- Technik
Hybrides Closed-Loop-System erfolgreich getestet
3 Minuten
Die Ergebnisse einer europäischen Pilotstudie zeigen, dass eine halbautomatische künstliche Bauchspeicheldrüse (Hybrid-Closed-Loop-System) auch bei Kleinkinder mit Typ 1-Diabetes unter sieben Jahren erfolgreich eingesetzt werden kann, ohne dass dabei auf ein speziell präpariertes Insulin zurückgegriffen werden muss.
In einer internationalen Pilotstudie im Rahmen des EU-finanzierten Projekts
KidsAP
(The artificial pancreas in children aged 1 to 7 years with type 1 diabetes) ist laut Autoren erstmals ein modernes halbautomatisches Insulinabgabe-System (hybrides Closed-Loop-System) erfolgreich an Kleinkindern mit Typ-1-Diabetes unter sieben Jahre getestet worden – zudem konnte eine wichtige Frage bezüglich des Einsatzes eines solchen Systems in dieser Altersgruppe geklärt werden.
Entwicklung der Diabetes-Technologie schreitet voran
Die in den Fachzeitschriften
Pediatric Diabetes
und
Diabetes Care
publizierten Ergebnisse dieser Studie könnten nach Ansicht des beteiligten Mediziners Dr. Thomas Kapellen (siehe Bild oben) vom Universitätsklinikum Leipzig (UKL) dazu beitragen, das Leben der sehr jungen Betroffenen und derjenigen Menschen, die sich um sie kümmern, zu erleichtern und zu verbessern. Eine größere Nachfolgestudie startet im Herbst am UKL.
Dr. Kapellen betreut als Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin und Leiter der Kinderarztpraxis im MedVZ am UKL etwa 400 Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes. Die meisten von ihnen nutzen eine Insulinpumpe, eine geringere Anzahl einen Insulinpen.
„Die Diabetes-Technologie hat sich weiterentwickelt“, sagt der Kinderdiabetologe, „moderne Insulinpumpen kommunizieren heute über Funk mit Sensoren, die im Unterhaut-Fettgewebe liegen und dort eine kontinuierliche Glukosemessung (CGM) vornehmen.“ Anhand dieser Sensordaten kann die neueste Geräte-Generation Entscheidungen treffen, um Unterzuckerungen zu vermeiden und beispielsweise die Insulin-Dosis zu reduzieren.
Drei Komponenten: Pumpe, Sensor, Smartphone
Einen Schritt weiter geht die künstliche Bauchspeicheldrüse (engl.: artificial pancreas). Dabei handelt es sich um ein tragbares medizinisches System, das mittels digitaler Technologie die Insulinverabreichung vollautomatisch übernimmt.
Zu Pumpe und Sensor kommt als dritte Komponente nun noch ein Smartphone mit einer speziellen App hinzu. Sie enthält einen Algorithmus, der mittels der Sensordaten die Insulindosis berechnet, die Pumpe steuert und somit die Basalrate, also den Grundbedarf an Insulin, reduzieren, aber eben auch erhöhen kann.
Hybrid Closed-Loop heißt dieses System, von dem sich Diabetologen wie Dr. Kapellen einen Riesengewinn versprechen. „In Ruhephasen, in der Nacht und zwischen den Mahlzeiten arbeitet das System völlig autark“, erläutert der UKL-Experte, „nur zu den Mahlzeiten muss der Anwender selbst noch aktiv werden, deswegen der Zusatz hybrid.“
Kein verdünntes Insulin nötig
„Erstmals ist diese Art des Systems nun bei einer so jungen Altersgruppe getestet worden“, hebt Dr. Kapellen hervor. Denn Kinder in diesem Alter hätten einen sehr niedrigen Insulinbedarf, auch bestünden enorm hohe Sicherheitsanforderungen wegen des geringen Alters der Studienteilnehmer, nennt er als Gründe, wieso es bislang keine Untersuchungen bei Kleinkindern mit einem solchen System gab.
Die von Prof. Roman Hovorka von der University of Cambridge (Großbritannien) geleitete Pilotstudie sollte nun daher herausfinden, ob für die Verwendung der künstlichen Bauchspeicheldrüse bei Kleinstkindern das Insulin verdünnt werden müsste.
Dafür wurden 24 Mädchen und Jungen zwischen 18 Monaten und sieben Jahren in Großbritannien, Luxemburg, Österreich und am Leipziger Universitätsklinikum rekrutiert. Sie erhielten mittels des Closed-Loop-Systems jeweils drei Wochen lang verdünntes Insulin und drei Wochen lang solches in Standardstärke.
Das Ergebnis: Es gibt keine Unterschiede. Kinder, welche die künstliche Bauchspeicheldrüse verwendeten, benötigen kein verdünntes Insulin – ein großer Vorteil, da Insulin mit Standardstärke sicherer und einfacher überwacht werden kann, und ein wichtiges Vorergebnis für die nun folgende Nachfolgestudie.
System entlastet Eltern und Betreuer
Auch Eltern und Betreuer von erkrankten Kindern profitieren in hohem Maß von solch einem System, so die Studienautoren. Denn bislang müssen sie noch mehrfach am Tag die Glukosewerte der Kinder überprüfen – auch in der Nacht. in der Nacht. „Die Eltern der 24 Probanden in unserer Pilotstudie haben dem System vertraut“, berichtet Dr. Kapellen, „sie schliefen besser und mussten nicht ständig aufstehen.“
Bei Kindern der untersuchten Altersgruppe ändere sich der Insulinbedarf außerdem von Stunde zu Stunde, so der Diabetologe, auch dafür sei das System optimal, da es sich daran anpassen könne, egal, wo sich die Kinder gerade aufhielten.
Mathilda Seifert aus Eilenburg ist eine der kleinen Patientinnen, die an der großen KidsAP02-Studie am UKL ab Herbst teilnehmen wird.
Die zweite, größere und ebenfalls EU-finanzierte KidsAP-Nachfolgestudie (KidsAP02) mit dann 84 Kindern und einer Dauer von einem Jahr ist in Cambridge bereits gestartet, am UKL als einzigem deutschen Studienzentrum geht es im Herbst los. „Wir haben viele interessierte Patienten“, sagt Dr. Kapellen, „und alle Eltern aus der Pilotstudie wollen sowieso wieder mitmachen.“
Quelle: Universitätsklinikum Leipzig (UKL) | Redaktion
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stephanie-haack postete ein Update vor 2 Tagen, 18 Stunden
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 2 Tagen, 20 Stunden
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 2 Tagen, 18 Stunden
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
