- Technik
Ernst und absurd: die Inhalte von diatec und t1day 2024
4 Minuten

Etwa 850 Diabetes-Profis nahmen 2024 Ende Januar am deutschen Kongress für Diabetes-Technologie, der diatec, teil. Davon hatten sich 330 Personen virtuell zugeschaltet. Beim anschließenden Tag für Menschen mit Diabetes, dem t1day, waren etwa 400 Menschen in Berlin. Die Programme beider Veranstaltungen waren vielfältig und boten für jeden viele Informationen.
Wenn sich trotz eines mehrtägigen Bahnstreiks Hunderte Diabetes-Expertinnen und -Experten sowie anschließend auch Menschen mit Diabetes und ganze Familien auf den Weg nach Berlin machen, spricht das für den Reiz der beiden Veranstaltungen: die diatec für die Profis und der t1day für die Menschen mit Diabetes. Bei diesen Veranstaltungen geht es vor allem um die Technologien bei Diabetes. Veranstalter war seit diesem Jahr das diateam mit Sitz in Bad Mergentheim.
Spezialisierung: ja oder nein?
Interessante Aussagen und Highlights kamen dort von den Referentinnen und Referenten. Zum Beispiel ging es um die Frage, ob wir ärztliche Zentren benötigen, die sich speziell bezüglich der automatisierten Insulin-Dosierung (AID) und der entsprechenden Systeme weitergebildet haben. Diabetologe Dr. Stefan Gölz aus Esslingen meinte: “Brauchen wir spezialisierte AID-Zentren? Ja, unbedingt!” Hingegen sagte Dr. Hansjörg Mühlen, Diabetologe aus Duisburg: “Wir brauchen eine Qualifikation aller Praxen in diesem Gebiet!”
Formel-1-Wagen in der Auto-Werkstatt?
Und wer darf Diabetes-Technologien verordnen und Menschen damit betreuen? “Ich glaube nicht, dass wir sagen: Technologie darf nur einer machen. Aber es gibt bestimmte Technologien, die kann nicht jeder machen”, ist sich Toralf Schwarz, Vorsitzender des Bundesverbands Niedergelassener Diabetologen, sicher. “Niemand käme auf die Idee, einen Formel-1-Wagen in seiner Auto-Werkstatt reparieren zu lassen.”
Zauberwort: Vernetzung
Auch die Botschaft von Dr. Markus Beier, Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, lautete: “Ja, es gibt Dinge, die gehören in die Hand von spezialisierten Zentren. Aber lassen Sie uns bei der Entwicklung dessen, was auf uns zukommt in der Zukunft, sagen: Wie können wir gestuft, gesteuert und möglichst wenig fragmentiert die Patientinnen und Patienten versorgen?” Hintergrund dieser Botschaft ist auch das Problem der zur Verfügung stehenden Ressourcen angesichts der zunehmenden Zahl von Menschen mit Diabetes, die zu betreuen und zu versorgen sind. Diabetologin Dr. Karin Schlecht aus Eisenach brachte es in der Diskussion auf den Punkt: “Für mich wäre das Zauberwort: Vernetzung!”

“Spritzen Sie 36 mg/dl Insulin”
Auch künstliche Intelligenz (KI) kann zukünftig immer mehr unterstützen. Aber wir sollten auch deren Grenzen kennen. Dr. Volker Busch aus Regensburg warnte: “Das Bewusstsein fehlt nach wie vor, es fehlt das logische Denken.” PD Dr. Dominic Ehrmann, Psychologe aus Bad Mergentheim, zeigte an einem Beispiel, was passiert, wenn man eine KI fragt, wie man sich bei steigenden Glukosewerten nach einer Mahlzeit verhalten soll. Zwei der Empfehlungen der KI: “Wenn Ihr Korrekturfaktor 20 mg/dl beträgt, sollten Sie 36 mg/dl Insulin spritzen.” Und weiter: “Speisen Sie 15 – 30 Gramm Kohlenhydrate. Dies wird dazu beitragen, den Glukoseanstieg zu stoppen und den Wert zu senken.” Würden Sie einer KI, die solch falsche Empfehlungen gibt, jemals trauen?
Test-Objekt Banane
Auch Dr. Guido Freckmann vom Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Technologie (AGDT) warnte auch in anderer Hinsicht. Die AGDT bekomme immer wieder Anfragen wie: “Da gibt es solche Uhren, die den Zucker messen. Wie gut sind die denn?” Er bestellte drei Armbanduhren zum Messen des “Blutzuckers” im Internet, die explizit nicht als Medizinprodukte deklariert waren. Zwei konnte er untersuchen, bei der dritten konnte man die Werte nicht auslesen. Beide am rechten Arm eines Mitarbeiters getesteten Uhren zeigten Glukosekurven – die nicht wirklich übereinstimmten und zu den mit einem Glukosesensor gemessenen Werten gar nicht passten.

Am nächsten Tag trug er die Uhrem am linken Arm – und die Kurven waren identisch wie am Vortag. Als er die Uhren daraufhin um eine Banane legte – bekam er dieselben Kurven wie an den beiden Vortagen! Die Uhren tragen ein CE-Kennzeichen, haben also vermeintlich eine Zulassung, aber, so Freckmann: “Die Buchstaben sind zu eng beieinander. Das ist nicht CE, sondern China Export.”
Individuelle Entscheidungen
In einer Podiusmdiskussion sprachen Menschen mit Typ-1-Diabetes über unterschiedliche Ansichten zur Therapie-Entscheidung. Zur Frage, welche Systeme – Insulinpen, Insulinpumpe, Blutzucker-Messung oder kontinuierliches Glukose-Monitoring (CGM) – man nutzen möchte, betonte Influencerin Kathi Korn: “Es ist ganz wichtig, dass jeder sein System findet.”
Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den Veranstaltungen. Im Jahr 2025 geht es weiter: diatec für die Profis ist geplant vom 23. bis 25. Januar, der t1day für Menschen mit Diabetes soll am 26. Januar in Berlin und virtuell stattfinden. Informationen dazu gibt es unter www.diatec-fortbildung.de und www.t1day.de.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2024; 72 (3) Seite 10-11
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lena-schmidt postete ein Update vor 5 Tagen, 19 Stunden
Am Mittwoch um 19 Uhr findet das nächste Community-MeetUp via Teams statt. Alle sind herzlich eingeladen! Alle Infos findet ihr hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-august-2026/
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Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 12. August! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]
thomas55 postete ein Update vor 1 Monat
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Monat
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?- ole-t1 antwortete vor 1 Monat
Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße





