- Technik
FreeStyle Libre 2: „Bei dir piept’s wohl!“
2 Minuten

Das FreeStyle Libre 2-Messsystem ist auf dem Markt. Es warnt bei zu hohen und zu niedrigen Glukosewerten und angeblich funktioniert es noch genauer als sein Vorgänger. Wir haben das neue System einem Anwendertest unterzogen.
Es ist wie mit einem neuen Klingelton. Die Melodie ertönt, man wundert sich, woher die Musik kommt und was man da eigentlich hört – bis einem plötzlich einfällt: „Da klingelt ja mein Handy!“ So ergeht es mir am Anfang auch mit dem FreeStyle Libre 2 Warum? Plötzlich piept auch das bislang stumme Lesegerät des FreeStyle Libre selbstständig …
Schnell erklärt
iscCGM: intermittent-scanning Continuous Glucose Monitoring
Ein iscCGM-System besteht aus einem Sensor, der auf der Haut getragen und nicht kalibriert werden muss und kann, und einem Lesegerät. Das System misst kontinuierlich die Glukosekonzentration im Zellzwischenraum („Gewebezucker“) – nicht den Blutzucker. Der Nutzer muss den Werteabruf aktiv durchführen; es gab bisher keine Alarmfunktion.
rtCGM: Real-Time Continuous Glucose Monitoring
CGM-Systeme, bestehend aus Sensor, am Sensor befestigtem Transmitter und Empfängergerät, messen den Gewebezucker kontinuierlich und übertragen die Werte automatisch an den Empfänger. Die Mehrheit der rtCGM-Systeme muss kalibriert werden. Sie können den den Nutzer alarmieren, wenn die Glukosekonzentration den Zielbereich verlässt.
Wenn man wie ich bislang die erste Generation des iscCGM-Systems FreeStyle Libre gewöhnt ist, kennt man eben nur ein Lesegerät, das nach dem Scannen des Sensors in bzw. auf der Haut zuverlässig den Gewebezucker auf dem Display anzeigt. Aber dass das Lesegerät nun eigeninitiativ Alarmtöne von sich gibt, ist neu – und sehr willkommen!
Sensor kann weiterhin 14 Tage getragen werden, kein Kalibrieren
Der FreeStyle Libre 2, der seit Kurzem auf dem deutschen Markt ist und für den man ein – äußerlich bis auf die Farbe des Gehäuses identisches – neues Lesegerät benötigt, warnt nun auch, wenn man einen vorab individuell festgelegten Zielbereich verlässt. Auch für den Fall des Signalverlustes, wenn also die Glukosealarme nicht verfügbar sind, weil der Sensor nicht mit dem Lesegerät kommuniziert, kann man bei Bedarf einen Alarm aktivieren.
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| Kurzporträt der Autorin Susanne Löw (Blog: www.zucker-im-gepaeck.de). |
In dem Fall ertönt das Signal – genau wie bei einem Glukosewert „auf Abwegen“. Dann zeigt das auf einer Bluetooth-Funkverbindung basierende Lesegerät an: „Alarm: Niedr. Glukosewert“ oder „Alarm: Hoher Glukosewert“ sowie eine Meldung, die man via Touchscreen bestätigen muss: „Aktuellen Alarm beenden und Glukose testen“. Das Gerät zeigt also nicht direkt den Wert an, sondern alarmiert und fordert zu einem aktuellen Scan-Vorgang auf. Das Handling mit dem Sensor – beim Anlegen und Messen, der Sensor selbst, die Tragedauer von 14 Tagen – all das ist gleich geblieben. Kalibrieren muss man auch weiterhin nicht.
Das Lesegerät piept nur einmal – ist das nun gut oder schlecht?
Im Gegensatz zu so manch anderem CGM-Gerät piept und/oder vibriert das Lesegerät des FreeStyle Libre 2 nur ein einziges Mal – ganz gleich, ob man dann Insulin gegen einen hohen Blutzucker spritzt oder der Zucker bei einem niedrigen Wert ist und ob das dann die erwünschte Wirkung zeigt.
Äußerlich fast gar keine Veränderung: Das Lesegerät des neuen „FreeStyle Libre 2“ (re.) sowie des Vorgängermodells.
Heißt: Der nächste Alarm ertönt erst wieder, wenn man einmal wieder im Zielbereich war und diesen erneut verlässt. Mir gefällt das, nicht ständig automatisch weiter angepiept zu werden, auch wenn der Gewebezucker nicht gleich wieder im grünen Bereich ist. Immerhin kann ich mir ja mit dem FreeStyle Libre-Lesegerät (nach wie vor) auch eine Scan-Erinnerung – etwa eine Stunde später – setzen, wenn ich sehr unsicher bin, wie sich die Zuckerwerte weiterentwickeln.
