Forscher erhoffen sich Aceton­messung per Atem, die Fingerpiks ersetzen könnte

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© Julia Siekmann, CAU
Forscher erhoffen sich Aceton­messung per Atem, die Fingerpiks ersetzen könnte

Ein Forschungsteam der Universität Kiel hat gemeinsam mit moldawischen Kollegen ein einfaches und kostengünstiges Herstellungsverfahren für sensible und energieeffiziente Aceton-Sensoren per 3D-Druck entwickelt. Die Forscher und Forscherinnen hoffen, mit dieser Grundlagenforschung einen Schritt hin zu einem Atemtest gemacht zu haben, der präzise Rückschlüsse auf die Glukosekonzentration ermöglicht.

Die Herstellung hochempfindlicher Sensoren ist aufwendig: Viele verschiedene Prozessschritte und die nahezu staubfreie Umgebung spezieller Reinräume sind dafür nötig. Ein Forschungsteam aus der Materialwissenschaft der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und der Biomedizintechnik der Technischen Universität Moldawien hat jetzt ein Verfahren vorgestellt, mit dem die Herstellung äußert sensibler und energieeffizienter Sensoren per 3D-Druck möglich ist. Diese eigne sich grundsätzlich auch für eine industrielle Fertigung.

Wie die Forscher und Forscherinnen berichten, ist der Sensor durch eine spezielle Strukturierung auf Nanoebene in der Lage, die Konzentration von Acetongas präzise zu messen. Da die Aceton-Konzentration im Atem mit der Höhe des Blutzuckerspiegels korreliert, hofft das Forschungsteam, damit auch einen Schritt hin zu einem Atemtest für Menschen mit Diabetes gemacht zu haben, der in einigen Jahren die punktuelle Blutzuckermessung ersetzen könnte.

Die tatsächliche marktreife Umsetzung solcher gänzlich non-invasiven Messverfahren blieb bislang allerdings trotz vieler Bestrebungen und vermeintlichen Durchbrüchen noch erfolglos.

Vergrößerte Oberfläche macht Sensor empfindlicher

Unter einem hochauflösenden Elektronenmikroskop wird die besondere Oberfläche der neuen Sensoren sichtbar: In einem Dickicht aus zahlreichen Spitzen von nur etwa 20 Nanometern Durchmesser verfangen sich Moleküle von Gasen wie zum Beispiel Aceton besonders leicht. Die Spitzen vergrößern die Oberfläche des Sensors und sorgen so für seine hohe Empfindlichkeit.

© CAU (AG Funktionale Nanomaterialien) | Die Sensoroberfläche unter dem Mikroskop: Aus metallischen Mikropartikeln lässt das Forschungsteam winzige Spitzen wachsen, an denen sich Gasmoleküle besonders gut verfangen.

„Um diese besondere Struktur zu erreichen, erhitzen wir einfache Mikropartikel aus Metall bis sich auf ihnen die zahlreichen feinen Spitzen bilden. Mit einer speziell entwickelten Tinte können wir diese Partikel per 3D-Drucker auf verschiedene Oberflächen präzise auftragen“, erklärt Leonard Siebert das „Direct Ink Writing“-Verfahren. Als Doktorand in der Arbeitsgruppe „Funktionale Nanomaterialien“ forscht er an der CAU unter anderem zu additiven Fertigungstechniken wie dem 3D-Druck.

Vielseitiges Verfahren für Aceton und andere Gase

Das in der Studie vorgestellte automatisierte 3D-Druckverfahren lässt sich für dieses Sensorkonzept an normaler Umgebungsluft durchführen. So entstehen in wenigen Minuten mehrere Sensoren gleichzeitig, wofür es in Reinräumen bisher ein paar Stunden brauchte. Für die Partikel, auf denen die Spitzen wachsen, können verschiedene Ausgangsmaterialien verwendet und angepasst werden, je nachdem welches Gas der Sensor später detektieren soll.

„Noch ist das in erster Linie Grundlagenforschung, aber in Zukunft lassen sich nach diesem Prinzip auch Sensoren für Wasserstoff oder andere explosive gefährliche Gase entwickeln“, ist CAU-Professor Rainer Adelung, Leiter der Arbeitsgruppe, überzeugt.

Deutsch-moldawisches Projekt: „Kenntnisse ideal ergänzt“

Um die besonderen Spitzen bilden zu können, müssen die Metallpartikel eine bestimmte Größe haben. „Entscheidend ist das richtige Verhältnis von Oberfläche und Volumen, die Oberfläche sollte im Vergleich zum Volumen relativ groß sein“, erklärt Dr. Oleg Lupan aus der Biomedizintechnik an der Technischen Universität Moldawien. Sechs Monate erforschte er diesen Prozess als Humboldt Fellow in der Kieler Arbeitsgruppe.

Was für die Empfindlichkeit der Sensoren von Vorteil ist, erweist sich bei ihrer Herstellung als Herausforderung: Während sich kleinere Partikel mit etablierten Techniken wie Sprühverfahren oder Vakuum-Aufdampfanlagen leicht auf Oberflächen anbringen lassen, sind die hier verwendeten Mikropartikel dafür bereits zu groß. „Deshalb haben wir überlegt, wie wir dafür 3D-Drucker nutzen können“, so Materialwissenschaftler Siebert. „Die Kenntnisse der Kollegen der TU Moldawien zur Nanostrukturierung und unsere Erfahrungen im 3D-Druck haben sich hier ideal ergänzt.“

Energieeffizienz ermöglicht mobile Anwendungen

Wenn im fertigen Sensor organische Moleküle auf die zahlreichen Spitzen treffen, reagieren sie stark miteinander. So verändern sie den Widerstand des Sensors und lösen deutlich messbare Signale aus. Grundsätzlich fließt durch die dünnen Spitzen jedoch nur eine geringe Menge Strom. „So verbrauchen unsere Sensoren nur sehr wenig Energie“, erklärt Dr. Lupan. „Das macht auch kleine, tragbare Messgeräte denkbar, die sich zum Beispiel direkt über das Smartphone auslesen lassen.“

Das Stoffwechselprodukt Aceton entsteht bei Insulinmangel und wird über die Atemluft abgegeben. Die hochempfindlichen Sensoren konnten Acetonwerte von bis unter 1 ppm (Partikel pro Millionen Luftteilchen) feststellen, heißt es in der Studie, während der Atem von Menschen mit Typ- 1 oder Typ-2-Diabetes einen Acetongehalt über 2 ppm hat.

Das könnte einen zukünftigen Einsatz der Sensoren in mobilen, tragbaren Atemtests für Menschen mit Diabetes ermöglichen, die ihre Glukosewerte punktuell messen, hoffen die Forschenden. Statt ihren Blutzuckerwert mehrmals täglich über einen Stich in den Finger zu ermitteln, könnten diese den Acetongehalt dann in ihrem Atem messen, um anhand dessen Rückschlüsse für ihre Therapie zu ziehen.


Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) | Redaktion

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