlicher Glukosemessung (CGM), sprich: ein Hybrid-Closed-Loop-System. DBLG1 ist auf einem handyähnlichen „Handset“. Das französische Unternehmen war zu Gast bei uns im Kirchheim-Verlag.

Warum nicht den Arzt in die Hosentasche packen?“, so Marc Julien, einer der beiden Geschäftsführer von Diabeloop (Grenoble) – „dies fragten wir uns, als die neuen Technologien rund um Insulinpumpe und kontinuierliche Glukosemessung aufkamen.“ So wurde im Jahr 2015 Diabeloop gegründet, hervorgegangen aus einem medizinischen Forschungsprojekt, gut vernetzt mit internationalen Diabetes-Zentren – und kooperierend auch mit dem Institut CEA-Leti, wie Julien in Mainz erklärte.

Algorithmus: „Technologisch zukunftsweisend“

Einfach gesagt ermöglicht der Algorithmus DBLG1 ein Hybrid-Closed-Loop-System. Auf das Handset wird per Bluetooth alle 5 Minuten ein Glukosewert übertragen. Der Algorithmus analysiert die Daten und berücksichtigt selbstlernend auch die Physiologie des Benutzers sowie eingegebene Standardparameter: Gewicht, Tagesinsulindosis sowie die Kohlenhydratmenge (für kleine, durchschnittliche und große Mahlzeiten).

Daraus berechnet DBLG1 eine Insulindosis, die über die Pumpe abgegeben wird. Eingestellt werden können auch Glukosezielbereich, Hypoglykämie-Schwelle etc. Derzeit kompatibel ist DBLG1 mit dem CGM-System „Dexcom G6“ und der Patch-Insulinpumpe „Kaleido“. Viele weitere Systeme sollen dazukommen.

„DBLG1“-Algorithmus auf dem Handset: Selbstlernend soll er ein intelligentes Miteinander von Insulinpumpe und kontinuierlicher Glukosemessung (CGM) gewährleisten.

„Wir sind eine Software-Firma“, sagt Julien, „wir fertigen keine Insulinpumpe, kein CGM und auch nicht das Handset“ – aber was man geschaffen habe, diesen Algorithmus, das sei „technologisch zukunftsweisend in der Behandlung des Diabetes“! Aus Sicherheitsgründen ist der Algorithmus nicht in einer App, sondern auf dem speziell dafür entwickelten Handset – es geht um Cyber-Sicherheit und darum, Risiken auszuschließen, so Julien. Das System benötigt kein Internet.

Unter- und Überzuckerungen sowie Alltagslast reduzieren

Ein selbstlernender Algorithmus, der erkennt, dass z. B. immer Montagmorgen Hypoglykämie-Zeit ist beim Benutzer, und der rechtzeitig Vorkehrungen trifft – „das ist genau das, wo wir hinwollen“, sagt Dr. Christian Krey, der u. a. für den deutschen Markt zuständig ist. Denn Priorität habe, Unterzuckerungen, Überzuckerungen sowie die Alltagslast der Menschen mit Typ-1-Diabetes zu reduzieren.

Spannenden Fragen will man auf den Grund gehen – wie: Welche Kriterien müssen erfüllt sein, dass ein Mensch, in unserem Fall ein Mensch mit Diabetes, einer Maschine (hier: dem Algorithmus) vertraut? Mehr dazu demnächst.


von Günter Nuber
Chefredaktion Diabetes-Journal, Kirchheim-Verlag,
Wilhelm-Theodor-Römheld-Straße 14, 55130 Mainz,
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90,
E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (4) Seite 13

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