Alarme können auch punktuell oder gänzlich deaktiviert werden
Mehr noch: Will man in bestimmten Situationen seine absolute Ruhe – etwa in Konferenzen oder in der Yoga-Stunde –, kann man die Alarmfunktion komplett deaktivieren. Folglich können auch alle Nutzer, die auf den Mehrwert der Warnfunktion verzichten wollen, ihren FreeStyle Libre auch mit der zweiten Generation wie gewohnt einsetzen.
FreeStyle Libre 2: das Wichtigste auf einen Blick
Was ist neu am FreeStyle Libre 2?
optionale, individuell einstellbare Alarme in Echtzeit bei zu hohen Glukosewerten (Hyperglykämie) oder zu niedrigen Glukosewerten (Hypoglykämie) sowie bei Signalverlust
genauere Sensormesswerte ab dem ersten Tag des Tragens
Wie komme ich an den FreeStyle Libre 2?
Die größten gesetzlichen Krankenkassen wie die Techniker Krankenkasse (TK), BARMER, DAK Gesundheit und AOK Bayern sowie einige Betriebskrankenkassen wie die BKK Pfaff, BKK pronova, Securvita BKK und die Schwenninger Betriebskrankenkasse übernehmen laut Abbott bereits die Kosten für Menschen mit Typ-1- bzw. Typ-2-Diabetes und intensivierter Insulintherapie (ICT) oder Insulinpumpentherapie (CSII).
Wie sieht die aktuelle Liefersituation aus?
Aktuell werden laut Abbott alle Versicherten, deren gesetzliche Krankenkassen eine Vereinbarung zur Kostenübernahme von FreeStyle Libre 2 mit Abbott geschlossen haben, ab der nächsten Verordnung mit der neuen Generation von FreeStyle Libre versorgt.
Kostet der FreeStyle Libre 2 mehr?
Der Preis, den Kunden als Selbstzahler für das Messsystem FreeStyle Libre 2 zahlen, wird laut Abbott im Vergleich zum ursprünglichen FreeStyle-Libre-Messsystem nicht steigen.
Gibt es eine App für den FreeStyle Libre 2?
Abbott will die App FreeStyle LibreLink auch für den FreeStyle Libre 2 verfügbar machen – voraussichtlich noch in der ersten Hälfte des Jahres 2019.
Ich dagegen freue mich, dass nachts nun zusätzlich zu meiner eigenen Hypoglykämiewahrnehmung ein Sicherheitsfeature auf meinem Nachtkästchen darauf aufpasst, dass ich nicht schlafend in den Unterzucker rausche oder morgens mit horrend hohen Werten aufwache, sondern nachts noch rechtzeitig gegensteuern kann, wenn der FreeStyle Libre 2 Alarm schlägt.
Und wie sieht‘s aus mit der Messgenauigkeit?
Genauere Messwerte soll der FreeStyle Libre 2 auch liefern, ab dem ersten Tag der Tragedauer. Für eine klinische Studie unter kontrollierten Bedingungen reichen meine Parallel-Messungen mit FreeStyle Libre 1 und 2 und Blutzuckertest via Omnipod natürlich nicht aus. Dennoch bemerke ich nach ein paar Tagen, dass die Werte zwischen FreeStyle Libre 1 und 2 (mit weit auseinanderliegenden Startzeiten der Tragezeit wohlgemerkt) maximal um die 15 mg/dl (0,8 mmol/l) auseinanderliegen.
„FreeStyle Libre 2“ im Anwendertest – mein Fazit
Daumen hoch! Der FreeStyle Libre 2 bietet ein nützliches Update – eine Umgewöhnung ist bis auf die Alarmfunktion nicht nötig. Auch die individuellen Einstellungen und die Möglichkeit, die Warnungen temporär zu deaktivieren, gefallen mir.
Jetzt muss nur noch die passende App dazu folgen, um unterwegs nicht auf das Lesegerät angewiesen zu sein. Dann wird mein Handy einen zusätzlichen „Klingelton“ bekommen – für zu hohe und zu niedrige Glukosewerte. Auch wenn ich mich dann erst wieder an den neuen Ton gewöhnen muss.
von Susanne Löw
Freie Journalistin, Methfesselstr. 65, 20257 Hamburg
Website: www.susanne-loew.com
E-Mail: info@zucker-im-gepaeck.de
| sl@susanne-loew.com
Blog: www.zucker-im-gepaeck.de
Facebook: www.facebook.com/ZuckerImGepaeck
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (3) Seite 40-41
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thomas55 postete ein Update vor 4 Tagen, 1 Stunde
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 4 Tagen, 19 Stunden
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 5 Tagen
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]







Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße