Hybrides Closed-Loop-System erfolgreich getestet

3 Minuten

© Stefan Straube / UKL
Hybrides Closed-Loop-System erfolgreich getestet

Die Ergebnisse einer europäischen Pilotstudie zeigen, dass eine halbautomatische künstliche Bauchspeicheldrüse (Hybrid-Closed-Loop-System) auch bei Kleinkinder mit Typ 1-Diabetes unter sieben Jahren erfolgreich eingesetzt werden kann, ohne dass dabei auf ein speziell präpariertes Insulin zurückgegriffen werden muss.

In einer internationalen Pilotstudie im Rahmen des EU-finanzierten Projekts
KidsAP
(The artificial pancreas in children aged 1 to 7 years with type 1 diabetes) ist laut Autoren erstmals ein modernes halbautomatisches Insulinabgabe-System (hybrides Closed-Loop-System) erfolgreich an Kleinkindern mit Typ-1-Diabetes unter sieben Jahre getestet worden – zudem konnte eine wichtige Frage bezüglich des Einsatzes eines solchen Systems in dieser Altersgruppe geklärt werden.

Entwicklung der Diabetes-Technologie schreitet voran

Die in den Fachzeitschriften
Pediatric Diabetes
und
Diabetes Care
publizierten Ergebnisse dieser Studie könnten nach Ansicht des beteiligten Mediziners Dr. Thomas Kapellen (siehe Bild oben) vom Universitätsklinikum Leipzig (UKL) dazu beitragen, das Leben der sehr jungen Betroffenen und derjenigen Menschen, die sich um sie kümmern, zu erleichtern und zu verbessern. Eine größere Nachfolgestudie startet im Herbst am UKL.

Dr. Kapellen betreut als Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin und Leiter der Kinderarztpraxis im MedVZ am UKL etwa 400 Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes. Die meisten von ihnen nutzen eine Insulinpumpe, eine geringere Anzahl einen Insulinpen.

„Die Diabetes-Technologie hat sich weiterentwickelt“, sagt der Kinderdiabetologe, „moderne Insulinpumpen kommunizieren heute über Funk mit Sensoren, die im Unterhaut-Fettgewebe liegen und dort eine kontinuierliche Glukosemessung (CGM) vornehmen.“ Anhand dieser Sensordaten kann die neueste Geräte-Generation Entscheidungen treffen, um Unterzuckerungen zu vermeiden und beispielsweise die Insulin-Dosis zu reduzieren.

Drei Komponenten: Pumpe, Sensor, Smartphone

Einen Schritt weiter geht die künstliche Bauchspeicheldrüse (engl.: artificial pancreas). Dabei handelt es sich um ein tragbares medizinisches System, das mittels digitaler Technologie die Insulinverabreichung vollautomatisch übernimmt.

Zu Pumpe und Sensor kommt als dritte Komponente nun noch ein Smartphone mit einer speziellen App hinzu. Sie enthält einen Algorithmus, der mittels der Sensordaten die Insulindosis berechnet, die Pumpe steuert und somit die Basalrate, also den Grundbedarf an Insulin, reduzieren, aber eben auch erhöhen kann.

Hybrid Closed-Loop heißt dieses System, von dem sich Diabetologen wie Dr. Kapellen einen Riesengewinn versprechen. „In Ruhephasen, in der Nacht und zwischen den Mahlzeiten arbeitet das System völlig autark“, erläutert der UKL-Experte, „nur zu den Mahlzeiten muss der Anwender selbst noch aktiv werden, deswegen der Zusatz hybrid.“

Kein verdünntes Insulin nötig

„Erstmals ist diese Art des Systems nun bei einer so jungen Altersgruppe getestet worden“, hebt Dr. Kapellen hervor. Denn Kinder in diesem Alter hätten einen sehr niedrigen Insulinbedarf, auch bestünden enorm hohe Sicherheitsanforderungen wegen des geringen Alters der Studienteilnehmer, nennt er als Gründe, wieso es bislang keine Untersuchungen bei Kleinkindern mit einem solchen System gab.

Die von Prof. Roman Hovorka von der University of Cambridge (Großbritannien) geleitete Pilotstudie sollte nun daher herausfinden, ob für die Verwendung der künstlichen Bauchspeicheldrüse bei Kleinstkindern das Insulin verdünnt werden müsste.

Dafür wurden 24 Mädchen und Jungen zwischen 18 Monaten und sieben Jahren in Großbritannien, Luxemburg, Österreich und am Leipziger Universitätsklinikum rekrutiert. Sie erhielten mittels des Closed-Loop-Systems jeweils drei Wochen lang verdünntes Insulin und drei Wochen lang solches in Standardstärke.

Das Ergebnis: Es gibt keine Unterschiede. Kinder, welche die künstliche Bauchspeicheldrüse verwendeten, benötigen kein verdünntes Insulin – ein großer Vorteil, da Insulin mit Standardstärke sicherer und einfacher überwacht werden kann, und ein wichtiges Vorergebnis für die nun folgende Nachfolgestudie.

System entlastet Eltern und Betreuer

Auch Eltern und Betreuer von erkrankten Kindern profitieren in hohem Maß von solch einem System, so die Studienautoren. Denn bislang müssen sie noch mehrfach am Tag die Glukosewerte der Kinder überprüfen – auch in der Nacht. in der Nacht. „Die Eltern der 24 Probanden in unserer Pilotstudie haben dem System vertraut“, berichtet Dr. Kapellen, „sie schliefen besser und mussten nicht ständig aufstehen.“

Bei Kindern der untersuchten Altersgruppe ändere sich der Insulinbedarf außerdem von Stunde zu Stunde, so der Diabetologe, auch dafür sei das System optimal, da es sich daran anpassen könne, egal, wo sich die Kinder gerade aufhielten.

Mathilda Seifert aus Eilenburg ist eine der kleinen Patientinnen, die an der großen KidsAP02-Studie am UKL ab Herbst teilnehmen wird.

Die zweite, größere und ebenfalls EU-finanzierte KidsAP-Nachfolgestudie (KidsAP02) mit dann 84 Kindern und einer Dauer von einem Jahr ist in Cambridge bereits gestartet, am UKL als einzigem deutschen Studienzentrum geht es im Herbst los. „Wir haben viele interessierte Patienten“, sagt Dr. Kapellen, „und alle Eltern aus der Pilotstudie wollen sowieso wieder mitmachen.“


Quelle: Universitätsklinikum Leipzig (UKL) | Redaktion

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  • thomas55 postete ein Update vor 3 Tagen, 8 Stunden

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 4 Tagen, 2 Stunden

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 4 Tagen

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