Ernst und absurd: die Inhalte von diatec und t1day 2024

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© t1day/Mike Fuchs
Ernst und absurd: die Inhalte von diatec und t1day 2024

Etwa 850 Diabetes-Profis nahmen 2024 Ende Januar am deutschen Kongress für Diabetes-Technologie, der diatec, teil. Davon hatten sich 330 Personen virtuell zugeschaltet. Beim anschließenden Tag für Menschen mit Diabetes, dem t1day, waren etwa 400 Menschen in Berlin. Die Programme beider Veranstaltungen waren vielfältig und boten für jeden viele Informationen.

Wenn sich trotz eines mehrtägigen Bahnstreiks Hunderte Diabetes-Expertinnen und -Experten sowie anschließend auch Menschen mit Diabetes und ganze Familien auf den Weg nach Berlin machen, spricht das für den Reiz der beiden Veranstaltungen: die diatec für die Profis und der t1day für die Menschen mit Diabetes. Bei diesen Veranstaltungen geht es vor allem um die Technologien bei Diabetes. Veranstalter war seit diesem Jahr das diateam mit Sitz in Bad Mergentheim.

Die Programme von diatec und t1day boten für jeden viele Informationen. | Foto: MedTriX

Spezialisierung: ja oder nein?

Interessante Aussagen und Highlights kamen dort von den Referentinnen und Referenten. Zum Beispiel ging es um die Frage, ob wir ärztliche Zentren benötigen, die sich speziell bezüglich der automatisierten Insulin-Dosierung (AID) und der entsprechenden Systeme weitergebildet haben. Diabetologe Dr. Stefan Gölz aus Esslingen meinte: “Brauchen wir spezialisierte AID-Zentren? Ja, unbedingt!” Hingegen sagte Dr. Hansjörg Mühlen, Diabetologe aus Duisburg: “Wir brauchen eine Qualifikation aller Praxen in diesem Gebiet!”

Formel-1-Wagen in der Auto-Werkstatt?

Und wer darf Diabetes-Technologien verordnen und Menschen damit betreuen? “Ich glaube nicht, dass wir sagen: Technologie darf nur einer machen. Aber es gibt bestimmte Technologien, die kann nicht jeder machen”, ist sich Toralf Schwarz, Vorsitzender des Bundesverbands Niedergelassener Diabetologen, sicher. “Niemand käme auf die Idee, einen Formel-1-Wagen in seiner Auto-Werkstatt reparieren zu lassen.”

Zauberwort: Vernetzung

Auch die Botschaft von Dr. Markus Beier, Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, lautete: “Ja, es gibt Dinge, die gehören in die Hand von spezialisierten Zentren. Aber lassen Sie uns bei der Entwicklung dessen, was auf uns zukommt in der Zukunft, sagen: Wie können wir gestuft, gesteuert und möglichst wenig fragmentiert die Patientinnen und Patienten versorgen?” Hintergrund dieser Botschaft ist auch das Problem der zur Verfügung stehenden Ressourcen angesichts der zunehmenden Zahl von Menschen mit Diabetes, die zu betreuen und zu versorgen sind. Diabetologin Dr. Karin Schlecht aus Eisenach brachte es in der Diskussion auf den Punkt: “Für mich wäre das Zauberwort: Vernetzung!”

Prof. Dr. Bernhard Kulzer (links) und Prof. Dr. Lutz Heinemann (rechts) hatten zusammen mit weiteren Expertinnen und Experten die Programme erarbeitet. | Foto: MedTriX

“Spritzen Sie 36 mg/dl Insulin”

Auch künstliche Intelligenz (KI) kann zukünftig immer mehr unterstützen. Aber wir sollten auch deren Grenzen kennen. Dr. Volker Busch aus Regensburg warnte: “Das Bewusstsein fehlt nach wie vor, es fehlt das logische Denken.” PD Dr. Dominic Ehrmann, Psychologe aus Bad Mergentheim, zeigte an einem Beispiel, was passiert, wenn man eine KI fragt, wie man sich bei steigenden Glukosewerten nach einer Mahlzeit verhalten soll. Zwei der Empfehlungen der KI: “Wenn Ihr Korrekturfaktor 20 mg/dl beträgt, sollten Sie 36 mg/dl Insulin spritzen.” Und weiter: “Speisen Sie 15 – 30 Gramm Kohlenhydrate. Dies wird dazu beitragen, den Glukoseanstieg zu stoppen und den Wert zu senken.” Würden Sie einer KI, die solch falsche Empfehlungen gibt, jemals trauen?

Test-Objekt Banane

Auch Dr. Guido Freckmann vom Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Technologie (AGDT) warnte auch in anderer Hinsicht. Die AGDT bekomme immer wieder Anfragen wie: “Da gibt es solche Uhren, die den Zucker messen. Wie gut sind die denn?” Er bestellte drei Armbanduhren zum Messen des “Blutzuckers” im Internet, die explizit nicht als Medizinprodukte deklariert waren. Zwei konnte er untersuchen, bei der dritten konnte man die Werte nicht auslesen. Beide am rechten Arm eines Mitarbeiters getesteten Uhren zeigten Glukosekurven – die nicht wirklich übereinstimmten und zu den mit einem Glukosesensor gemessenen Werten gar nicht passten.

Sowohl beim t1day (Foto) als auch bei der diatec fand die begleitende Industrie-Ausstellung reges Interesse. | Foto: MedTriX

Am nächsten Tag trug er die Uhrem am linken Arm – und die Kurven waren identisch wie am Vortag. Als er die Uhren daraufhin um eine Banane legte – bekam er dieselben Kurven wie an den beiden Vortagen! Die Uhren tragen ein CE-Kennzeichen, haben also vermeintlich eine Zulassung, aber, so Freckmann: “Die Buchstaben sind zu eng beieinander. Das ist nicht CE, sondern China Export.”

Individuelle Entscheidungen

In einer Podiusmdiskussion sprachen Menschen mit Typ-1-Diabetes über unterschiedliche Ansichten zur Therapie-Entscheidung. Zur Frage, welche Systeme – Insulinpen, Insulinpumpe, Blutzucker-Messung oder kontinuierliches Glukose-Monitoring (CGM) – man nutzen möchte, betonte Influencerin Kathi Korn: “Es ist ganz wichtig, dass jeder sein System findet.”

Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den Veranstaltungen. Im Jahr 2025 geht es weiter: diatec für die Profis ist geplant vom 23. bis 25. Januar, der t1day für Menschen mit Diabetes soll am 26. Januar in Berlin und virtuell stattfinden. Informationen dazu gibt es unter www.diatec-fortbildung.de und www.t1day.de.


von Redaktion Diabetes-Anker

Das Redaktionsteam des Diabetes-Ankers besteht aus erfahrenen Journalistinnen und Journalisten – teils mit medizinischem und naturwissenschaftlichem Hintergrund sowie selbst von Diabetes betroffen – die seit vielen Jahren zum Thema Diabetes publizieren.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2024; 72 (3) Seite 10-11

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  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

    • calvin240 antwortete vor 1 Woche

      @uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
      Liebe Grüße

  • stephanie-haack postete ein Update vor 1 Monat

    Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 1 Monat

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

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