- Technik
Fußdruck messen mit Pedographie
3 Minuten
Verschiedene Belastungszonen
Der menschliche Fuß hat verschiedene Belastungszonen beim Stehen, Gehen und Laufen. Im Normalfall bereiten diese selbst bei außergewöhnlichen Belastungen keinerlei Probleme. Anders kann es bei Diabetikern aussehen. Liegt eine periphere sensible Neuropathie vor, besteht ein Sensibilitätsverlust an den Füßen, so dass der Patient meist weder gravierende Druckveränderungen noch Fehlbelastungen bemerkt. Dadurch kann es an diesen Stellen zu mechanischen Schäden der Zehen, der Fußsohle und insbesondere der Ferse kommen.
Aber auch die übermäßige Kompression der kleinen Blutgefäße bis zum belastungsabhängigen Gefäßverschluss kann zu Fußläsionen führen. Übersteigt der Druck beim Laufen, der durch das Körpergewicht und die Druckdauer (z. B. langsames Gehen und Stehen) beeinflusst wird, den Blutdruck in den Kapillaren, führt der daraus entstehende Sauerstoffmangel zu Gewebeschäden.
Drücke durch Farbcodes sichtbar gemacht
Mit der Pedographie können diese belastungsbedingten Drücke unter den Füßen dargestellt und quantifiziert werden. Hierzu eignet sich die Pedographie in zwei Varianten: mit einer Druckmessplattform oder mit einem Im-Schuh-Messsystem. Die erste mit kapazitiver Sensorik ausgerüstete Messplattform wurde 1976 entwickelt. Seit 1994 kommen in Deutschland flexible Folien zum Einsatz, die eine Druckmessung im Schuh zulassen.
Die elektronischen Sensoren, ca. 1 bis 4 Sensoren pro Quadratzentimeter, reagieren mit Änderung ihrer elektrischen Eigenschaften auf Druck. Mit Hilfe der dazugehörigen Software können die Signale als Isobaren oder Pixel farbkodiert auf einem Monitor dargestellt werden. Um reproduzierbare Druckwerte zu erhalten, ist eine sorgfältige Kalibrierung jedes einzelnen Sensors unerlässlich.
Druckmessung im Laufen
Die Pedographie mit einer Messplattform erfolgt barfuß. Diese Methode eignet sich zur Beurteilung während des Bodenkontakts. Tausende von kalibrierten Sensoren können dabei das Laufbild erfassen. Die Druckmessplattform ist besonders für wissenschaftliche Serienuntersuchungen und Vergleiche zwischen verschiedenen Menschen geeignet, da hier die Beschaffenheit des Schuhwerks unberücksichtigt bleibt.
Druckmessplattformen werden daher auch in der Sportmedizin eingesetzt, z. B. um bei Langstreckenläufern Fehlbelastungen zu erkennen und durch geeignete Konstruktionen der Laufschuhe den Fuß zu entlasten.
Bei Diabetikern im Schuh messen
Für die Schuhversorgung bei Diabetischem Fußsyndrom hat sich die Im-Schuh-Druckmessung etabliert. Sie ermöglicht den Vergleich der Druckbelastung des Fußes vor und nach Schaffung einer orthopädietechnischen Schuhzurichtung. Beim Laufen übertragen die Sensoren nun die Belastungspunkte der Fußsohle. Sie werden mit einer Computersoftware in einer Graphik in unterschiedlicher Farbgebung dargestellt.
Im Normalfall zeigt die Graphik eine geringe Druckbelastung mit blauen bis leicht grünlichen Sensorpunkten an. In den gefährdeten Bereichen verändert sich die Farbskala von hellgelb bis dunkelrot. Die roten Farbkodierungen zeigen die besonders gefährdeten Bereiche der Fußsohle an. Das Belastungsprofil bei Gesunden weist meist höhere Drücke im Bereich der Ferse, der Ballen der 2. und 3. Zehe (Metatarsalköpfchen) und der Großzehe auf.
Erst Hornhautschwiele, dann Druckgeschwüre
Bei unbeeinträchtigtem Abrollvorgang des Fußes findet sich die Ganglinie von der Ferse bis zur Großzehe. Durch die sensomotorische Neuropathie kann es durch Schwund der Zehenmuskulatur zu einem Absinken der Metatarsalköpfchen kommen, so dass sie von innen auf die Fußsohle drücken. Zunächst führt dies zu einer Hornhautschwiele, später kann ein Druckgeschwür (Fußulkus) auftreten.
Zusätzlich begünstigt die neuropathisch veränderte trockene Haut mit Einrissen das Auftreten von Infektionen. Diese können neben den Weichteilen auch Knochen und Gelenke befallen. Um einen solchen Krankheitsprozess zu vermeiden oder zur Abheilung zu bringen, können Weichbettungseinlagen und spezielle Schuhzurichtungen zur Druckentlastung notwendig werden.
Dies gilt auch für die Behandlung der diabetischen Neuroosteoarthropathie (DNOAP, „Charcot-Fuß“), die unbehandelt zu einem Zusammenbrechen des Fußgewölbes mit schweren Fußdeformitäten führen kann. Beim Diabetischen Fußsyndrom bestehen meist pathologische Druckerhöhungen unter allen Mittelfußköpfchen und dem Außenspann des Fußes. Eine weitgehende Druckentlastung ist hier zwingend erforderlich.
Zieldruck unter 20 N/cm2
Zur Beurteilung der unterschiedlichen Belastungspunkte an den Füßen müssen zwei Druckverteilungsmessungen durchgeführt werden: zuerst die Neutral-Null-Messung (ohne Hilfsmittel wie Einlagen), danach die Messung mit maßangefertigten Einlagen oder Fußbettungen. Zur Messung wird die dünne Messsohle, die mit ca. 80 bis 100 Drucksensoren versehen ist, in die Schuhe unter den Fuß gelegt und per Funk mit einem Computer verbunden.
Verglichen werden dabei die Druckverteilung und die Druckspitzen vor und nach der orthopädietechnischen Maßnahme im Stehen und im Gehen. Die erzielte Druckreduktion und Umverteilung kann damit objektiviert und quantifiziert werden. Kritische Druckwerte liegen über 25 N/cm2, Werte unter 20 N/cm2 gelten als unbedenklich. Häufig werden Druckspitzen weit über 30 N/cm2 gemessen. Druckverminderungen durch Sohlen- und Schuhzurichtungen zielen daher auf Werte unter 20 N/cm2, wobei nicht andere Fußbereiche übermäßig mehrbelastet werden dürfen.
Vielfältigen Möglichkeiten durch Pedographie
Die digitalisierte Druckdarstellung kann zum Erstellen der Schuhzurichtung verwendet werden. Es gibt heute schon computergesteuerte Fräsmaschinen (CAD-Systeme), die mit Hilfe der individuellen Messdaten Weichbettungseinlagen direkt anfertigen.
Somit dient die Pedographie mit ihren vielfältigen Möglichkeiten zunehmend der Optimierung diabetesadaptierter Schuhzurichtungen und der Verbesserung der Qualitätskontrolle. Sie unterstützt so das Bemühen von Diabetologen und Orthopädieschuhmachern um eine effektive Versorgung von Patienten mit Diabetischem Fußsyndrom.
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stephanie-haack postete ein Update vor 2 Tagen, 10 Stunden
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 2 Tagen, 12 Stunden
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 2 Tagen, 10 Stunden
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
